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Frage an Volker Schmidt:

Unsere Beziehung läuft auf vielen Ebenen traumhaft. Nur im Bett finden wir nicht mehr zueinander. Was können wir tun?

Die Gründe dafür, warum das sexuelle Begehren zweier Partner aneinander (nach den anfänglichen Wonnen der Verliebtheit) schließlich nachlässt oder gar einschläft, sind vielfältig. Nicht zuletzt spiegelt das, was im Bett zwischen uns passiert, uns ungeschminkt wider, wie es um die weiteren Aspekte unserer Liebesbeziehung beschieden ist. Streit, Misstrauen, offene Rechnungen, Frustration und Resignation sind Liebeskiller erster Güte. Diese zersetzen jedoch nicht nur unsere Sexualität, sondern das gesamte Fundament unseres Miteinanders.

Das hier beschriebene Phänomen ist ein anderes. Wenn die Partnerschaft zwischen dir und deinem/deiner Liebsten sehr liebevoll und harmonisch ist, ihr euch vertraut, unterstützt und gegenseitig stärkt, dennoch aber euer Sexualleben am Boden liegt, dann sind hierfür in der Regel andere Gründe verantwortlich.

Erlaube mir, zu raten: sexuelle Erfüllung war niemals wirklich Teil eurer Beziehungsagenda. Ihr haltet sexuelles Begehren und sexuelle Fülle für Zufallsfaktoren. Ist es da, ist es schön. Ist es nicht da, dann halt nicht. Das Ob, Wann, Wie-oft und Wie eurer sexuellen Begegnungen ist abhängig von unzähligen Faktoren eures Alltags, nicht aber davon, wie ihr selbst eure Sexualität leben und erleben wollt. Ihr nehmt, was ihr kriegt, habt euch aber niemals wirklich dazu entschieden, sexueller Fülle und Erfüllung in eurer Beziehung eine echte Priorität zu geben. Ihr mögt hervorragende Partner sein, was den gemeinsamen Alltag, eure Hobbies, die Kinder oder Finanzen angeht. „High-End-Sex“ jedoch hatte voraussichtlich niemals offiziell einen Platz auf eurer partnerschaftlichen To-Do-Liste.

So kommt es, dass ihr nie (wirklich) miteinander darüber sprecht, was ihr euch wünscht, worauf ihr Lust habt und was euch erotisch anmacht. Ihr habt in eurer Sexualität keinen gemeinsamen Weg gewählt, sondern lasst euch treiben wie Blätter im Wind. Das mag euch schützen vor Ablehnung oder Irritation, wahrhaftige Wonnen jedoch werdet ihr auf diese Weise nicht erreichen.

Findet ihr euch in dieser Beschreibung wieder, dann empfehle ich euch: Macht euch klar, dass sexuelle Erfüllung kein Geschenk des Himmels (für wenige Auserwählte) ist, sondern das Ergebnis partnerschaftlicher Kommunikation und Kooperation. Redet miteinander! Stellt euch gemeinsam der Frage, welche Rolle die Sexualität in eurer Beziehung spielen soll! Zeigt euch einander mit euren Wünschen und Ideen, mit euren (bisherigen) Grenzen und Vorbehalten. Packt alles auf den Tisch und dann erforscht gemeinsam, wie all das, was ihr an Erfahrungen und Visionen in euer Sexualleben einbringt, euch darin dienen kann, die Sexualität zwischen euch wieder und wahrhaftig zum Leuchten zu bringen.

Um dies jedoch zu können, um uns unserem Partner oder unserer Partnerin mit unseren Wünschen und Grenzen ganz zu zeigen, ist es unerlässlich, dass wir uns selbst mit unserer eigenen, ganz individuellen Sexualität beschäftigen. Uns fragen: „Wonach sehne ich mich?“ „Was macht mich (am Anderen oder auch grundsätzlich) scharf?“ „Wovor habe ich Scheu? Und warum?“ „Wer oder wie wäre ich, wenn ich für das, was mich erfüllt, wirklich eintreten und ihm einen Platz in meinem Leben geben würde?“

Ich kann mich meiner Partnerin nur so ehrlich und offen zeigen, wie ich mich selbst erkannt und angenommen habe. Die Erschaffung einer gemeinsamen erfüllenden Sexualität beruht daher auf der Bereitschaft der beiden Partner, die eigenen sexuellen Wünsche, Impulse und Grenzen zu erforschen und von Herzen zu bejahen. Wir können einander nur das von uns zeigen, was wir selbst in uns entdeckt und erkannt haben. Und wir werden nur dann für etwas eintreten, wenn wir es für bedeutsam und wichtig halten. Seid ihr beide, du und dein/e Partner*in, diese Schritte gegangen, dann werden eure Fähigkeit und eure Bereitschaft zu Kommunikation und Kooperation euch darin dienen, Wonne und Erfüllung in eure gemeinsame Sexualität einzuladen, hervorzukitzeln und schließlich zu eurer gemeinsamen Wirklichkeit werden zu lassen.

Hört auf, Sex als etwas zu betrachten, was ihr „miteinander tut“. Eure Sexualität ist nicht weniger als ein Kontinent, den ihr gemeinsam bereisen könnt, wenn ihr dies wollt. Hier gibt es vieles zu entdecken für jene, die den Mut haben, ihre altbekannten Pfade zu verlassen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Probiert euch aus und lernt wieder, frei wie Kinder mit euch selbst und miteinander zu spielen! Diese Freiheit und Spielfreude sind es, aus der wonnige Lust entsteht. Wo Lust da sein darf und da sein mag, dort gedeiht Sex wie von allein. Alles, was ihr also miteinander tun „müsst“, ist dieser Lust aneinander und miteinander substanziell Raum zu geben und euch selbst die Erlaubnis zu geben, euch vom Körper und den Gefühlen des/der Anderen wahrhaft berühren zu lassen und ihn oder sie ebenso zu berühren.

Volker Schmidt

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