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Von Hindernissen und Stärke

Stefan Rascher ist von Geburt an behindert – und er ist dankbar dafür.
Als Coach motiviert er Menschen, ihre besondere Stärke zu finden

Auf dem Gipfel angekommen: Stefan Rascher läuft Marathon und geht Bergwandern - seine Venenerkrankung hält ihn nicht auf, sondern spornt ihn an.

Als David Behre an diesem schicksalshaften Tag im Jahr 2007 mit seinem Fahrrad einen Bahnübergang überquert, ahnt er nicht, dass er nie wieder Radfahren wird. Zumindest nicht so, wie er es bisher gewohnt war. Die Schranken des Bahnübergangs hätten geschlossen sein müssen – doch sie waren es nicht. Behre gerät unter einen Zug und verliert bei diesem tragischen Unfall beide Unterschenkel. Noch im Krankenhaus schmiedet er Pläne für sein neues Leben. Aufgeben kommt nicht in Frage – im Gegenteil. Er will Leichtathlet werden. So wie sein neues sportliches Vorbild Oscar Pistorius. 

Handicap ist nicht gleich Hindernis

So beeindruckende Beispiele wie David Behre gibt es viele. Sportlerinnen und Sportler, die ohne Arme geboren wurden, die bei Unfällen Gliedmaßen verloren, die nicht sehen können, an starken Muskelschmerzen leiden, epileptische Anfälle haben…und sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind zum Meister ihres Sports geworden - trotz ihrer erschwerten Ausgangspositionen. Die Paralympics sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Weltbühne.

Die Ausnahme und die Regel

Die paralympischen Athleten sind Ausnahmesportler, die härter trainieren, als ich es mir als Normalbürgerin vorstellen kann. Aber was ist mit den normalen Menschen mit Handicap? Mit denen, die ein schwerer Unfall unvorbereitet getroffen hat oder die von Geburt an mit einer Behinderung leben?

Es ist sicher unglaublich schwer, sich immer wieder aufzuraffen, weiterzumachen, mit Dingen zu kämpfen, über die sich gesunde Menschen nie oder nur höchst selten Gedanken machen. Vor der Apotheke sind zwei Stufen – kein Problem für mich mit zwei gesunden Beinen. Ein großes Problem für jeden Menschen im Rollstuhl. Na klar, immer mehr Gebäude werden barrierefrei gebaut. Trotzdem muss es super frustrierend sein, wenn man mal wieder vor einer langen Freitreppe steht – ohne Fahrstuhl oder Rampe in Sicht.

Verzweifeln, aufgeben, oder…

Unser Autor Stefan Rascher wurde mit einer Venenerkrankung im Bein geboren. Zunächst sah das Bein nur anders aus, doch irgendwann kamen die Schmerzen. Das Blut kann aus dem Bein nicht gegen die Schwerkraft wieder zurück Richtung Herz fließen. Daher sammelt es sich im Bein, mit der Konsequenz, dass immer weniger Blut im Rest des Körpers verbleibt. Würde man nichts dagegen tun, dann würde am Ende das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Eine Frage der Perspektive

Doch zum Glück kann Stefan Rascher etwas tun: Er trägt einen Stützstrumpf, der es ihm ermöglicht aufrecht zu stehen. Der Stützstrumpf hat ihn vor einem Leben in der Waagerechten bewahrt. Trotzdem hat er dauerhaft Schmerzen. Aber Stefan Rascher fühlt sich nicht eingeschränkt, er hadert nicht mit seinem Schicksal oder verflucht seine Behinderung. Im Gegenteil, er ist dankbar für sein Bein.

Er schreibt in seinem Buch „Du bist eine Naturgewalt“:

„Für Kinder mit Einschränkungen wie mich entsteht aus der Suggestion 'Du bist hilfsbedürftig, weil du klein und schwach bist' und dem Sich-nicht-ausprobieren-Dürfen ein Teufelskreis, der sich immer tiefer in die Seele bohrt. Die Kinder haben der Beeinflussung nichts entgegenzusetzen, weil sie sich nicht selbst durch Erfolge bestätigen können. Und ohne Erfolge sind sie noch mehr bereit, der Einflüsterung zu glauben, dass sie es sowieso nicht können.

Doch das ist noch nicht die schlimmste Auswirkung vom üblichen Umgang mit Menschen mit Handicap. Die fatalste Folge ist die Perspektive, die aus dieser Haltung zwangsläufig folgt. Und das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Denn wenn eine Einschätzung für alle Beteiligten klar zu sein scheint, dann ist es diese: Die Einschränkung ist ein Hemmschuh für den armen Betroffenen, nichts anderes. Und man kann ihm nur helfen, indem man ihn so gut wie möglich bewahrt vor Anstrengungen. Er hat es ja eh schon schwer genug!

Dieser Blick auf das Handicap gilt als nicht hinterfragbar – das ist halt so. Dabei ist diese Perspektive die schwerste Bürde, die du demjenigen auferlegen kannst. Daraus folgt nämlich: Er kann in seinem Leben höchstens ein bisschen Glück erwarten, denn seine grundsätzliche Lage ist ja ein Unglück – und zwar eines, das nie mehr weggeht. Wenn es gut geht, gibt es ein paar Sahnekleckse auf die traurige Soße. Dann kann er dann schon zufrieden sein.

Dabei ist es genau umgekehrt: Dieser Mensch ist in Wahrheit nicht in einer unglücklichen, sondern in einer vielversprechenden Ausgangslage. Eine, die ihm viel mehr bietet, als er je gedacht hat.

Gerade weil er ein Handicap hat.

Gerade weil er deshalb so viel mehr Potenzial für Glück hat als die, die keine Einschränkung haben.

Er muss nur lernen, diese Chance auch zu sehen.“

Voller Dankbarkeit für das, was er bereits erreichen konnte: Stefan Rascher fokussiert sich auf seine Stärken und nimmt Herausforderungen gerne an. Dabei vergisst er nie, dass sein Erfolg nicht selbstverständlich ist.

Ist es wirklich so einfach?

Jetzt wird der ein oder andere denken: Ja, das mag schon sein, aber wenn ein Mensch an einer schweren Behinderung leidet, dann ist das Leben ja tatsächlich nur sehr schwer zu meistern und mit viel Schmerz, Angst und Einschränkung verbunden.

Natürlich ist das so. Natürlich kann nicht jeder alles schaffen, egal, wie sehr er es sich vornimmt. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht vielmehr um die Perspektive – darum, was man alles schaffen kann und nicht darum, was alles nicht möglich ist. Stefan Rascher formuliert es so: „Erfolgreich ist, wer sich fokussieren kann.“ Und zwar auf das Gute, und nicht auf das Schlimme, Schlechte, Tragische.

Mit oder ohne Behinderung

Und das gilt für jeden von uns – ob mit, oder ohne Behinderung. Wir sind darauf programmiert, uns immer auf den Fehler zu konzentrieren. Die meisten von uns denken immer zuerst daran, was nicht funktioniert, was wir falsch gemacht haben und wo wir uns noch verbessern könnten. Und das in jedem Lebensbereich, egal ob Karriere, Sport oder Beziehungen. Der Optimierungswahn wird uns von klein auf antrainiert.

Aber wer sagt denn, dass wir in allem was wir tun perfekt sein müssen? Jede/r hat andere Talente, und wenn wir uns auf unsere Gabe konzentrieren und diese ausleben, dann erleben wir unsere ureigene Stärke. Ein befreiendes, beglückendes Gefühl!

Stefan Rascher möchte mit seinem Buch „Du bist eine Naturgewalt!“ jeder/jedem Mut machen, die eigene Gabe zu entdecken und ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Er schreibt: 

„Ich will Menschen inspirieren, sie davon überzeugen, dass auch sie in der Lage sind, ihre eigene besondere Fähigkeit zu finden und zu entwickeln. Ich will zeigen, dass es mit und gerade durch eine Schwäche oder ein Handicap unendliche Möglichkeiten gibt, ein wunderbares und großartiges Leben in Freiheit zu führen.“ 

Denn jeder von uns ist unglaublich stark – dies gilt es zu entdecken!

Innenansichten


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Bei uns erschienen
Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 30 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Ergänzt wird die klassische Verlagsarbeit durch die Selfpublishing Portale tao.de und Meine Geschichte. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
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