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Was ist Weiblichkeit?

Frauen zwischen gesellschaftlichen Vorstellungen und dem Erleben ihrer authentischen Weiblichkeit

von Kim Walla

Es ist wohl ein Unterschied, was Weiblichkeit gesellschaftlich zu sein hat und was Weiblichkeit tatsächlich ist. In der Vergangenheit wurde der Begriff „Weiblichkeit“ immer wieder weiterentwickelt und neu definiert. Es lassen sich unterschiedliche Tendenzen ausmachen, die sowohl fortschrittlich, als auch rückständig oder stagnierend anmuten. Weiblichkeit hat es im Kontext von Transgender, fortschreitender Emanzipation und gleichzeitiger Konstruktion durch Medien wahrlich nicht leicht. Was bedeutet „Weiblichkeit“ heutzutage eigentlich und inwieweit hat der Begriff überhaupt noch eine Daseinsberechtigung?

Heutzutage muss eine Frau im Grunde genommen eine eierlegende Wollmilchsau sein: Sie muss Familie und Karriere vereinen können, schön und gesund soll sie selbstverständlich auch sein. Aber auch männliche Attribute gehören mittlerweile zur Definition des Weiblichen, allerdings nur in Maßen. Entscheidungs- und führungsstark soll die Frau von heute sein, aber auch empathisch, rücksichtsvoll und weich. Rational, aber auch emotional, attraktiv, aber – zumindest im Büro – lieber professionell businesslike. Was also ist Weiblichkeit? Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März wollen wir dieser schwierigen Frage erneut auf den Grund gehen. Dabei sollen uns vier Autorinnen unterstützen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Schön, wild und weise

Diese drei Attribuierungen bilden den Titel von Anna Gammas Ratgeber für Frauen, der während ihrer Auseinandersetzung mit dem Patriarchat entstanden ist. Dabei ging es der Autorin und Zen-Meisterin aber nicht darum, Männer anzuklagen und auf eine radikale Weise patriarchale Strukturen zu bekämpfen, sondern einen Weg aufzuzeigen, wie Frauen durch Selbstentfaltung eigenständig und friedlich Gleichberechtigung herbeiführen können: 

„So richte ich mich insbesondere an Frauen, die nicht aufhören, ihre weibliche Identität und Gestaltungskraft zu erforschen und weiterzuentwickeln.“

Dafür muss die wilde Schönheit und tiefe Weisheit, die Anna Gammas Auffassung nach in allen Frauen schlummert, erweckt und gestärkt werden, um sämtliche Blockaden wegzuräumen.

In ihrer intensiven Beschäftigung mit wichtigen Frauengestalten aus mythologischen Kontexten entwickelt Anna Gamma die Vision einer starken, schönen, wilden und weisen Weiblichkeit:

„Sie können für Frauen Inspiration und Ermutigung sein, aus der tiefe ihres göttlichen Seins zu leben, ungeachtet gesellschaftlicher Konditionen und Einschränkungen, wie eine Frau zu sein und zu leben hat, aber auch ungeachtet der eigenen Widerstände, ein Leben in Eigenständigkeit und Freiheit zu führen.“

Was also dabei herauskommt, ist ein weiblicher Archetyp der Heldin, deren Weiblichkeit darin besteht, den weiten Weg nach ins eigene Innere zu gehen und nicht aufzuhören, „ihre Einzigartigkeit zu entfalten, und mit den dabei gewonnenen Fähigkeiten für ein gerechteres und glücklicheres Leben für alle Menschen einstehen.“

Tochter, Mutter, weise Frau

Besonders junge Mütter haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Immer wieder stoßen sie an die Grenzen ihrer eigenen Kraft und Möglichkeiten, wenn es darum geht, Job und Familie zu vereinen. Viele jungen Frauen entscheiden sich deshalb gegen den Kinderwunsch und konzentrieren sich stattdessen lieber auf ihre Karriere. Dabei sind Muttersein und Mütterlichkeit aus Sicht der Tantra-Lehrerin Michaela Zadra zwei Attribute, die eine kraftvoll gelebte Weiblichkeit ausmachen: 

„Erst wenn wir als Frau bereit sind, unsere ganz persönliche Mütterlichkeit zu leben, und die weiblichen Fähigkeiten in der Gesellschaft den Respekt erfahren, den sie verdienen, ist ein friedliches Miteinander der Geschlechter möglich.“

Mütterlichkeit zu integrieren, bedeutet Zadra zufolge aber nicht zwangsläufig, Kinder auf die Welt zu bringen – es geht vielmehr um eine Form der Wärme und Fürsorge, die in sich selbst gefunden und gelebt werden soll, um ein harmonisches Miteinander zu erzeugen. 

Das Mütterliche in sich finden

Was allen Frauen gemeinsam ist, ist also die Mütterlichkeit: 

„Alle Frauen hatten eine Mutter und besitzen eine ‚innere Mutter‘, alle Frauen verfügen über einen angeborenen Mutterinstinkt – ungeachtet der Tatsache, ob sie ihn ausleben oder nicht. Ob eine Frau ihre Mütterlichkeit voll oder nur teilweise lebt, spielt dabei keine Rolle. Auch nicht, ob sie Kinder gebiert oder nicht, denn auch das ist nicht entscheidend für den Zugang zu ihrer persönlichen Mütterlichkeit. Jede Frau hat sie in sich und lebt sie auf ihre ganz persönliche Weise.“

Weiblichkeit definiert sich demzufolge durch eine individuelle Art Mütterlichkeit auszuleben und Wärme in eine erkaltete Gesellschaft zu bringen. Ähnlich wie bei Anna Gamma ist auch in dieser Definition von Weiblichkeit die Frau eine Art Heldin. Durch die Konzentration auf ihr inneres weises und mütterliches Wesen vermag sie ein friedlicheres und glücklicheres Leben für alle Mitmenschen herbeizuführen.

Das Liebeswissen der weisen Frauen

Seit Jahrzehnten erzählen uns die Medien, wie Weiblichkeit auszusehen hat. Dabei spielen Äußerlichkeiten wohl die größte Rolle. Je nach Mode sollen die Haare mal lang, mal kurz sein, mal sollen wir Frauen etwas rundlicher sein, dann wieder spindeldürr. Mal soll Frau ihre Weiblichkeit durch Kleider und Röcke betonen, mal durch emanzipierte Mode wie Hosenanzüge. Die Autorin Stefanie Glaschke schafft in Das Liebeswissen der weisen Frauen ein Bewusstsein für den Druck, der aufgrund solcher Forderungen auf Frauen lastet:

„Fragt man uns Frauen, sind wir alle selbstverständlich vollkommen unabhängig von den verschiedenen Diktatoren um uns. Doch die Realität straft uns Lügen. Viele Frauen haben Essstörungen, weil sie sich für zu dick halten, Schönheitskorrekturen werden inzwischen schon zum Abitur verschenkt und neulich habe ich eine Schätzung gelesen, nach der bereits jede dritte Frau eine Brust-Operation vornehmen ließ.“

In erster Linie ist Weiblichkeit Glaschke zufolge Hingabe an die Natur, insbesondere an die eigene. Die eigene Beschaffenheit muss geliebt und respektiert werden. Der Weg zum Glück erfolgt nicht durch Anpassung an willkürlich gesetzte Normen, sondern durch Akzeptanz der natürlichen Gegebenheiten. Erst dann bekommt Weiblichkeit eine für uns und unsere Mitmenschen bereichernde Tiefe, die das von Äußerlichkeiten geprägte Bild von Weiblichkeit außer Kraft setzen können.

Die Quellen der weiblichen Kraft

Elena Priarollo, Heilpraktikerin und Pflanzentherapeutin, zeigt uns in ihrem Buch Sangie Magico (Heiliges Blut) wie wir in uns selbst eine tiefere Dimension des Frauseins finden können. Durch Rituale, Meditationen und Mythen nähern wir uns sukzessive  der Natur an. Wir vertiefen unsere Kenntnisse um Körper und Emotionen und werden nach und nach mehr eins mit und selbst. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht also die Wiederentdeckung und Aufwertung der Weiblichkeit, des weiblichen Prinzips, das eng mit der Natur verwoben ist: 

„Wir alle sind lebendiger Ausdruck der Natur, die von uns so weit entfernt zu sein scheint – und doch sind wir, insbesondere über den Körper, der zyklische Ablauf der Jahreszeiten, deren Interpretation und Assimilierung, ihr schönster künstlerischer Ausdruck.“

Über die Natur kommt Frau zu sich selbst. In der Natur beginnt die Reise ins eigene Innere. Diese Reise anzutreten erfordert Mut, denn es bedeutet, die eigene Natur zu erkennen und zu akzeptieren. Dies ist in einer Welt, die uns alle im „Gleichschritt sehen möchte – in Gedanken so wie in der Form, in der Krankheit wie im Dasein, im Leben wie im Sterben“ eine große Herausforderung.

Und noch einmal: Was ist Weiblichkeit?

Die vier aufgezeigten Perspektive haben vieles gemeinsam, aber eines wohl ganz besonders: Weiblichkeit ist nichts, was uns von Außen auferlegt werden kann. Weiblichkeit lässt sich nicht vereinheitlichen und formen, sie ist individuell und natürlich gegeben. Es geht also nicht darum, dass künstlich generierte Bild von Weiblichkeit zu verinnerlichen, sondern das natürlich Vorhandene nach Außen zu tragen. Erst wenn wir mit uns selbst versöhnt sind, ist es uns möglich, aktiv an einem gesünderen und erfüllteren Miteinander mitzuwirken. Dafür erfordert es aber den Mut einer Heldin, das konstruierte Werte-Korsett abzulegen und die Reise nach Innen zu wagen.
Was wir dort vorfinden, ist wohl die einzig wahre und gültige Definition von Weiblichkeit.

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