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Als Videojournalist in Afghanistan

Kollegen auf dem Weg zum Einsatz: Christian Kruse (links) war als Videojournalist der Bundeswehr mehrmals in Afghanistan stationiert.

Christian Kruse war als Videojournalist der Bundeswehr zwischen den Jahren 2014 und 2017 mehrfach in Afghanistan. Dort portraitierte er die Soldatinnen und Soldaten und begleitete sie auf ihren Missionen mit der Kamera. Dabei entstanden Filmaufnahmen, aus denen Christian dann Reportagen und Berichte für die deutsche Öffentlichkeit produzierte.

Christian, Du warst als Videojournalist der Bundeswehr zwischen den Jahren 2014 und 2017 mehrmals in Afghanistan. Wo warst Du stationiert?

Ich war sowohl im Hauptquartier der NATO in Kabul, als auch im Hauptquartier des Regionalkommandos NORD in Masar-i-Scharif stationiert.

Wie hast Du das Land im Laufe der Jahre erlebt? Konntest Du Veränderungen feststellen?

Zwischen meinem ersten Besuch im Jahr 2014 und meinem letzten im Jahr 2017 hat sich die Lage der Bevölkerung in Afghanistan in Teilen dramatisch verändert. Nicht alles hat sich zum Besseren gewendet. Neben den Verbesserungen der Versorgung mit Verkehrsinfrastruktur, Schulen und medizinischen Hilfeleistungen, sind auch viele Folgen der jahrzehntelangen Konflikte in AFG und den Nachbarstaaten (insbesondere Pakistan) immer noch präsent und teilweise sogar verstärkt. Dazu gehört die organisierte Kriminalität genauso wie der Drogenanbau oder der Einfluss der radikal-islamischen Taliban. In den vergangenen Jahren hat auch der IS in Afghanistan bedeutend an Einfluss gewonnen. Das sorgt für zusätzlichen Zündstoff.

Insgesamt gesehen hat sich wirklich vieles spürbar verbessert, es ist aber bei Weitem noch nicht auf dem Stand, den man sich mit Beginn der ISAF Mission im Jahr 2003 erhofft hatte.

Deine Aufgabe war es, die Soldatinnen und Soldaten in ihren Aufgabenbereichen zu portraitieren. Welche Persönlichkeiten sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Von besonderer Bedeutung waren für mich Begegnungen mit dem Stellvertreter des höchsten Generals (ein US-Amerikaner) der ISAF Mission. Ich habe ihn bei einigen Terminen begleitet und ganz andere Eindrücke von der politischen Kultur in AFG gewinnen können. Aber auch die einfachen Soldaten, die in AFG einfach nur ihren Dienst verrichten, haben mich beeindruckt. Schützen auf einem gepanzerten Fahrzeug bei ihren alltäglichen Patrouillen zu begleiten, war mindestens genauso eindrucksvoll wie die Hubschrauberflüge über die weiten Steppen- und Wüstengebiete.

Wie hast Du die Lage der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan erlebt?

Mit Fortschreiten der ISAF Mission und dem Übergang zur Mission Resolute Support hat sich die Situation der Deutschen immer wieder drastisch verändert. Mal herrscht monatelang Ruhe und dann wird fast täglich von Angriffen berichtet. Das war sowohl für die Soldaten im Einsatz selbst, als auch die Zuhausegebliebenen eine echte Herausforderung.

Das Leben in den Feldlagern ist von vielen Entbehrungen geprägt. Das Wetter in Afghanistan kann brutal sein für einen Mitteleuropäer. Die Unterkunft in Containern ist auch nicht jedermanns Sache. Ablenkungen in Form von Internet und Sportangeboten besteht zwar, aber durch die langen Arbeitszeiten der Soldaten bleibt selten ausreichend Zeit, um zu entspannen. Als Soldat im Einsatz gibt es keinen Feierabend. Man ist immer im Dienst und sofort abrufbar.

Du hast die Soldatinnen und Soldaten auch auf ihren Missionen außerhalb der sicheren Lager begleitet. Was für ein Gefühl war das?

Ich persönlich habe mich nur selten bedroht gefühlt. Durch die gute Ausbildung und auch mein Wissen als Offizier hatte ich immer das Gefühl die Situationen gut einschätzen zu können. Ein mulmiges Gefühl hat man aber immer, wenn man das Lager verlässt.

Was war Deine Motivation für den Entschluss, nach Afghanistan zu gehen?

Ich war nicht freiwillig dort. Als Soldat hat man nicht die Wahl, ob man in den Einsatz geht. Es ist Teil meiner Aufgabe gewesen. Ich habe meinen Dienst erfüllt und habe es einfach getan. Ich persönlich habe mich aber auf die Erfahrung gefreut und wusste, dass diese mich entscheidend prägen wird.

Wie hast Du die Lebenssituation der Zivilbevölkerung in Afghanistan erlebt?

Die Menschen in Afghanistan sind in der großen Masse schlichtweg bettelarm. Die Urbanisierung zollt auch dort der Gesellschaft ihren Tribut. Smartphones sieht man fast in jeder Hand, doch der Zugang zu sauberem Wasser oder das Gefühl von Sicherheit ist deutlich weniger verbreitet.

Einige wenige Eliten leben dagegen in sehr ordentlichen Verhältnissen, die mit manchem EU-Mitgliedsland vergleichbar wären. Aber eben in Afghanistan.

Inzwischen bist Du nicht mehr in der Bundeswehr. Warum hast Du Dich entschieden aufzuhören?

Meine Verpflichtungszeit als Truppendienstoffizier endete nach 12 Jahren. Ich habe mich dazu entschlossen, diese Verpflichtung nicht zu verlängern, um anderen Interessen und Talenten nachzugehen. Ich glaube, dass 12 Jahre Bundeswehr mich sehr gut auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet haben. Ich verfolge nun meine ganz persönlichen Ziele und lerne auf ganz andere Arten und Weisen mit Menschen und Themen umzugehen. Eben durch die Brille eines Zivilisten und nicht mehr durch die eines Soldaten, der der Gesellschaft und ihrem Wohlergehen dient.

Denkst Du heute noch oft an Deine Besuche in Afghanistan zurück?

Ich denke immer wieder an bestimmte Momente. Eigentlich die schönen Momente, in denen man die Kameradschaft besonders stark gespürt hat. Gespräche über die Zukunft und über die persönlichen Belange der Soldaten und Kameraden dort und in der Heimat. Afghanistan macht viele Menschen wahnsinnig schnell erwachsen. Mich hat es nachdenklicher gemacht.

Würdest Du sagen, dass Deine Arbeit als Videojournalist Dich verändert hat? Wenn ja, inwiefern?

Ich weiß, dass ich durch meine Zeit als Videojournalist gelernt habe, andere Fragen zu stellen. Menschen mit noch mehr Offenheit zu begegnen und bereit dafür zu sein, meinen ersten Eindruck einer Situation oder Person wenn nötig völlig zu revidieren. Als Videojournalist erzähle ich nicht meine Geschichten, sondern die der Anderen. Das ist meisten harte Arbeit und fast immer eine echte Bereicherung meines Lebens.

Fotos: privat

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Bei der Arbeit: Christian Kruse (rechts) interviewt einen Kollegen.

Außerhalb des Lagers unterwegs: Heute sagt Christian Kruse, dass er zwar keine Angst gehabt habe, jeder Außeneinsatz aber mit einem mulmigen Gefühl verbunden gewesen sei.

Unterwegs als Videojournalist: Aus den im Einsatz entstandenen Filmaufnahmen produzierte Christian Kruse Reportagen und Berichte für die deutsche Öffentlichkeit.

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