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Frage an Volker Schmidt:

Ich fühle mich gehemmt in meiner Sexualität. Was kann ich tun?

Zunächst einmal möchte ich dir gerne klar sagen, dass du mit diesem Phänomen alles andere als allein bist. Kaum ein Mensch, mit dem ich mich bislang über diese Frage unterhalten habe, hat mir erzählt, dass er/sie sich in seiner/ihrer Körperlichkeit und Lust wirklich frei und sicher fühlt. Die wenigen, die dies von sich glaubhaft behaupten, sagen, sie haben sich dieses Feature selbst und teils hart erarbeitet.

Halten wir uns vor Augen, dass kaum ein heute erwachsener Mensch in unserem Land in einem Elternhaus aufgewachsen ist, in dem Zärtlichkeit, Sinnlichkeit und Sexualität unverkrampft als Teile des normalen menschlichen Miteinanders angesehen, behandelt und besprochen wurden. In den meisten Familien beschränkte sich das Thema „Sexualität“ auf Warnungen (Schwangerschaft, Geschlechtskrankheiten, „böse Männer“...), Verbote (Doktorspiele, Masturbation, Sex vor der Ehe, Lust auf Sex dem gleichen Geschlecht...) oder gar aus prüde-verschämtem Schweigen. Eine solche Erziehung bringt keine selbstbewussten und strahlenden Persönlichkeiten hervor, die sich in ihrem Körper und in ihrer Sexualität zuhause fühlen. Was auch immer du also ganz genau als dein Problem ansiehst, du bist damit eine/r von ganz vielen!

So vielschichtig und prägend die Hintergründe unserer Ängste und Hemmungen aber auch sein mögen, fünf Faktoren zeigen sich immer wieder als hochgradig hilfreich, wenn ein Mensch sich die Befreiung seiner oder ihrer eigenen Sexualität auf die Fahnen geschrieben hat:

  1. Bereitschaft zur Selbstannahme: Wer sich selbst in seinem Körper oder mit seinen Gedanken nicht wohlfühlt, sich selbst ablehnt oder glaubt, sich verstecken oder unterdrücken zu müssen, wird niemals Zugang zu freudiger Sexualität finden. Sexuelle Glückseligkeit ist nicht zuletzt eine Frage der inneren Erlaubnis. Frage dich selbst: Bin ich wertvoll genug, um mir wahrhaftige sexuelle Erfüllung nicht nur zu erlauben, sondern mir gar von ganzem Herzen zu gönnen? Ich kann dir versichern, die Antwort lautet: „Ja.“ Nur musst du trotzdem von selbst herausfinden, warum genau das so ist.
  2. Entschlossenheit zum Wachstum: Jedes gewohnte Verhaltensmuster markiert die Grenzen einer Komfortzone. Diese zu verlassen, bringt uns zwangsläufig in Kontakt mit Unsicherheit und Angst. Deine Angst wird dich immer wieder dazu auffordern, auf dem gewohnten Weg zu bleiben bzw. schnell dorthin zurückzukehren. Es braucht Entschlossenheit, um einen neuen Weg einzuschlagen. Das gilt überall im Leben. Insbesondere aber gilt es in den wilden Weiten unserer Sexualität.
  3. Positive Körpererfahrungen: Alles, was dir dabei hilft, dich in deinem eigenen Körper wohlzufühlen, spielt dir in die Hände, wenn du das Feld der Sexualität betrittst. Je öfter du erfährst, welche wonnigen Sensationen dir dein Körper schenken kann, desto freudiger wirst du diesen Körper als Teil deines Lebens als Mensch willkommen heißen. Ausdrücklich möchte ich dich dazu einladen, dir in deinem Leben Zeiten und Räume zu schaffen, in denen du allein mit dir selbst in Zärtlichkeit und Sinneslust gehst. Mach dir klar, dass deine Geschlechtsteile weniger der Vermehrung dienen als dem Empfinden von Lust. Erlaube deinen Lustorganen, das zu tun, wofür sie erschaffen wurden: Dir Freude und Wonnen zu schenken!
  4. Kraftvolle Vorbilder: Viele von uns haben eine Menge absurder Überzeugungen davon, was sich in Sachen Sex gehört oder nicht. Diese sind oft so tief eingegraben, dass wir sie gar nicht merken. Bis jemand kommt und uns vormacht, dass es auch anders geht. Wer sind die Menschen in deinem Leben, die eine wahrhaft positive und gesunde Einstellung zu sich selbst, ihrem Körper und ihrer Sexualität ausstrahlen? Was denken sie, sagen sie, machen sie anders als der Rest und vor allem anders als du? Nimm dir diese Menschen zum Vorbild, schneide dir hier und dort ein Scheibchen ab und lasse dich von ihnen inspirieren, auch deiner Körperlichkeit und Sexualität einen stolzen und lebendigen Platz in deinem Leben zu geben.
  5. Forschungspartner mit Erfahrung: Je unsicherer und ängstlicher du selbst bist, desto hilfreicher ist es, wenn du dich in der Entdeckung deiner Sexualität nicht alleine fühlst. Ein großes Glück ist es, wenn du eine/n Sexualpartner*in hast, der oder die erfahrener ist als du und in der Lage ist, dich liebevoll und geduldig an die Hand zu nehmen, sodass du dich in jeder sexuellen Erfahrung sicher, geachtet und geliebt fühlst. Ist so ein Sexualpartner gerade nicht zur Hand (bzw. selbst wenn!), können Freundinnen und Freunde mit größerem Erfahrungsschatz wertvolle Gesprächspartner sein, die dir helfen können, deine Gedanken, Gefühle oder Erfahrungen einzuordnen und kluge Entscheidungen zu treffen. Sprich mit deinen Freund*innen über deine Angst oder Scham. Lass dir ihre Geschichten erzählen. Erfahre auch hier, wie wenig allein du mit deinen Gefühlen bist. Erlaube ihnen, dich auf Ideen zu bringen, die du selbst bislang nicht hattest. Auch die Unterstützung durch eine Therapeutin oder einen Coach mit Wissen und Erfahrung in diesem Gebiet kann dich in diesem Prozess der Selbstentfaltung unter Umständen sehr unterstützen.

Volker Schmidt

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