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Interview mit Anselm Grün:
Weihnachten feiern im Kloster

Wie feiert ein Geistlicher wie Pater Anselm Grün Weihnachten? Gibt es Geschenke? Kommen seine Familienangehörigen im Kloster Münsterschwarzach vorbei? 

© Foto Koch, Kitzingen

Vor Kurzem kam es bei uns im Verlagshaus zu einer schönen Situation:

Eine Kollegin stellte fest, dass es jetzt nur noch wenige Wochen bis Weihnachten sind. Als nächstes fanden wir uns in einer wachsenden Gruppe von Kolleginnen wieder. Jede erzählte begeistert wie sie Heiligabend feiert: Welche Familienmitglieder dabei sind, was auf keinen Fall fehlen darf und welche Bräuche die besondere Weihnachtsstimmung erzeugen.

Durch das gemeinsame Erzählen und kam mir Weihnachten plötzlich ganz nah vor – ganz natürlich, ganz automatisch, war ein echter Weihnachtsmoment entstanden. Ich stellte fest: auch wenn für jede einzelne Kollegin Weihnachten mit individuellen Erinnerungen, Wünschen und Vorstellungen verbunden ist, einige Dinge gehören für fast alle zwingend zum Weihnachtsfest dazu: Geschenke auspacken, die Familie um sich haben, ein geschmückter Christbaum, ein Weihnachtsessen.

So feiern wohl die meisten Deutschen Weihnachten. Wie ist es aber, wenn man den Heiligen Abend nicht Zuhause mit der Familie verbringt, sondern im Kloster? Für Pater Anselm Grün ist das seit mehr als 50 Jahren Normalität. Im Interview erzählt er, wie in seiner Abtei Weihnachten gefeiert wird.

Pater Anselm, wie verbringen Sie in der Abtei Münsterschwarzach die Heilige Nacht?

Wir feiern vor allem im Rahmen der Liturgie. Es beginnt am Nachmittag schon mit der Vesper, dann gibt es im Konvent ein feierliches Abendessen mit einer Ansprache und Liedern, und nachts von 23 bis 2 Uhr ist in der Kirche die Vigil-Weihnachtsmette mit Psalmen und Abendmahlsfeier.

Was wir normalerweise zu Weihnachten haben, Tannenbaum mit Kerzen und sich gegenseitig beschenken ist bei Ihnen nicht üblich?

Nein. Am Tisch bekommt zwar jeder einen Teller mit Keksen und im Speisesaal steht auch ein Weihnachtsbaum, aber diese typische Bescherung gibt es hier nicht. Sicher wünschen wir uns frohe Weihnachten, doch im Mittelpunkt steht die Liturgie. Da werden nicht die altbekannten Weihnachtslieder gesungen, sondern Psalmen, in denen es um das Geheimnis geht, was es heißt, dass Gott Mensch wird und in unsere Welt eintritt.

Kommen Familienangehörige zu Besuch?

Nein, die feiern daheim und wir feiern Weihnachten im Kloster für uns.

Weihnachten ist in den christlichen Traditionen ein Friedensfest. Welches Gebet zum Thema Frieden gefällt Ihnen besonders gut?

Das Gebet des Heiligen Franziskus „Mach mich zu einem Werkzeug des Friedens“. Das Vaterunser ist für mich ein tägliches Friedensgebet: „Dein Reich komme“ - das Reich Gottes ist ein Reich des Friedens und keines der Spaltung.

Friedensgebet
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen. Wo Beleidigung herrscht, lass mich Vergebung entfachen. Wo Zerstrittenheit herrscht, lass mich Einigkeit entfachen. Wo Irrtum herrscht, lass mich Wahrheit entfachen. Wo Zweifel herrscht, lass mich Glauben entfachen. Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung entfachen. Wo Finsternis herrscht, lass mich Dein Licht entfachen. Wo Kummer herrscht, lass mich Freude entfachen. O Herr, lass mich trachten: nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste, nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe, nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe, denn wer gibt, der empfängt, wer sich selbst vergisst, der findet, wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Haben Sie ein Lieblingslied mit dem Thema Frieden?

Da gibt es einen Kanon: „Herr gib uns deinen Frieden“, das habe ich schon als Junge gerne gesungen.

Was möchten Sie den Menschen ans Herz legen und auf den Weg geben?

Ich wünsche jedem, dass er sich annehmen kann wie er ist, auch mit den Seiten, die auf den ersten Blick unangenehm sind, mit den eigenen Emotionen, der eigenen Befindlichkeit, um so ein Stück Gelassenheit und Frieden zu finden.

Pater Anselm Grün, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Christian Salvesen.

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Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 30 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Ergänzt wird die klassische Verlagsarbeit durch die Selfpublishing Portale tao.de und Meine Geschichte. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
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