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Aller Anfang ist schwer

Wer meditieren lernen möchte, der braucht einen langen Atem
und viel Selbstmitgefühl

von Selma Steinmeier

Meditation ist in unserer schnelllebigen digitalisierten Welt das Mittel der Wahl zur Stressreduktion und Leistungssteigerung. Meditation für Manager, Yoga in der Mittagspause, Achtsamkeitstraining im Büro – wer kreativ, erfolgreich und effizient sein will, der schafft das heutzutage scheinbar kaum noch ohne die eine oder andere Achtsamkeitspraxis. 

Selbstoptimierung durch Meditation

Wer meditiert, dem gelingt ein gesunder Ausgleich zu den Herausforderungen des Alltags, der entspannt sich ganz bewusst und kehrt als besonnener und reflektierter Charakter ins Hier und Jetzt zurück. Und das heißt im Umkehrschluss für die Firmen: der meditierende Mitarbeiter arbeitet origineller, innovativer und effektiver. Soweit die Theorie.

Wenn es so einfach wäre zu einer besseren Version seiner selbst zu werden, dann stellt sich die Frage, warum wir nicht alle meditieren. Sylvia Kolk lehrt seit mehr als 15 Jahren Meditation. Sie beschreibt in ihrem Buch Segeln in Sturm was zunächst wirklich passiert, wenn wir mit dem Meditieren beginnen:

„Meditation führt zur Ruhe, so heißt es. Was geschieht aber tatsächlich, wenn wir meditieren? Häufig erleben wir das Gegenteil von Ruhe: Unsere Gedanken finden kein Ende, unsere Emotionen bedrängen uns, wir werden traurig, sind gelangweilt oder müde oder haben uns in Zweifeln verloren. Anstatt der Stille erfahren wir erst einmal all das, was die Stille ausfüllt.“

Sobald die Augen zu sind, beginnt das Gedankenkarussell

Ich habe viele Male versucht, den Einstieg in eine Meditationspraxis zu finden, denn ich bin überzeugt davon, dass regelmäßige Meditation eine positive Wirkung auf meine Lebensqualität und mein geistiges Wohlbefinden haben würde. Ich habe Bücher und Artikel über Meditation gelesen, habe Meditationsunterricht besucht und in der Yoga-Stunde meditiert. Aber nach wie vor startet mein Gedankenkarussell zuverlässig in der Sekunde, in der ich die Augen schließe. Je mehr ich dann versuche, in einen Zustand der Ruhe, Gelassenheit und Gedankenlosigkeit zu gelangen, desto weniger gelingt es mir.

Aller Anfang ist schwer

Für Meditation gilt das Gleiche, wie für eine Sportart, eine Sprache oder ein Musikinstrument, das wir neu erlernen. Es braucht Übung, Übung, Übung, bis es uns gelingt. Hier habe ich drei Tipps zusammengestellt, die mir bei meiner Meditationspraxis helfen:

©fizkes - stock.adobe.com
Meditieren lernen – drei Tipps
Das Heilsame und das Unheilsame

1. Beim Meditieren wollen wir entspannt gegenwärtig und doch nicht richtungslos sein, das ist die große Kunst. Existenziell dafür ist, das Heilsame von dem Unheilsamen unterscheiden zu können. Sylvia Kolk beschreibt das Heilsame und sein Gegenteil wie folgt:

„Heilsam ist das, was an geistigen Reaktionen zu Liebe, Mitgefühl und Weisheit führt, und unheilsam das, was Ablehnung, Begehren und Verblendung schürt. Achtsamkeit bildet die Grundlage für diesen weisen Unterscheidungsprozess, den wir im Alltag unzählige Male durchführen werden, bis wir eines Tages spontan adäquate Entscheidungen treffen können, wenn sie von uns gefordert werden.“

Wenn ich meine Meditationspraxis übe, dann versuche ich bewusst wertschätzend und dankbar zu sein. Zunächst für die Menschen, die mein Leben gerade sowieso bereichern und in einem zweiten Schritt dann für die, die mich aufgeregt, verletzt oder enttäuscht haben. Ich versuche Verständnis für ihre Situation zu finden und zu verzeihen. Wenn das mal nicht klappt, dann sind die Gefühle noch zu frisch und ich lasse sie erstmal ruhen.

Selbstmitgefühl und Selbstannahme

2. Um die heilsamen und unheilsamen Regungen unseres Geistes beobachten und als solche erkennen zu können, brauchen wir einen Zugang zum eigenen Herzen, zu unserer inneren Stimme, der wir vertrauen. Diesen erlangen wir durch einen liebevollen und fairen Umgang mit uns selbst. Ja, wir machen Fehler, gehen Schritte zurück, sind faul oder inkonsequent. Aber trotzdem sollten wir das Gute in uns hochhalten und niemals aufhören, uns für unsere guten Eigenschaften zu lieben. Dann gelingt es uns auch andere ehrlich und aus vollem Herzen zu lieben. Und das ist das größte Glück, das uns widerfahren kann. Marie Mannschatz schreibt in ihrem Buch Lieben und Loslassen:

„Ein offenes, voll ausgereiftes Herz vermag bedingungslos zu lieben. Selbst wenn wir es noch nicht deutlich gespürt haben, existiert in uns eine Vorstellung davon, was es heißt, ganz und gar angenommen zu sein, bedingungslos geliebt zu werden für das, was wir sind. Wenn wir Momente dieser Art von Liebe in uns erfahren und weitergeben können, jubeln wir innerlich. Es sind Höhepunkte in unserem Leben, wenn die Liebe so grenzenlos wird wie das Universum.“

Meditation ist kein Wettbewerb

3. Viele Menschen betrachten Meditation als eine Art Ausdauertest. Je länger man, von Frieden erfüllt, still sitzen kann, desto spiritueller ist man. Daher nimmt man sich für die tägliche Meditation Zeit, reserviert sich vielleicht eine halbe Stunde am Tag, stellt sich einen Wecker und meditiert los. Ich habe festgestellt, dass so ein Meditations-Ritual für mich nicht funktioniert.

Martin Boroson hat die One Moment Meditation erfunden, eine Praxis, die Meditation in die kurzen Momenten des Alltags bringt, die wir täglich erleben. Er schreibt:

„Immer mehr Menschen sind heute der Ansicht, die Vorteile der Meditation sollten uns genau dann zugänglich sein, wenn wir sie brauchen, und die Meditationspraxis sollte überall möglich sein – ob wir nun gerade im Stau stehen, geschäftlich tätig sind oder Windeln wechseln.“

Diese Art der Meditation macht es möglich, im Laufe eines Tages immer wieder aufzutanken, selbst wenn Du einen durchgeplanten Tag voller Termine und Verpflichtungen hast. Die Methode konzentriert sich nicht auf den langfristigen Erfolg, sondern hilft ganz konkret und kurzfristig in diesem Moment. Und: sie nimmt den Druck, lange meditieren zu müssen, um innere Ruhe zu erlangen.

Übung: Die Basisminute

1. Finde einen Platz, an dem Du allein und ungestört bist.
2. Setze Dich hin.
3. Bringe Deine Beine in eine entspannte, aber stabile Position.
4. Setze Dich aufrecht hin.
5. Stelle Deinen Wecker auf exakt eine Minute ein.
6. Lege Deine Hände in einer entspannten, aber stabilen Position ab.
7. Schließe die Augen.
8. Erlaube Deinem Geist, in Deinen Atem zu sinken.
9. Wenn der Wecker klingelt, beende die Übung.

Diese Basisminuten kannst Du mehrmals täglich üben. 

Wichtig ist aber, dass Du die Übung regelmäßig wiederholst. Diese Übung dauert lediglich eine Minute – nutze sie so gut wie möglich. Auch wenn Du vollen Einsatz bringst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Du – selbst während dieser kurzen Zeit einer einzigen Minute – an Konzentration verlierst. Du wirst Deinen Atem wieder vergessen. Du wirst anfangen, über alles Mögliche nachzudenken. Du fragst Dich dann vielleicht: Bin ich denn wirklich so zerstreut? Ja. Das sind wir alle. Mach Dir also darüber keine Sorgen. Wenn Du merkst, dass Du abgelenkt bist, ärgere Dich nicht über Dich und denke nicht weiter darüber nach. Denke einfach nur „Hmmm“ und lasse Deinen Geist wieder in Deinen Atem sinken. Das kann im Laufe einer Minute öfter passieren, kehre einfach immer wieder zu Deinem Atem zurück, bis der Wecker klingelt. Dann höre auf. Nun bist du fürs Erste fertig.

Sieh Dir hier das Interview mit Sylvia Kolk an

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