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Spirituelle Umwege

Wie wir Spiritualität für unser Wohlgefühl missbrauchen
und was wir daraus lernen können

von Alistair Langer

Es gibt einige augenscheinliche Eigentümlichkeiten in der spirituellen Szene. Manchmal scheinen Leute ihren Schmerz einfach weglächeln zu wollen, ein anderes Mal werden interpersonelle Konflikte mit dem einfachen Ratschlag abgetan, dass dies ohnehin nur das Spiel der Götter sei. Schließlich sei das Ego doch einfach nur eine Illusion und man habe sein wahres Selbst zu erkennen. Befindlichkeiten des Egos werden abgetan als Lamentieren. Und schließlich wird auch noch unterschieden zwischen guten und schlechten Gefühlen. Dieser Artikel will aufräumen mit derlei Missverständnissen.

Das Ego ist eine Illusion – und dennoch sehr real

Wer einmal sich ernsthaft auf den spirituellen Weg gemacht hat, wird hoffentlich nach so manch steinigem Weg erkennen, dass das Ich eine Illusion ist. Es gibt keinen Wesenskern um dieses „Ich bin“. Was bleibt sind viele Facetten eines Gespräches, eines Diskurses vieler verschiedener Anteile, die um ein scheinbar konsistentes Ich herum erscheinen. Je nach Anlass, Laune, Umständen treten mal diese, mal jene Aspekte in den Vordergrund. Wir sind also vielmehr wie ein Chor, ein Orchester, in dem viele Stimmen erklingen, wie verschiedene Instrumente. Und idealerweise finden wir dann auch irgendwann den Dirigenten, der die verschiedenen Aspekte von uns selbst wohlwollend erkennt, annimmt und in einer schönen Symphonie erklingen lässt.

Es gibt keine schlechten Gefühle

Kennst Du das? Du hast einen schlechten Tag, bist vielleicht traurig oder wütend und dann kommt eine ganz besonders spirituelle Freundin zu Dir und ermahnt Dich, doch nicht so negativ zu sein? Sicherlich mag es Persönlichkeitstypen geben, die in Emotionen verhaften, die nicht förderlich sind. Doch an sich ist jede Emotion erst einmal da, psychisches Rohmaterial sozusagen. Ärger kann eine sehr gute Triebfeder sein, um bestehende Umstände zu ändern. Ärger ist auch nicht gleich Hass. Und selbst Hass zu spüren kann angesichts extremer Lebensumstände – stelle Dir nur vor, Dein eigenes Kind sei ermordet worden als Denkfigur – erst einmal gesund sein. Negativ sind also keine Emotionen, sondern vielmehr, was wir daraus machen.

Wohlfühlspiritualität

Ertappst Du Dich oder Freunde und Bekannte manchmal dabei Spiritualität zu missbrauchen? Quasi zu benutzen, damit Du Dich besser fühlst? Deine Launen einfach anzumalen, zu übertünchen? Ist Dir schon einmal ein Gegenüber begegnet, wo Du das Gefühl hattest, das die betreffende Person ihre Gefühle unterdrückt? Manchmal sitzt die Person zum Beispiel auf einem Berg von Wut, Scham, Angst oder Einsamkeit, lächelt aber dennoch. Und auf Dein wohlgemeintes Nachfragen nach ihrer Befindlichkeit antwortet sie mit Plattitüden wie „Es ist ja eh alles eine Illusion.“

Kann es sein, dass der Mainstream tiefe, lebendige, kritisches Spiritualität gekapert hat und nur die Wohlfühl-, Wellness- und Sexyness-Aspekte beleuchtet? Kann es sein, dass authentische Spiritualität bedeutet, dass wir alle Gefühle fühlen dürfen? Dass auch Verletzlichkeit, Trauer, Wut, Scham, Angst – also alle oft als „negativ“ bezeichneten Emotionen ihren Platz bekommen?

Transzendenz ist nicht gleich Transzendenz

Genauso wenig wie der Himmel verschwindet, nur weil Du die Augen schließt, wird Dein Ego verschwinden, nur weil Du eine Perspektive jenseits Deines Ichs erkennst. Anstatt also das Ego auszulöschen (was in so mancher Tradition immer noch Lehrmeinung ist), geht es vielmehr darum, dem Ego einen gesunden Platz einzuräumen. Unendlich Platz ist ja da! Anstatt jede Befindlichkeit des Ego für voll zu nehmen, gilt es zu lernen zu unterscheiden, welche Aspekte unserer vielfältigen Stimmen in uns es gilt wohlwollend wahrzunehmen. Und dann klar, bewusst, entschieden zu entscheiden, welche Handlungen wir daraus ableiten.

Spirituelle Umwege und Wege raus aus der Falle

Wenn Du in Deinem Leben schon viel in der Stille gesessen hast, vielleicht schon Jahrzehnte auf Satsangs und Retreats warst, Du aber immer noch Probleme im Leben „da draußen“ hast, zum Beispiel mit Liebe, Freundschaften, Sexualität oder Geld, was könnte nun ein Weg aus Deinem Dilemma sein? Noch mehr in die Stille gehen? Dein Ego noch mehr auflösen?

Ich meine nein. Es geht vielmehr um eine Integration des spirituellen Weges zusammen mit Arbeit an Deiner Struktur. Das können verschiedene Dinge sein, Therapie, Gestaltarbeit, Familienaufstellungen, systemische Arbeit.

Letztendlich wird sich Dein spiritueller Weg vertiefen, wenn Du bereit bist auch auf den anderen Ebenen zu arbeiten, die Du bislang vielleicht erfolglos versucht hast auszublenden.

Tipp

Das Netzwerk Erleuchtung organisiert auch in diesem Jahr wieder den Kongress „Die Dunkle Nacht der Seele“ (5. - 6. Mai) in Berlin, um sich mit den vielfältigen Aspekten von Aufwachen und Erleuchtung auseinanderzusetzen.

Nimm Teil am Kongress, wenn
  • Du das Gefühl hast, dass Du ständig in einem inneren Prozess steckst
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