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Lebensschwellen: Zeugung

von Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt

In den nächsten 12 Wochen werden wir jeweils ein Thema aus dem Buch Lebensschwellen vertieft behandeln. Wir hoffen, dass wir Euch damit ein wenig neugierig machen können und gleichzeitig nehmen wir so die Gelegenheit wahr, auch für uns selbst die unterschiedlichen Entwicklungsstufen unseres Daseins erneut zu reflektieren.

Zeugung als erste Schwelle

In dieser Woche soll das Thema Zeugung im Fokus stehen. Soweit wir wissen, ist der Akt der Zeugung als die Vereinigung der männlichen und weiblichen Keimzelle die erste unabdingbare Schwelle, die wir auf dem Weg in unser Leben überschreiten müssen. Manche denken sogar, vor der Zeugung entscheidet sich die Seele für genau eine solche Konstellation, die ein Schicksal verkörpert, das für bestimmte Aufgaben erforderlich ist. Diese Menschen denken also, wir wählen unsere Eltern und unsere Lebensumstände aus. Ob das stimmt, werden wir sicher nie erfahren. Dennoch kann dieser Gedanke helfen, zu verstehen, wie fundamental und schicksalhaft der Akt der Zeugung unserer Leben prägt. Die Einstellung der Eltern bei der Zeugung beispielsweise prägt die seelische Verfassung der Mutter während der ganzen Schwangerschaft. Erwartet sie ihr Kind in Liebe und als Erfüllung ihres Sinns und ihres Lebensglücks und weiß sie sich andererseits gesund und tragfähig, wird sie ihre Schwangerschaft freudig, entspannt, verantwortungsbewusst und gleichzeitig angstfrei durchleben. Das prägt das innere Milieu im Körper der Mutter, in dem sich das Kind entwickelt und ist wesentlich für dessen Gesundheit und für sein seelisches Gleichgewicht.

Prägung der Persönlichkeit

Wie anders ist das Schicksal eines Embryos, wenn die Mutter voller Angst von Panik, überschwemmt von Adrenalin, schlimmstenfalls noch zum Alkohol greift und so das Kind im eigenen Leib vergiftet und all ihren Stress an das werdende Leben weitergibt. Aber nicht nur die sozialen Umstände zum Zeitpunkt der Zeugung prägen das ganze weitere Leben. Nur diese beiden Eltern, gleichgültig wie deren Beziehung zu einander ist, sogar bei einer Insemination, sind in der Lage dieses einzigartige Individuum zu zeugen. Wir wissen heute um die fundamentalen Auswirkungen der Vererbung in praktisch allen körperlichen und seelischen Bereichen. Die Zeugung entscheidet, wenn man von den möglichen Komplikationen während der Schwangerschaft absieht, über Deine Hardware. Wirst Du groß oder klein, blond oder dunkelhaarig? Was schenkt Dir die Genetik Deiner Eltern für ein intellektuelles Potenzial? Genauso wichtig ist die Frage deiner emotionalen Schwingungsfähigkeit, Deiner Freiheit. Zwangsneurosen sind weitgehend erblich, genauso wie andere Persönlichkeitseigenschaften wie beispielsweise Aggressivität und Sexualität. All dies bringst Du mit auf die Welt. Du bestehst zu 50% aus Vater und zu 50% aus Mutter, denen Du folglich im Leben unabdingbar gleichst, was nicht heißt, dass Du alles genauso machen musst wie Deine Eltern, aber Du bist wie sie.

Gesundheit und existenzielle Möglichkeiten

Eine andere wichtige Frage ist, ob Du gesund bist oder ob Deine Eltern Dir genetische Krankheiten übertragen haben, bzw. ob solche als Komplikation der Zeugung entstehen. Die Zeugung legt also den Rahmen Deines Potenzials und Deine existenziellen Möglichkeiten fest und Du wirst ein Leben lang die Aufgabe haben, Dein persönliches Potenzial zu erkennen, Deine Möglichkeiten so gut Du kannst auszuschöpfen und, was für viele das Schwierigste ist, Deine Grenzen zu betrauern und mit ihnen Frieden zu schließen. Du siehst, es lohnt sich als erwachsener Mensch, die Umstände Deiner Zeugung sorgfältig zu reflektieren und sollten Deine Eltern noch leben, vorausgesetzt sie sind diesbezüglich offen, solltest Du sie eingehend danach befragen.


 

Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Krahé ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, sowie Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Gemeinsam mit seiner Frau führt er eine psychiatrische psychotherapeutische Praxis. Zusammen mit Dipl.-ing. Heinz-Jürgen Weigt erarbeitete er die Organisationspsychotherapie und sie betreiben Bridge into life PartG, ein interdisziplinäres Beratungsunternehmen. Heinz-Jürgen Weigt war nach seinem Studium der Ingenieurswissenschaften in verschiedenen Aufgaben im Management tätig. Als Führungskraft war es ihm schon früh ein Anliegen, ökonomische und humanitäre Interessen ins Gleichgewicht zu bringen.

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