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Auf der Suche nach der Ursache – Eine neue Behandlungsmöglichkeit in der Schmerztherapie

Menschen mit chronischen Schmerzen fühlen sich häufig völlig vom Schmerz vereinnahmt. Die multimodale Schmerztherapie nimmt den Menschen ganzheitlich wahr.

© Kyle Glenn via Unsplash

Langsam frisst sich der Schmerz ins Leben. Erst kommt er nur ab und an vorbei, bleibt ein bisschen und verschwindet dann wieder. Doch dann kommt er öfter und bleibt länger, bis er irgendwann zu einem Dauergast wird. Und je mehr Zeit mit dem Schmerz verbracht wird, desto weniger hat der Betroffene ihm entgegen zu setzen – bis der Schmerz irgendwann das ganze Leben dominiert.

Andreas Jelitto kennt viele dieser Schmerzgeschichten. Er ist seit 18 Jahren Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie am Krankenhaus Schleiden, Nordrhein-Westfalen. Er arbeitet mit einem neuen Ansatz in der Behandlung chronischer Schmerzen. Die multimodale Schmerztherapie nimmt die Vogelperspektive ein und betrachtet die Person, ihr Umfeld und ihren Alltag als Ganzes.

Wenn Medikamente nicht mehr helfen

Schmerzen, die nicht von alleine wieder verschwinden, werden in der Regel mit Medikamenten eingedämmt. Schmerzpatienten stellen jedoch häufig mit der Zeit fest, dass die Medikamente nicht mehr richtig wirken. Wiederum eine schmerzhafte Erkenntnis, denn jetzt gibt es keine einfache Möglichkeit mehr, den Symptomen entgegen zu wirken. Der Schmerz scheint sich selbstständig zu machen und immer mehr Zugriff auf immer mehr Bereiche des Alltags zu gewinnen. Nichts hilft mehr, der Leidende kann nichts daran ändern. Hilflosigkeit und Resignation sind die Folge.

Chronische Schmerzen zermürben

Wenn der Schmerz sich eingenistet hat, dann bleibt er auch in der Nacht. Schlafstörungen sind ein häufiges Begleitsymptom bei chronischen Schmerzen mit großen Folgen für die persönliche Erholungs- und Regenerationsfähigkeit. „Diese erlebte Zermürbung hat ihrerseits weitergehende Folgen und verstärkt den erlebten Schmerz im Sinne eines sich selbst verstärkenden Kreislaufs“, beschreibt Andreas Jelitto die Spirale, in der sich viele seiner Patienten befinden. Wie soll man Kraft sammeln, um dem Schmerz zu begegnen, wenn man nicht zur Ruhe kommen kann?

Das Umfeld leidet mit

Nicht nur für den Patienten selbst sind chronische Schmerzen eine große Herausforderung, auch Verwandte und Freunde sind betroffen. Oft sind die Angehörigen in das Hilflosigkeitserleben eingebunden, auch ihr Alltag wird durch die Schmerzerkrankung ihres leidenden Familienmitglieds erheblich beeinträchtigt. „Partner, Kinder, Eltern und Freunde (oft bleiben nicht mehr viele übrig!) leisten einen oft beträchtlichen zeitlichen Aufwand, sei es als Begleiter, Transporteur oder Versorger“, berichtet Andreas Jelitto. Wird der Schmerz in der Familie oder mit Freunden zum Gesprächsthema Nummer eins, kann das wiederum krankheitsverschlechternde und symptomfixierende Auswirkungen haben.

Wenn der Arzt nicht weiter weiß

Auch die behandelnden Ärzte von Menschen mit chronischen Schmerzen geraten an ihre Grenzen. Immer wieder müssen sie erleben, dass sie mit bestem Wissen und Gewissen behandeln, die Behandlung aber nicht den erwarteten Erfolg erzielt. Sie verschreiben ihnen  Medikamente, doch diese wirken bei Schmerzpatienten nicht oder kaum, stattdessen treten unübliche Nebenwirkungen auf. Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die Schmerzausbreitung bei ihren Patienten nicht an die von ihnen erlernten anatomischen Strukturen hält.

Eine neue Möglichkeit der Schmerztherapie

Andreas Jelitto beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit der Therapierung von Patienten mit chronischen Schmerzen. Er wendet die multimodale Schmerztherapie an – eine Therapieform, die nicht nur den bloßen Schmerz, sondern die Person und ihr Umfeld in den Blick nimmt. „Aus meiner Sicht ist eine wesentliche Aufgabe in der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen die Kenntlichmachung des Inhalts der Aussage »Es tut so weh« als etwas Einzigartiges, das zur individuellen Person und Geschichte desjenigen gehört, der den Schmerz fühlt“, erklärt der Schmerztherapeut. So sieht Andreas Jelitto Zusammenhänge zwischen der Biografie und den Beziehungen des Patienten sowie der Identifizierung mit dem Schmerz und gibt der Schmerztherapie auf diese Weise einen therapeutischen Anteil.

Wichtig zu betonen ist dabei jedoch, dass eine chronische Schmerzerkrankung keine psychische Erkrankung ist. Sie kann zwar psychische Folgen haben und zum Beispiel in einer Depression münden oder aber durch einige psychische Begleiterkrankungen beeinflusst werden, der Satz „Das bilden Sie sich alles nur ein“ hat in der Therapierung von chronischen Schmerzen laut Andreas Jelitto jedoch nichts verloren.

Der Untersuchungsgegenstand ist der Mensch mit allen seinen Fähigkeiten, Unzulänglichkeiten, Erfahrungen. Daher kann meines Erachtens und meiner Erfahrung nach Schmerztherapie nur unter Berücksichtigung der spezifischen, individuellen Biografie eines Menschen unter Einschluss seiner schmerzlichen und schmerzhaften Erfahrungen, aber auch seiner Bewältigungsstrategien und seiner Sicht auf seine Geschichte gelingen.

Andreas Jelitto

Welche erstaunlichen Zusammenhänge und Erkenntnisse Andreas Jelitto mit dieser Behandlungsmethode bereits erkennen konnte, hat er in seinem Buch Es tut so weh! festgehalten. In dieser Leseprobe lesen Sie die Geschichte eines Mannes, der immer wieder von so heftigen Schmerzattacken heimgesucht wurde, dass er sich teils wochenlang kaum bewegen konnte: 

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