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Selbstmarketing? Nein, danke?!

Selbstmarketing ist ein Balanceakt, aber im Berufsleben kommt kaum jemand darum herum. Gerade Hochsensiblen mangelt es häufig an Selbstvertrauen

von Christian Schneider

Das Wort Selbstmarketing löst häufig großen Widerwillen aus. Doch für ein erfülltes Berufsleben ist es von großer Bedeutung, mit der eigenen (hochsensiblen) Persönlichkeit und der fachlichen Kompetenz sichtbar zu werden.

Werbung für die eigene Leistung oder Dienstleitung zu machen, fällt vielen Menschen schwer. Zu groß sind meist die Bedenken als selbstgefällig dazustehen oder hinter den geweckten Erwartungen zurückzubleiben. Die Redewendung Klappern gehört zum Handwerk mag sich zwar antiquiert anhören, an Bedeutung hat sie deshalb keinesfalls verloren.

Ohne Zweifel ist Selbstmarketing ein Balanceakt, aber im Berufsleben kommt kaum jemand darum herum – egal, ob angestellt oder selbstständig. Denn es geht darum, sich sowohl mit seiner Persönlichkeit als auch mit seinen Kompetenzen, Leistungen und Angeboten zu zeigen und sichtbar zu werden. Nur dann können Vorgesetzte oder potenzielle Kunden Vertrauen bzw. Interesse entwickeln. Wer sich hingegen am liebsten ‚unter dem Radar‘ bewegt, braucht sich nicht zu wundern, dass ihm nicht mehr Verantwortung übertragen wird oder Kunden und Aufträge ausbleiben.

Selbstmarketing – für Hochsensible eine große Herausforderung

Warum aber fällt es vielen Menschen so schwer, für sich selbst die Werbetrommel zu rühren? „Selbstmarketing? Nee, das liegt mir überhaupt nicht. Da komme ich mir vor, als würde ich mich prostituieren.“ Solche oder ähnliche Aussagen höre ich häufig, wenn ich im Coaching das Thema anspreche. Speziell hochsensible Menschen stoßen an diesem Punkt sehr schnell auf einen großen inneren Widerstand. Dabei sind gerade sie mitunter sehr mutig, wenn es darum geht, den Schritt in die Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit zu wagen. Während sie sich in ihrem alten Job oft genug mit ihren Fähigkeiten und Ideen zu wenig gesehen und wertgeschätzt fühlten, eröffnet ihnen die Selbstständigkeit neue Freiräume und Handlungsoptionen, nach denen sie sich als suchende Menschen mit einem brennenden Veränderungsimpuls so sehnen.

Doch um erfolgreich selbstständig zu sein, bedarf es mehr als einer stimmigen und attraktiven Geschäftsidee, die einen selbst mit Sinn erfüllt. Dass die dauerhafte Marktpräsenz ohne Selbstmarketing kaum möglich ist, blenden viele hochsensible Existenzgründer gern aus. Was es heißt, sich allein mit ihrem Namen präsentieren zu müssen, ohne das Markenzeichen eines etablierten Unternehmens als Schutzschild vor sich hertragen zu können, wird ihnen häufig erst im Gründungsprozess bewusst. Spätestens dann kommen sie bei der Beschreibung ihres Leistungsangebots nicht darum herum, sich mit dem Thema Werbung in eigener Sache auseinanderzusetzen.

Sich den eigenen Wert bewusst machen

Unbestritten ist Selbstmarketing eine echte Herausforderung. Sie zu bewältigen bedeutet in aller Regel auch eine intensivere Auseinandersetzung mit sich und den bisherigen beruflichen Erfahrungen. In vielen Fällen besteht nämlich ein Zusammenhang zwischen der tiefen Unzufriedenheit mit dem bisherigen Job, die möglicherweise den Ausschlag für den Wechsel in die Selbstständigkeit gegeben hat, und den Schwierigkeiten, ein stimmiges Selbstmarketing-Konzept zu entwickeln.

Was genau diesen Zusammenhang kennzeichnet? Er basiert auf einem tiefen inneren Wertekonflikt. Dieser Konflikt entsteht im Spannungsfeld zwischen zwei Polen: dem stress- und schmerzbelasteten Lebensdrama auf der einen und der ersehnten Lebensvision auf der anderen Seite. Die klassischen Arbeitsbedingungen befeuern stark den Pol des Lebensdramas, sodass seine Sogwirkung sehr groß werden und eine Vielzahl negativer Emotionen hervorrufen kann:

  • Scham, sich zu den eigenen Stärken zu bekennen
  • Sorge, die Erwartungen nicht erfüllen zu können
  • Angst, als Person abgelehnt zu werden
  • Befürchtung, den eigenen Ansprüchen nicht standhalten zu können

Das erklärt auch, warum insbesondere hochsensible Menschen sich oft trotz guter Ausbildung nicht ausreichend qualifiziert fühlen, erst einmal zögerlich reagieren, wenn es darum geht, neue Aufgaben zu übernehmen oder sich die Übernahme einer Führungsposition nicht zutrauen. In der Konsequenz geben sie sich häufig vordergründig damit zufrieden, einen fachlich exzellenten Job zu machen und als Kollege/in und Mitarbeiter/in hoch geschätzt zu werden. Dennoch bleibt oft etwas Unerfülltes zurück: eine tiefe innere Sehnsucht, mit der eigenen fachlichen Arbeit Anteil an einem positiven gesellschaftlichen Wandel zu haben.

Dem Drama-Sog entkommen

Diese tiefe innere Sehnsucht speist sich am Pol der Lebensvision. Sie drängt danach, umgesetzt zu werden. Gelingt es, den zugrundliegenden inneren Wertekonflikt zu bearbeiten und sich bewusst am Pol der Lebensvision zu orientieren, wird es möglich:

  • sich mit etwas Größerem verbunden zu fühlen,
  • der inneren Bestimmung zu folgen,
  • neue Handlungsoptionen zu erkennen,
  • die eigenen Potenziale besser auszuschöpfen,
  • sich in der beruflichen Tätigkeit selbst zu verwirklichen.
  • zu positiven gesellschaftlichen Veränderungen aktiv etwas beizutragen.

Die Voraussetzung, dem Drama-Sog zu entkommen und sich für den Pol der Lebensvision zu entscheiden und in dessen Sog zu handeln, ist das Gewahrsein des spirituellen Still(e)punktes. Er ist die lange gesuchte Verbindung zu sich selbst – ein innerer Freiraum, der es gestattet, Situationen neu zu bewerten und aktiv Entscheidungen zu treffen.

Marketing basiert auf Selbstmarketing

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass der tiefe innere Wertekonflikt einer stimmigen beruflichen Positionierung nicht nur im Wege steht, sondern sie umfassend sabotiert. Daher ist es für die Entwicklung eines glaubwürdigen Selbstmarketing-Konzepts von grundlegender Bedeutung, zunächst diesen inneren Wertekonflikt zu bearbeiten. Erst dann wird der Blick auf die Lebensvision frei und neue Handlungsmöglichkeiten werden sichtbar.

In welche Richtung der berufliche Weg dann führen mag, ob in die Selbstständigkeit oder in ein Angestelltenverhältnis, ist somit zweitrangig. Es ist der Sog der Lebensvision, der nun die Blickrichtung und die Emotionen prägt. Das sichere Gefühl, persönlich und fachlich etwas bewegen und mit beidem sichtbar werden zu können, ist das Fundament eines stimmigen Selbstmarketings. Auf ihm baut sich dann die weitere Marketing-Planung auf.

Christian Schneider (christian.schneider@aurum-cordis.de) coacht und berät seit mehr als zehn Jahren Existenzgründer, Selbstständige und Firmen. Er ist Co-Autor des Fachbuchs Hochsensibilität und spricht beim Fachkongress Hochsensibilität

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