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Wollen zweiter Klasse

Katharina Middendorf und Ralf Sturm berichten abwechselnd über ihren Alltag als Paar-Therapeuten

von Katharina Middendorf

Es gibt einen Satz in Beziehungen, der jede Bemühung in den Boden stampft: „Ich will aber, dass Du das nicht mir zuliebe machst, sondern dass Du das auch willst!“ Dieser Satz sorgt meistens nicht nur dafür, dass die Willigkeit des Partners noch mehr schrumpft, während die Enttäuschung auf der anderen Seite ins Unermessliche wächst, sondern eröffnet auch die Frage: Wie überprüft man bitteschön Willigkeit? Und gibt es ein Wollen erster und ein Wollen zweiter Klasse?

Ein Klassiker von vielen: in Kurzform

Sie: Ich hätte gerne öfter Sex.

Er: Ich kann aber nicht sooft.
Therapeut: Wieso können Sie nicht sooft?

Er: Erektionsstörungen.

Therapeut: Wollen Sie denn?

Er: Ne, eigentlich nicht. Mir reicht es so wie es ist.

Sie: Mir aber nicht.

Therapeut: Bedeutet Sex für Sie Geschlechtsverkehr?

Er: Ja.

Sie: Nein.

Therapeut: Was würden Sie noch als Sex beschreiben?

Sie: Oral.

Er: Das kann ich machen.

(Therapeut einen kurzen Moment erfreut, eine Lösung scheint im Raum).

Sie: Ich will nicht, dass Du das einfach so machst, sondern es auch willst!

Die Therapie beginnt.

Mehrere Klassiker, gleiche Storyline

Hier geht es nicht um Sex. Hier geht es um etwas anderes. Man könnte das Beispiel mit tausend anderen Beispielen erzählen: Bruce-Springsteen-Konzert, gemeinsames Frühstück, Urlaubsziel ... Bei allem gilt sooft die Devise: Wenn Du das nur mir zuliebe machst, dann zählt das nicht. Das ist Wollen zweiter Klasse! Es muss von Herzen kommen! Wie findet man aber heraus, wann etwas vom Herzen kommt? Hat das schon mal jemand gesehen? Oftmals die Antwort: „Ich würde das schon merken!“ Ich bin mir da nicht so sicher, ehrlich gesagt. Auch in den besten Beziehungen kommt es vor, dass man sehr glaubhaft Dinge vortäuscht, um Ruhe zu haben vor dem ständigen ‚Du auch‘-Terror. Was der eine beim Sex vortäuscht, ist dem anderen seine plötzliche Freude am italienischen Essen.

Zweifach blöd

Ich frage mich da, wieso sich dieser Anspruch an die Partnerin und den Partner so hartnäckig hält, wenn doch folgende zwei Gründe ganz deutlich gegen das ‚Du auch‘ sprechen:

  1. Es ist schwer herzzustellen, denn Menschen sind verschieden.
  2. Es ist nicht nachweisbar, denn Menschen können lügen.

Lieben heißt anders sein

Anziehung findet rein physikalisch dann statt, wenn zwei Dinge unterschiedlich sind. Nord und Südpol. Auch Sexualität und Lust bauen teilweise auf diesem Grundgesetz auf. Wie verlieben uns also in das, was wir nicht haben, was uns komplett zu machen scheint. Nur um sechs Wochen oder ein Jahr später darauf rumzuhacken. Mit dem Ergebnis, dass die Beziehung langweilig wird und der Sex unspannend. Die Harmonie, die man sich erhofft hat und die man Liebe nennt, endet dann eher im Hahnenkrieg als im Friede-Freude-Eierkuchen. Es ist also keine wirklich erfolgsversprechende Strategie.

Akzeptieren reicht nicht...

Es ist sicher ein erster Schritt sich deutlich zu machen, dass die/der andere anders ist, und dass das eigentlich ein Grund war, sich aufeinander zuzubewegen. Wir können akzeptieren, dass Unterschiede bleiben. Das nennt der bekannte Paartherapeut Arnoldt Retzer ‚Reife Resignation‘. Das sorgt für Entspannung und Frieden und sorgt dafür, dass man als Paar Zeit hat für die wirklich wichtigen Dinge. Es ist in jedem Fall eine weise Entscheidung. Doch ich glaube, dass da noch mehr geht...

Ein Hoch auf den Liebesdienst!

Was ist, wenn wir unserem Partner etwas zur Liebe tun? Uns vielleicht sogar einen Zacken aus der Krone brechen, um ihr oder ihm einen Gefallen zu tun? Oder eben einen lieben Gefallen einfach mal annehmen. Was ich in der Praxis erlebe, wenn sich Paare darauf einlassen, ist in fast allen Fällen eine Zunahme von Intimität. Eine neue Verbindung, in der man sich einander anvertraut. In der man sich dem anderen überlässt, mit all den eigenen Wünschen. Ohne sich zu vergewissern oder abzusichern. Das Ergebnis ist am Ende meistens, dass man sich über die Freude des anderen freut.

Und dann ist man eigentlich genau da, wo man hinwollte: in einer Gemeinsamkeit!

Für Einzel- und Paartermine können Sie unsere Autoren in der Berliner Praxis oder per Skype oder Telefon kontaktieren: 

Middendorf · Sturm
Praxis für Paar- und Sexualtherapie

Riemeisterstr. 114

14169 Berlin

Tel.: +49 (0) 30 98375922

info@middendorf-sturm.de
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