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Die Generation Online

Moderne Kinder kennen kein Leben mehr ohne Smartphone und surfen selbstverständlicher im Web als so mancher Erwachsene. Warum Eltern und Lehrer sich vor der neuen digitalen Welt nicht verschließen sollten.

Immer dabei: Das Smartphone dient längst nicht mehr nur zum Telefonieren.

Im Schulbus, auf dem Pausenhof oder nachmittags bei der Verabredung mit Freunden – viele Kinder verlassen das Haus nicht mehr ohne ihr Smartphone. Die Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihres Nachwuchses und geben daher dem Wunsch nach einem eigenen Handy nach. Das ist verständlich, denn die Kids sollen ja anrufen können, falls etwas passiert. Doch die modernen Smartphones sind längst viel mehr als bloße Mobiltelefone und werden de facto kaum noch zum Telefonieren benutzt. Eine Whatsapp-Nachricht schreiben geht viel schneller. So kommt es, dass sich viele Kinder im Internet selbstverständlicher und sicherer bewegen als so mancher Erwachsene. Doch die schöne neue digitale Welt hat ihre Tücken – und diese können Kinder häufig noch nicht als solche erkennen.

Die ‚Generation Smartphone‘

Die neue Generation, von Soziologen als Generation Z betitelt, ist in den 2000er Jahren geboren und kennt kaum noch eine Welt ohne Smartphone, Tablet, Laptop und Smart TV. Pia Zimmermann nennt diese jungen Erwachsenen die ‚Generation Smartphone‘, denn es ist ohne Frage die Erfindung des schlauen Telefons, die unsere Kommunikation, unser Sozial- und Arbeitsleben am meisten verändert hat. Plötzlich trägt so ziemlich Jeder das Internet in der Jackentaschen mit sich rum. Bleibt eine Frage offen, wird diese schnell im mobilen Internet nachgeschlagen. Aktivitäten von Freunden können in Echtzeit über die sozialen Medien mitverfolgt werden und gelesen wird eh schon lange nicht mehr auf Papier, sondern in Online-Magazinen und Blogs.

Veränderung auf der Tagesordnung

Was sich genau auf dem Handy-Display der Jugendlichen abspielt, können viele Eltern inzwischen nicht mehr genau sagen. Das Konzept von Snapchat, Instagram oder Musicaly ist nun mal schwer verständlich, wenn man die Online-Dienste nicht täglich nutzt. Mit jedem größeren Update ändert sich die Benutzeroberfläche, neue Funktionen kommen hinzu, alte verschwinden. Ganz schön herausfordernd, da den Überblick zu behalten! Den modernen Kids scheint das allerdings keine Probleme zu bereiten. Sie kennen es nicht anders und verbringen täglich mehrere Stunden damit, neue Gadgets auszuprobieren. Mama und Papa hat man da schnell abgehängt.

Spielerei von heute – Kompetenz von morgen

Längst ist moderne Kommunikationstechnik aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Den Nachwuchs von der Beschäftigung mit Facebook, Wikipedia oder YouTube abzuhalten ist nicht nur kaum möglich, sondern auch nicht ratsam. Denn die Kompetenz, mit digitalen Medien umzugehen und sie im Alltag klug zu nutzen, wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Auf dem Arbeitsmarkt ist Sicherheit im Umgang mit Computer und Internet schon jetzt absolute Voraussetzung. Je mehr Online-Dienste man kennt und am besten auch aktiv nutzt, desto besser.

Das Smartphone ist Freizeitbeschäftigung und Statussymbol.
Beeinflussbarkeit durch personalisierte Werbung

Aber wie gehe ich als Elternteil in der Erziehung mit den Herausforderungen der Digitalisierung um? Das Internet birgt Gefahren, die jungen Menschen kaum bewusst sein können. Kaum ein Jugendlicher schert sich um Datensicherheit und Datenschutz. Pia Zimmermann schreibt über die Kids von heute:

„Diese junge Generation nutzt die digitalen Medien unbefangen und ausgiebig. Warum auch sollten 10-, 12- oder 15-Jährige all diese praktischen und unterhaltsamen Dinge hinterfragen, mit denen sie groß werden?“

Sie sieht die Aufgabe der Erwachsenen darin, den Überblick zu wahren, nicht den Anschluss zu verlieren und bei digitalen Themen weiterhin mitreden zu können. Ein Punkt, der jedem im Internet surfenden Teenager unbedingt klar sein sollte, ist beispielsweise, dass Portale wie Facebook nur deswegen umsonst sind, weil sie sich durch personalisierte Werbung re-finanzieren. Diese Werbung ist auf den ersten Blick häufig gar nicht als solche erkennbar. Wenn zum Beispiel ein beliebter YouTube-Star ein Bild auf seinem Instagram-Kanal hoch lädt, auf dem er neue, sündhaft teure Sneakers trägt, dann ist das kein Zufall, sondern eine bezahlte Partnerschaft mit dem Turnschuh-Hersteller. Trotzdem verspürt der markengläubige Teenager mehr oder weniger sofort den Drang, solche oder ähnliche Schuhe haben zu müssen.

Pia Zimmermann nennt zwei Beispiele, die dieses Phänomen verdeutlichen:

„Mit einem auf persönlichen Daten und Informationen basierenden Konzept kann Werbung zielgerichtet platziert und auf jeden persönlich zugeschnitten werden, wie folgende Beispiele verdeutlichen: Altersangabe im Facebook-Profil: 30, Status: Single, Geschlecht: männlich, Urlaubsfotos von Bali…Ein flottes Cabrio wäre eine mögliche Investition. Altersangabe: 17, Wohnort: Bielefeld…Die Fahrschule Müller aus dem Nachbarort könnte in diesem Fall ein gutes Werbevideo platzieren.“

Ein Gespräch mit dem Nachwuchs darüber, welche persönlichen Informationen das Facebook-Profil enthalten darf und welche eben gerade nicht, erscheint vor diesem Hintergrund sinnvoll. Wer Facebook, Google und co. unbedarft alle Informationen über die eigene Person zur Verfügung stellt, der wird leicht beeinflussbar – besonders, wenn es sich um junge Menschen mit wenig Lebenserfahrung handelt.

Wertvolle Offline-Zeit und zunehmende Kontrolle

Bei all den guten Gründen, die für das ‚Medientraining‘ auch schon in jungen Jahren sprechen: Wer als Kind selbst mit seinen Freunden um die Häuser gezogen ist, alte Schuppen und Werkstätten entdeckt hat und auf hohe Bäume geklettert ist, der weiß, dass zu einer erfüllten Kindheit und Jugend auch der Alleingang fernab der elterlichen Augen gehört. Wer seine Kinder nur mit Handy zum Spielen schickt, sie jederzeit anrufen und orten kann, der nimmt dem Nachwuchs ein Stück Eigenständigkeit, der gerade den Reiz an Streifzügen durch die nähere und fernere Umgebung ausmacht. Ingrid Löbner schreibt in ihrem Buch Gelassene Eltern – Glückliche Kinder:

„Eltern lassen ihre Kinder aus Angst vor Entführung und Missbrauch ohne Aufsicht nicht hinaus. Jeder kann die Angst, dass einem Kind etwas zustoßen könnte, nachfühlen. Aber es ist wichtig zu wissen, dass die Welt diesbezüglich nicht gefährlicher ist als in früheren Zeiten; Verbrechen dieser Art bleiben selten. Uns scheinen sie häufiger, weil wir durch die moderne Medienwelt alles erfahren, was irgendwo passiert. Die Zahl schwerer Delikte gegenüber Kindern nimmt nicht zu. Auch früher wurde Kindern mit Strenge eingeschärft, sich nicht ansprechen zu lassen, nicht mit Fremden mitzugehen und alleine nicht zu weit vom Haus wegzugehen. Als Kind wusste man, dass das Gefahr bedeutete und dass man bei aller ‚Streunerei‘ auf sich aufpassen sollte; sonst durfte man nicht gehen. So unerträglich es ist, sollte etwas passieren, es bleibt selten. Eltern täten daher gut daran, ihre Kinder wie einst mit anderen Kindern einfach hinauszulassen.“

Mit Muße Kind sein in einer digitalen Zeit

Es gibt unterschiedliche Wege, Kinder mit Muße Kind sein zu lassen, sie nicht mit Förderprogrammen zu überfrachten und trotzdem zu fähigen Erwachsenen zu erziehen. Als ein Kind, das gänzlich ohne Fernsehen erzogen wurde, kann ich heute sagen, dass ich mir den maßvollen Umgang mit dieser Technik als junge Erwachsene erst selbst beibringen musste. Meine Eltern hätten meinen Nächte füllenden Spielfilm-Marathons eventuell vorbeugen können, hätten sie mich zumindest ab und zu Fernsehen lassen. Andererseits habe ich so Bücher lieben gelernt. Und letztlich weiß ich heute trotzdem, dass zehn Stunden vorm Fernseher keine gute Idee sind.

„Zeig mir doch mal Dein Facebook-Profil!“ – Interesse als Schlüssel

Das Wichtigste ist, wie es auf so viele Dinge im Leben zutrifft, im Gespräch zu bleiben. Das erfordert von den Erwachsenen eine gewisse Kenntnis der Prozesse, mit denen sich die Kinder und Jugendlichen von heute tagtäglich beschäftigen. Ein eigenes Facebook-Profil kann da völlig neue Einblicke liefern. Auf Nachfrage zeigen die Kids sicherlich auch gerne, wie schön sie das eigene Profil gestaltet haben oder wie kreativ ihre letzte Instagram-Story war. Denn darum geht es ja letztlich im sozialen Web – ums Sehen und Gesehen werden.

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