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Die Angst vor dem Vergessen

Gabriela Stoppe räumt mit Vorurteilen zum Thema Demenz auf und plädiert für die Früherkennung

Kaum eine Krankheit ist so gefürchtet, wie Demenz. Seine eigenen Kinder, seinen Partner nicht mehr zu erkennen, das eigene Leben nicht mehr kontrollieren zu können, für seine Angehörigen zu einer Last zu werden – was für eine schreckliche Vorstellung! Aber ist diese Angst begründet? Und was kann man im Vorfeld tun, um angstfrei und in sich ruhend älter zu werden?

Angst ist natürlich

Es ist vollkommen natürlich, vor Krankheiten Angst zu haben. Besonders natürlich vor solchen, die sich nicht gut behandeln lassen. Bei Demenz ist der Durchbruch in der medikamentösen Behandlung bisher ausgeblieben. Demenzerkrankungen lassen sich nicht heilen, was die Angst vor einer Erkrankung natürlich verstärkt. Zu einer Demenzkrankheit gehört, dass wir unsere Orientierung in der Welt verlieren. Somit bedroht die Demenz gewissermaßen per Definition die Selbstständigkeit, Kontrolle und Autonomie.

Warum vorsorgen?

Prof. Dr. med. Gabriela Stoppe beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Demenz. Sie setzt sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für die Früherkennung ein. „Die Behandlungen, die es schon gibt, sind umso wirksamer, je früher sie eingesetzt werden“, erklärt die Fachärztin für Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Wer sich früh mit der Krankheit auseinandersetze, der sei zudem noch in der Lage, selbst zu entscheiden, wie das Leben mit Demenz aussehen soll. Eine wesentliche Angst sei die Befürchtung, schlecht gepflegt oder gar nicht gepflegt zu werden. „Aber dies sind Ängste bezüglich der Versorgung und nicht vor der Krankheit selbst“, sagt die Expertin.

Dem kann durch Vorsorge-Untersuchungen entgegengewirkt werden. Ähnlich wie bei Krebserkrankungen erfreut sich die Demenz-Vorsorge allerdings keiner großen Beliebtheit. Wer möchte sich schon freiwillig einer potentiell schlechten Neuigkeit stellen? Doch es findet ein Wandel statt: „In der heutigen Zeit, wo ein Brust- oder auch ein Darmkrebs durchaus überlebt werden kann, wenn er früh genug erkannt wird, ist die Bereitschaft, zur Vorsorge zu gehen, inzwischen größer“, freut sich Gabriela Stoppe. Diese grundsätzlich positivere Haltung zur Vorsorge würde auch der Früherkennung von Demenz zu Gute kommen.

Demenz betrifft auch die Angehörigen

Bei einer Demenzerkrankung leiden die Angehörigen häufig sehr stark mit der/dem Betroffenen mit. Nicht selten verändern sich Charakterzüge, Vorlieben und Eigenheiten so stark, dass Familie und Freunde die Kranke/den Kranken nicht mehr wiedererkennen. Eine schwierige Zeit für das gesamte Umfeld. Auch die Angehörigen können sich auf eine drohende Demenz innerlich wie äußerlich besser vorbereiten, wenn die Erkrankung in einem frühen Stadium erkannt wird. Angehörige, die früher erfahren, welche Rolle jetzt auf sie zukommt, und diese dann auch annehmen, können  im Krankheitsverlauf mehrfach profitieren. Sie können sich früher Unterstützung und Hilfe suchen und sich informieren. Dies hilft, dass sie in dem gesamten Betreuungsprozess selbst stabiler und gesünder bleiben, was sich wiederum auf das Befinden der von ihnen betreuten Demenzkranken auswirkt.

Selbstbestimmt, bis zum Schluss?

Selbstbestimmung wird in unserer Gesellschaft groß geschrieben. Die Freiheit zu tun, was immer man tun möchte, die Wahl zu haben und selbst über sein Schicksal zu bestimmen hat einen ungeheuer großen Stellenwert. Zu Recht! Interessant zu beobachten ist, dass gerade in dieser Gesellschaft die Demenzforschung an Stellenwert gewinnt. Gabriela Stoppe vermutet, dass beide Entwicklungen zusammenhängen. Gerade jetzt, wo das selbstbestimmte Leben bis zuletzt als einzig würdevolle Variante des Alterns angesehen wird, wird ein Leben am meisten gefürchtet, das sich eben nicht mehr selbst bestimmen kann.

Aber heißt das im Umkehrschluss, dass Abhängigkeit, Hilfsbedürftigkeit oder Hilflosigkeit unwürdig sind? Gabriela Stoppe beschreibt Abhängigkeit als etwas zutiefst menschliches: Als Kinder sind wir von unseren Eltern abhängig, als Erwachsene von unseren Beziehungen. „Es gibt keine Unabhängigkeit von anderen Menschen – und der Mensch will sie auch nicht, er ist dazu nicht gemacht. Er entwickelt sich in Beziehungen“, so Gabriela Stoppe. Im Alter abhängig von anderen Menschen zu sein, ist demnach nur natürlich. Auch hier ist eine gute Planung das A und O. Wer für die Zukunft vorsorgt, solange er noch kann, kann die kommenden Jahre beruhigt auf sich zukommen lassen.

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