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Joachim Kamphausen:
"Die zweite Luft war entscheidend"

35 Jahre Kamphausen Verlag - Verleger Joachim Kamphausen über die Hoch und Tiefs seiner Verlagsgeschichte

© Steffi Behrmann

Am 28. August 1983 wurde die heutige Kamphausen Media GmbH gegründet. Was als Abenteuer begann, drohte in einem Desaster zu enden als die wohlüberlegten Produkte im Handel keine Abnehmer fanden. Doch Beharrlichkeit, ein langer Atem und ein Riecher für die richtigen Projekte zahlten sich am Ende aus. Und so blickt Verleger Joachim Kamphausen auf eine inzwischen 35-jährige Verlagsgeschichte, mit vielen alten und neuen Freunden, interessanten Begegnungen und stetem Wandel zurück. 

Joachim, im Jahr 1983 hast Du einen spirituellen Buchverlag gegründet. Was war Dein Antrieb?

Joachim: (lacht) Nein, eigentlich habe ich keinen spirituellen Buchverlag gegründet, sondern einfach mit zwei Freunden ein Projekt gestartet. Uta Bodewich und Harald Gries fragten mich, ob ich ein Verlagsprojekt finanziell unterstützen würde. Uta war viel auf Reisen und brachte aus der ganzen Welt Ideen mit. In Amerika stieß sie auf Hand- und Fuß-Reflexzonenmassagekarten im Checkkartenformat. Da entstand die Idee, das könnten wir auch in Deutschland machen.

Also haben wir uns eine kleine Infrastruktur gebaut – erstmal neben unseren eigentlichen Jobs. Der Grafiker Wilfried Klei, der nach wie vor eng mit uns zusammenarbeitet, setzte die Idee graphisch um. Dann suchten wir nach Möglichkeiten, die Karten in diesem handlichen Format drucken zu lassen – das war damals noch gar nicht so einfach!

Am Ende verschickten wir 55.000 Massagekarten an Buchhandlungen. Aber innerhalb von vier Wochen kamen fast alle wieder zurück. Nach diesem Rückschlag war die zweite Luft entscheidend! Die Buchhandlung Hugendubel in München rief mich an und berichtete, dass sie innerhalb von drei Tagen 150 Karten verkauft hatten – sie wollten nachbestellen! Das war der Durchbruch. Ich klemmte mich hinters Telefon und verkaufte die Massagekarten mit Hilfe der Erfolgsgeschichte von Hugendubel an die Buchhändler.

Mit dem „Drehbuch für Meisterschaft im Leben“ von Ron Smothermon und „Ich bin“ von Maurice Frydman erschienen die ersten beiden Bücher – damals noch unter dem Namen Context Verlag. Beide Titel sind nach wie vor lieferbar!

Wie hat sich das Bücher machen in 35 Jahren verändert?

Nun, vom dem ersten Buch des Verlages „Drehbuch für Meisterschaft im Leben“ verkauften wir relativ schnell 20.000 Exemplare, obwohl wir auf dem Markt völlig unbekannt waren. Der Markt war noch durchlässig, es gab noch nicht so viele Verlage mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität – große Verlage schon gar nicht! Die Leute hatten aber großes Interesse, sich mit diesen neuen Themen auseinanderzusetzen. Heute ist Spiritualität in der Mitte der Gesellschaft angekommen und immer mehr Verlage setzen auf Themen wie Achtsamkeit, persönliche Entfaltung und ganzheitliche Gesundheit.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Bücher machen immer leichter geworden ist und immer leichter wird, man denke nur ans Selfpublishing. Das Vermarkten der Bücher wird jedoch immer schwieriger.

Neben Branchen beherrschenden Verlagsriesen wie Random House einen unabhängigen Verlag zu etablieren ist ein Risiko. Hattest Du Angst zu scheitern?

In unseren Anfängen als Context Verlag hatten wir irgendwann die Situation, dass der Name angegriffen wurde. Es gab noch einen anderen Context Verlag, der schon länger bestand. Im Zuge dieses Rechtstreits hatte ich die Befürchtung, den Verlag schließen zu müssen. Schlussendlich führte der Rechtstreit dann zur Umbenennung in den Kamphausen Verlag.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich andere Verlage nie als Konkurrenz gesehen, sondern immer auf meinen eigenen Weg geschaut habe. Wir haben immer versucht uns nicht an anderen zu orientieren, sondern unsere eigenen Netzwerke auszubauen.

Trotz großer Konkurrenz im Themenbereich Spiritualität machst Du seit 35 Jahren erfolgreich Bücher. Wie lautet Dein Erfolgsrezept?

(lacht) Das gibt es in dem Sinne nicht. Wenn, dann würde ich sagen, ist es Kontinuität und eine seriöse Arbeit mit Respekt für den Autor, den Kunden und die MitarbeiterInnen. Am Ende soll für jeden das Gefühl entstehen, dass etwas für ihn dabei raus kommt. Ich bemühe mich stets gute Produkte mit einem guten Nutzen für die Kunden herzustellen. Außerdem sehe ich den Verlag eher als Dienstleister für die Autoren, nicht etwa als Doorkeeper. Deshalb haben wir im Jahr 2012 auch das Selfpublishing-Portal tao.de gegründet.

Zwei Generationen: Die Geschäftsführer von Kamphausen Media GmbH Annika Huck-Kamphausen und Joachim Kamphausen. © Steffi Behrmann

Was waren weitere Meilensteine bzw. große Wendepunkte in der Geschichte des Verlages?

Für mich war ein Meilenstein die Erfahrung, dass Misserfolg erst einmal gar nichts heißt. In unserem ersten Buch befanden sich über tausend Fehler – und trotzdem hatten wir schätzungsweise 50.000 LeserInnen, denn wir wissen, dass das Buch gerne und viel weitergegeben und verliehen wurde.

Dann haben wir neue Verlage hinzu kaufen können. Zuerst Lebensbaum, dann Aurum, Theseus und Lüchow. Erst kürzlich ist der österreichische Verlag Fischer & Gann zu unserem Portfolio hinzugekommen.

Welche Ratschläge und Hilfen gibst Du Deinen Mitarbeitern im täglichen Verlagsleben an die Hand?

Oh, das ist eine schöne Frage! (lacht) Ich schlage meine Mitarbeiter nicht, auch nicht mit Rat. (lacht)

Ich habe oft erlebt, dass sich aus dem gemeinsamen Lösen von Problemen ein Miteinander ergibt, indem Hierarchie nicht bedeutsam ist. Die tägliche Arbeit ergibt sich aus den Aufgaben, die anfallen. Es ist schön zu beobachten, wie sich die MitarbeiterInnen gegenseitig ihr Know How weitergeben, also ein ständiger Wissenstransfer vonstatten geht.

Die Buchbranche kämpft derzeit mit großen Veränderungen. Wie geht Kamphausen mit der Herausforderung Digitalisierung um?

Wir bemerken, dass es für Novitäten immer schwieriger wird, sich am Markt zu behaupten. Aber wir haben eine starke Backlist, also Titel, die sich seit vielen Jahren gleichbleibend gut verkaufen. Das stärkt uns den Rücken.

Seit eineinhalb Jahren konzeptionieren wir zudem digitale Produkte. Für die Vermarktung braucht es aber eine ganz neue Struktur. Zum Jahresende ist ein digitaler Ableger als Start Up geplant, der sich genau mit diesen neuen Produktformen beschäftigen wird.

Welche Ziele hast Du Dir für die Zukunft des Unternehmens gesteckt?

Ich bin mir sicher, dass das Buch immer einen Markt haben wird. Aber in Zukunft werden wir eher durch Konzepte wachsen, in denen das Buch zwar eine Rolle spielt, aber auch andere Contentformen abgedeckt werden. Es wird eine Ausweitung auf andere Erlösmodelle für unterschiedlichen Content auf uns zukommen.

Besonders freue ich mich, dass meine Tochter Annika Huck-Kamphausen Ende letzten Jahres ins Unternehmen eingestiegen ist. Sie wird sich in Zukunft um das traditionelle Verlags- und Buchgeschäft kümmern, während ich die digitale Ausgründung betreuen werde. Natürlich stehe ich aber auch weiterhin dem Verlag beratend zur Verfügung und werde meine Ideen einbringen. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird es sicherlich sein, digitale Produkte erfolgreich am Markt zu etablieren.

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Bei uns erschienen
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Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 30 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Ergänzt wird die klassische Verlagsarbeit durch die Selfpublishing Portale tao.de und Meine Geschichte. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
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