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Lebensschwellen: Liebe

von Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt

In dieser Woche soll das Thema Liebe im Fokus stehen. Wenig entwickelt sich in unserem Leben stärker entlang von Schwellen, wie unserer Fähigkeit zu lieben. Das liegt daran, dass Liebe im Lauf des Lebens ihre Richtung ändert.

Liebe als Überlebensfaktor

Wenn wir anfangen zu leben, sind wir total angewiesen auf die Liebe unserer Eltern, auch auf die Liebe unserer späteren Lehrer, unserer Mentoren, unserer Freunde. Kurz: wir sind vor allen Dingen in der Weise Liebende als wir Nehmende sind. Wir leben von der Beachtung der anderen, von deren Feedback. Unser narzisstisches Gleichgewicht wird gesteuert von der Anerkennung und der Wertschätzung unserer Welt.

Bestätigung und Anerkennung

Viele von uns erwachen in ihrem Liebesleben als Sammler von Bestätigung: Schon wieder hat jemand zu mir gesagt, wie attraktiv ich bin, wie sexy, wie intelligent, wie klug, was auch immer – alles das ernährt uns. Partnerschaften in diesen Lebensabschnitten bestehen ganz häufig darin, dass ich einen Partner wähle, der mein eigenes Selbst erhöht, beispielsweise das hübsche junge Mädchen nimmt sich den mächtigen Mann an seine Seite, oder den Supersportler, oder der junge Mann ist stolz auf seine bildschöne Freundin, oder auf die Tatsache, dass er überhaupt anerkannt wird von den Frauen. Beides sind Formen des Nehmens.

Eine Frage der emotionalen Reife

Es geht darum, so viel zu nehmen, wie irgend möglich ist, um damit zu reifen und damit erwachsen zu werden. Gleichzeitig ist es so, dass diese Form des Liebens irgendwann an ihre Grenze kommt und ganz viele Menschen, die auf der Suche nach Liebesbeziehungen sind, haben diesen Umstand nicht im Bewusstsein. Sie sehnen sich nach jemandem, der sie ernährt, der sie fördert, der sie bestätigt und fragen sich gar nicht, warum der andere das eigentlich tun sollte. Warum sollte ein gesunder Mensch jemanden zum Partner wählen, der einfach nur bedürftig ist? Meist erwählen sich Partner, deren Reife ein vergleichbares Niveau hat. Entsprechend begegnen sich in Beziehungen zwei Menschen, die beide ganz viel emotionalen Hunger haben. Beide wollen nehmen und gerade weil beide nehmen wollen, enden beide hungrig, streiten sich und meistens zerbrechen diese Beziehungen.

Von Nehmen zum Geben

Dann ist es wichtig irgendwann zu begreifen, dass die Liebe, die nimmt, sich wandelt in die Liebe, die gibt. Es ist irgendwann nicht mehr so wichtig, ob der andere dich bestätigt, sondern Du spürst in deinem eigenen Herzen, dass da eine Kraft ist, die in dir den Impuls auslöst, zu geben. Ich möchte dem anderen wirklich was geben. Ich möchte Glück, Freude, Ekstase, Anregung, Sicherheit, Geborgenheit und was auch immer in das Leben meines Partners bringen. Und wenn ich das kann, besteht der Lohn darin, dass ich mich selbst erfahre als jemanden, der liebende Energie in seinem Herzen hat und die Gnade erfährt, diese geben zu können.

Die idealen Eltern

Und wenn schließlich zwei Menschen zusammen sind, die geben können - in gewisser Weise kann natürlich auch jeder Mensch geben und will das auch - dann sind diese beiden Leute ideale Eltern, weil sie nämlich wirklich selbstlos in der Lage sind, ihrem Kind geben zu können. Sie müssen ihr Kind nicht mehr dazu missbrauchen, ihre eigene Bedürftigkeit zu bedienen. Das Kind ist nicht länger dazu da, zum Beispiel zu verwirklichen, was die Eltern nicht erreicht haben.  Es geht darum, dass ich ihnen die Substanz für Leben gebe, um ein selbstständiger, selbstbestimmter und glücklicher Mensch zu werden. Und wenn wir das als Paar mit unseren Kindern schaffen, dann erleben wir Erfüllung und zwar nicht, weil wir empfangen haben, sondern weil wir als reiche, kraftvolle Menschen der Welt und unserer Familie was geben können.

Hinterfrage Dich selbst!

Dieser Wandel von nehmender zu gebender Liebe ist eine der ganz großen Lebensschwellen. Vielleicht nimmst Du Dir ein wenig Zeit diese Woche, um darüber nachzudenken, wie das bei Dir ist. Natürlich denken fast alle Menschen, ironischerweise gerade bedürftige, dass sie zutiefst altruistisch sind. Ich habe immer alles bis zur Selbstaufgabe für meine Kinder getan, sagen solche Mütter oft, mit Tränen in den Augen… und genau damit und einer Depression hast Du mich völlig vereinnahmt. Versuch bitte ehrlich zu Dir selbst zu sein. Mach Dir keine moralischen Skrupel. Wenn Du noch eine Raupe bist, dann ist Dein Lebenszweck so viel zu fressen, wie Du kannst. Nur dann wirst Du Dich zeitgerecht verpuppen um als wundervoller Schmetterling geboren zu werden. Es braucht etwas Mut. Dennoch ist es wertvoll deine nächsten Menschen zu befragen, wie sie Dich in Bezug auf Deine Bedürftigkeit und Deine Fähigkeit zu Genen empfinden.


Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Krahé ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, sowie Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Gemeinsam mit seiner Frau führt er eine psychiatrische psychotherapeutische Praxis. Zusammen mit Dipl.-ing. Heinz-Jürgen Weigt erarbeitete er die Organisationspsychotherapie und sie betreiben Bridge into life PartG, ein interdisziplinäres Beratungsunternehmen. Heinz-Jürgen Weigt war nach seinem Studium der Ingenieurswissenschaften in verschiedenen Aufgaben im Management tätig. Als Führungskraft war es ihm schon früh ein Anliegen, ökonomische und humanitäre Interessen ins Gleichgewicht zu bringen.

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