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Selbsterkenntnis als
erster Schritt zur Veränderung

Selbstliebe ist lernbar: Wir sind unseren Gedanken, Stimmungen und Emotionen nicht hilflos ausgeliefert, wir können üben sie zu lenken. 

Viele Schatten auf der Seele, Verstimmungen im Leben und alltägliche Quellen für Streitigkeiten sind hausgemachte Probleme. Verstrickungen, Opferhaltungen, Eitelkeiten, Divaallüren, Streitlust: Wir schleppen sie alle zeitlebens mit uns rum und schaffen es nicht, uns von ihnen zu entbinden. Wenn Du aber durch einen wachen, achtsamen und gnädigen Umgang mit Dir selbst die Spreu vom Weizen trennst, dann wird Dir leichter ums Herz. Hilfreiche Unterstützung kann Dir dabei ein Bündnispartner bieten: Dein eigener innerer Beobachter. 

Er ist ein wichtiger Helfer und immer zur Stelle, sobald Du ihn rufst. Ich möchte Dich deshalb im Sinne heilsamer Selbsterkenntnis, die der erste Schritt zur Besserung auf Deinem Weg zur Selbstentwicklung ist, zu einer die Unwissenheit mildernden Übung einladen. 

Ich finde das buddhistische Verständnis von der ‚Sünde der Unwissenheit‘ ein tröstliches. Gemeint ist nicht kognitives Unwissen, sondern eine Art Seelenblindheit. Es ist davon auszugehen, dass alle Menschen auf ihrem Lebensweg in Unwissenheit befangen sind. Unwissend zu sein, ist somit nicht als ein unverzeihliches Versagen anzusehen. Solange ein Mensch nach buddhistischer Vorstellung nicht vollständig ‚erleuchtet‘ ist – und welcher normal Sterbliche ist das schon – kann er nicht mehr tun, als sich im rechten Denken, Handeln und Fühlen zu üben, um die Unwissenheit abzumildern und sich weiterzuentwickeln.

Die Übung zur Selbsterkenntnis, mit der Du beobachten kannst, was Du wann in Deinem Alltag weshalb wie tust, ermöglicht Dir ein deutlich höheres Maß an Klarheit im Hinblick auf Dein Denken, Handeln und Fühlen.

Übung: Beobachte und erkenne Dich selbst

Setze Dich an einen ruhigen Ort und schließen Deine Augen. Falls es Dir nicht möglich ist, die Augen zu schließen, fixiere einen Punkt auf dem Boden, etwa einen Meter vor Deinen Füßen.  Nehme eine bequeme Haltung ein. Spüre, wo Dein Gesäß Kontakt zum Sitz, der Rücken zur Lehne hat und wie Deine Füße den Boden berühren. Achte auf Deine Atmung, gleichgültig, wohin Du atmest, ob in den Bauch oder in die Brust. Nehme nur einige Atemzüge lang wahr, wie Du atmest, dass Du atmest und dass Dein Atem kommt und wieder geht, ohne dass Du bewusst etwas dafür tun musst. 

Mache Dir einen Augenblick lang bewusst, dass das Atmen in Deinem Leben etwas ist, wofür Du Dich normalerweise nicht anstrengen musst. Dein Atem kommt und geht leicht und fließend von alleine. Es gibt da in Deinem Leben also zumindest einen Bereich, der ganz ohne Anstrengung funktioniert. Mache Dir das noch einmal ausdrücklich bewusst. Und wenn Du magst, vertiefe Deine Atmung ein wenig.

Lenke nun Deinen Atem gezielt in den Bauch hinein, so dass sich Deine Bauchdecke beim Ein- und Ausatmen spürbar hebt und senkt. Nur Deine Bauchatmung zählt. Derart ruhig weiter ein- und ausatmend, bereitest Du Dich innerlich darauf vor, einen inneren Helfer kennen und schätzen zu lernen.

Nutze für den weiteren Verlauf der Übung nun ganz bewusst Deine eigene Beobachtungsgabe. Wandere zuerst aufmerksam beobachtend durch Deinen ganzen Körper, vom Scheitel auf dem Kopf bis zu den Sohlen Deiner Füße. Nehme dabei wahr, wo in Deinem Körper es angenehme Gefühle gibt oder umgekehrt vielleicht schmerzende Stellen oder Verspannungen. Nehme Dir für diese achtsame Wanderung durch Deinen Körper ein paar Minuten Zeit. Und mache Dir zwischendrin immer wieder klar: „Es ist mein Körper, durch den ich in meinem Tempo wandere, und ich bin es, der meinen Körper dabei beobachten kann. Und weil ich meinen Körper beobachten kann, bin ich mehr als mein leiblicher Körper.“

Sei aufmerksam, während Du ein zweites Mal Deinen Körper durchwanderst und beobachte dabei auch, wie es sich auf Dich auswirkt, dass Du Dir während Deiner Wanderung durch den Körper Deine eigene innere Beobachtungsgabe zu Nutze machen kannst. Mach Dir noch einmal deutlich: „Weil ich meinen Körper beobachten kann, bin ich mehr als mein leiblicher Körper.“

Konzentriere Dich jetzt für einige Zeit darauf, dass Du genau wahrnehmen kannst, welche Gedanken Dir durch den Kopf gehen und wie Du denkst. Beobachte Dich dabei, was Dir zu denken gibt. Sollte Dein Kopf überraschenderweise gerade leer von Gedanken sein, genieße den Augenblick der Gedankenleere, und beobachte weiter, welche Gedanken als erste wieder auftauchen.

Du kannst Deine Gedanken auch ordnen, indem Du zwischen guten und weniger guten Gedanken und solchen unterscheidest, die sich auf die Gegenwart, auf die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen. Und dadurch, dass Du Deine Gedanken immer wieder beobachtest, wird Dir auch klarer, worüber Du viel nachdenkst – worüber Du Dir den Kopf zerbrichst.

In dieser Übung geht es darum, dass Du Dir Deine selbstbeobachtenden Fähigkeiten bewusst machst. Du kannst beobachten, wie ein Gedanke Gestalt annimmt, kannst sogar sein Auftauchen beobachten, kannst ihn betrachten, kannst verfolgen, ob und wie er sich einnistet oder vorüberzieht und kannst wahrnehmen, wie er sich auf Dich auswirkt. Mache Dir also immer wieder klar: „Ich kann meine eigenen Gedanken beobachten, also bin ich mehr als mein Denken. Weil ich mehr bin als meine Gedanken, kann ich sie folglich auch verändern, ihnen eine Richtung geben, die mir passt, die gut tut.“ 

Nehme Dir fest vor: „Ich hüte meine Gedanken, denn meine Seele nimmt die Farbe meiner Gedanken an. Weil ich mehr als meine Gedanken bin, kann ich meine Gedanken beeinflussen. Ich gebe ihnen eine Richtung, die gut tut.“ Beobachte nun, welche Stimmung im Moment in Dir herrscht. Du weißt: „Ich kann meine Stimmung genau beobachten. Also bin ich mehr als diese meine Stimmung. Und wenn ich mehr bin als diese meine Stimmung, dann kann ich auch Einfluss auf sie nehmen."

In der regelmäßigen Wiederholung vermag diese Beobachter-Übung Deine Selbstwirksamkeit in Form von Selbstbeherrschung, Einflussnahme und Impuls- sowie Gefühlssteuerung zu stärken. Du bist Deinen Gedanken, Stimmungen und Emotionen nicht hilflos ausgeliefert, sondern kannst lernen, sie zu lenken oder sogar zu beherrschen, statt Dich von ihnen beherrscht zu fühlen. Entwickele dadurch mittelfristig mehr Verständnis für Dich selbst, dann wächst Deine innere Freiheit, Dich liebevoller, wesentlich zart- und mitfühlender und dadurch gnädiger und barmherziger zu stimmen. Auf längere Sicht ist diese Beobachter-Übung somit ein Gegenmittel, das negative und destruktive Gefühle und Impulse entgiftet. Mache Dir bewusst, dass dunkle Energien, die Du gegen andere Menschen richtest, aus Deinem eigenen Inneren kommen und verstärkt zu Dir zurückkehren.

Leicht abgewandelt aus Helmut Kuntz: Gib Deiner Seele Raum , ab S. 54.

Foto: CC0 Creative Commons

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