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Interview mit Wiebke-Lena Laufer

Wege zum Ich

Erst vor kurzem ist bei uns "Wege zum Ich" von Wiebke-Lena Laufer erschienen. Dies haben wir zum Anlass genommen, der Autorin ein paar Fragen zum Thema Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentwicklung zu stellen.

Frau Laufer, wann ist der Gedanke in Ihnen gereift, „Wege zum Ich“ zu schreiben und was war Ihre Motivation?

Die Themen Persönlichkeitsentwicklung und Führung begleiten mich schon mein Leben lang. Es geht mir darum, immer deutlicher zu erkennen, welche Potenziale in uns liegen und Wege zu finden, wie wir uns selbst so führen können, dass unser äußeres Leben mit unserem wirklichen inneren Sein bestmöglich übereinstimmt.
Den ersten Impuls für das Buch hatte ich vor einigen Jahren während einer Zeit der Einkehr. Meine Dissertation war fast abgeschlossen und ich befand mich an einer Schnittstelle. Ich wusste, dass ich meine bisherige Wirkungsstätte bald verlassen würde. Das Neue stand aber noch nicht ganz klar vor mir. Ich wollte mich für das öffnen, was das Leben mir zu zeigen hatte. Es zeigte mir, dass es Zeit dafür war, wieder zu malen. Ich probierte mich in einer neuen Art und Weise aus, innere Bilder auf Papier zu bringen und war selbst gespannt, was daraus entstehen würde. Heute kann ich sagen, dass ich mich damit auch noch einmal neu auf meine eigenen „Wege zum Ich“ begab. Es entstand eine Reihe von 12 Bildern. Im nächsten Schritt kam pro Bild ein Inspirationstext dazu, sodass das kleine Büchlein fertig war, so dachte ich zumindest.
Zwischenzeitlich hatte ich mich selbstständig gemacht. Ich wollte Menschen darin begleiten, ihre einzigartigen Potenziale in ihrem Leben und ihrem Business bestmöglich zu entfalten. Immer wieder zeigte sich, dass Entwicklungsprozesse nicht allein im Verstand vonstattengehen. Also setzte ich ab und an die Bilder zur Unterstützung ein, damit die Prozesse tiefer gehen konnten. Die Resonanz war überwältigend. Wenn Sie also nach meiner Motivation fragen, dann waren es die Menschen, die mir ihr Vertrauen schenkten und mir vor Augen führten, dass so viel mehr in den Bildern und Texten steckte, als ich das bisher angenommen hatte. Daraus entstand mein Wunsch, mit einem Buch die Grundlage dafür zu schaffen, dass noch viel mehr Menschen die Chance erhalten, sich selbst auf diese Weise zu begegnen.

Wir alle äußern oft den Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Aber was genau bedeutet das eigentlich?

Oft wird „Selbstbestimmtheit“ mit „Unabhängigkeit“ gleichgesetzt. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Unabhängigkeit eine Illusion ist. Wir alle sind immer auch ein Teil eines größeren Ganzen und stehen damit in Verbindung. Für mich bedeutet Selbstbestimmtheit daher, innerlich gefestigt und äußerlich flexibel zu sein.
Innerlich gefestigt ist ein Mensch, der Klarheit über sich selbst gewonnen hat. Menschen, die es aufrichtig und konsequent gewagt haben, sich die Frage zu stellen, wer sie wirklich sind und wofür sie stehen, gelangen zu Erkenntnis über sich selbst. In der Konsequenz führt diese Selbsterkenntnis früher oder später dazu, sich weniger fremdbestimmen zu lassen. Oft ist das zunächst damit verbunden, die eigenen Prinzipien und Grundsätze zu „verteidigen“. Das gehört für viele von uns dazu, um in unsere ganz persönliche Form eines selbstbestimmten Lebens hineinzuwachsen. Letztendlich ist es also noch ein Zeichen von fehlender Souveränität und ausdrücklich gar nicht falsch, sondern eine Art Durchgangsstadium, das wir früher oder später hinter uns lassen.
Wer sich eine Weile darin ausprobiert hat, die eigenen Klarheiten außen zu vertreten, wird in manchen Dingen gelassener und lernt, dass innere Festigkeit nichts damit zu tun hat, sich gegen den Lauf der Dinge zu stellen oder gegen andere Menschen zu stellen und sich zu verteidigen. Ganz im Gegenteil geht es mehr und mehr darum, mit dem Leben in Einklang zu kommen. Dann tritt eine höhere Form von Selbstbestimmtheit zutage: Die Fähigkeit, ganz bei sich selbst zu sein, gepaart mit der Bereitschaft, die eigene Verbundenheit mit dem Leben anzuerkennen und auszuleben. Eine so verstandene Selbstbestimmtheit mündet in einen wunderschönen, aufregenden und manchmal auch herausfordernden Tanz mit dem Leben.

Was ist Ihrer Meinung nach der erste wichtige Schritt in die richtige Richtung, um mich selbst zu finden?

Ich glaube nicht, dass es in unserem Leben um Selbstfindung geht. Wir haben uns ja nicht verloren. Wir können uns gar nicht verlieren, weil wir untrennbar mit uns selbst verbunden sind. Meiner Ansicht nach geht es vielmehr darum, zu erkennen, dass das, was wir meinen verloren zu haben und damit wiederfinden zu wollen, immer da war, jetzt da ist und auch immer da sein wird. Und einer der ersten wichtigen Schritte, um sich genau daran zu erinnern, besteht darin, sich selbst zu beobachten. Wenn ich zum Beobachter werde, dann komme ich meinem wahren Sein auf die Spur. Und um uns zu beobachten, brauchen wir nicht einmal Extrazeit einzuplanen. Wir müssen auch keine Bücher dafür lesen oder Seminare besuchen, sondern wir können jetzt und hier direkt damit anfangen, während wir unserem Tagwerk nachgehen.
Das gelingt, indem wir beginnen, alles, was wir tun, so bewusst wie möglich zu tun: Mit voller Konzentration am Morgen unsere Zähne zu putzen und zu beobachten, wie wir das eigentlich tun, ist ein guter Anfang. Dann können wir uns bewusst vor Augen führen, wie der Tag weitergeht. Gibt es vielleicht ein morgendliches Lieblingsgetränk? Sind Zeitung, Radio und online-Aktivitäten Teil des morgendlichen Programms oder vielleicht im Gegenteil gerade eine Zeit der Stille? Gibt es Frühstück? Und wenn ja, woraus besteht es? Anschließend, auf dem Weg zur Arbeit, können wir darauf achten, welche Strecke wir fahren. Wir können uns weiter befragen: Was sehe ich links und rechts? Welche Gedanken habe ich, wenn ich an meinen bevorstehenden Arbeitstag denke? Habe ich Lust auf diesen Tag? usw.
Der erste Schritt besteht also darin, sich zu beobachten. Erst im zweiten Schritt können wir für uns überprüfen, was von dem Beobachteten in unserem Leben stimmig ist und zu uns passt und was wir verändern möchten, weil es uns nicht mehr repräsentiert.

Herausforderungen stellen für viele eine große Last dar. Wie können wir Herausforderungen als Chancen wahrnehmen und für ein kraftvolleres Ich nutzen?

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sie erhalten ein Geschenk, das nicht sehr schön verpackt ist. Ihnen gefällt die Farbe des Papieres nicht, auch die Schleife sagt Ihnen nicht zu und es wirkt auf Sie eher so, als hätte sich der Schenkende wenig Mühe gegeben, es für Sie herzurichten. Statt das Geschenk auszupacken, stellen Sie es erst einmal beiseite. Immer dann, wenn Sie daran vorbeikommen, ärgern Sie sich nun darüber, dass es jemand gewagt hat, Ihnen ein so unschönes Geschenk zu machen. Eines Tages ergreift Sie aber doch die Neugier und Sie entfernen Papier und Schleife. Sie finden ein edles Kästchen mit feinen Verzierungen vor. Schon jetzt ist Ihnen nicht mehr klar, wie Sie so schlecht über dieses Geschenk denken und sich noch dazu so lange darüber ärgern konnten. Dann öffnen Sie das Kästchen und Ihnen funkelt ein strahlender Brilliant von atemberaubender Schönheit entgegen.
Ähnlich ist es mit Herausforderungen. Wenn wir so etwas wie Herausforderungen erleben, dann haben wir über eine Verpackung geurteilt. Das ist gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil zeigt es uns, dass wir das eigentliche Geschenk noch gar nicht ausgepackt, geschweige denn Freude mit ihm erlebt haben. Der erste Schritt ist also, es überhaupt für möglich zu halten, dass eine Herausforderung eine Chance sein könnte. Der zweite Schritt ist, Möglichkeiten zu finden, wie sich diese Herausforderung für eigene Zwecke nutzen lassen könnte. Der dritte Schritt besteht schließlich darin, für das Geschenk des Lebens zu danken und das Allerbeste daraus zu machen. Diese drei Schritte laufen häufig parallel ab und ergänzen sich. Wer sie wieder und wieder durchführt, wird immer weniger Hausforderungen in seinem Leben erleben, weil ihn eine wenig schmeichelhafte Verpackung nicht länger abschrecken kann. Er packt das Geschenk einfach aus und erfreut sich am Inhalt.

„Wege zum Ich“ enthält viele Übungen, die unsere Reise nach Innen begünstigen. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, um eine grundlegende und effektive Veränderung im Leben herbeizuführen?

Die Theorie hilft uns dabei, unseren Geist zu weiten. Sie ermöglicht es uns, Ausschnitte unserer Wahrnehmung besser zu verstehen und gezielt Veränderungen in Gang zu bringen. Theorien sind also Hilfsmittel, mit denen wir uns selbst in die Lage versetzen, unsere bestehende Wirklichkeit greifbarer zu machen und auch neue Wirklichkeiten zu erschaffen. Wichtige Voraussetzung ist aber, dass Verstehen und Erschaffen nicht nur theoretisch bleiben. Wenn wir nicht über die Theorie hinausgehen, dann wirkt sich unser neugewonnenes Wissen auch nicht in den äußeren Lebensumständen aus.
Nehmen wir diesen Tisch als Beispiel. Am Anfang stand ein Gedanke darüber, wie dieser Tisch aussehen könnte, welche optischen und physikalischen Eigenschaften er mitbringen sollte etc. Um jetzt aber tatsächlich daran sitzen zu können, hat jemand Hand angelegt und ist aktiv geworden. Er hat in die Praxis umgesetzt, was zunächst theoretisch in seinem Geist begonnen hatte. Weil er vorher darüber nachgedacht, ggf. Skizzen angefertigt und sein Vorgehen geplant hat, steht jetzt hier wirklich dieser Tisch und nicht etwa ein Schrank. Beides gehört also zusammen: Theorie ohne Praxis bleibt ein Spiel der Gedanken, Praxis ohne Theorie führt zu planlosem Handeln. Für mich hat also beides seine Berechtigung und zwar jeweils zu seiner Zeit. Beides ist entscheidend, um über unsere eigene Selbstwirksamkeit nicht nur zu spekulieren, sondern sie wirklich in unserem Leben zu erfahren.

Erfolg hängt sowohl von inneren als auch von äußeren Faktoren ab, die wir nicht oder nur schwer beeinflussen können. Inwieweit ist Klarheit über sich selbst aber eine unerlässliche Grundlage für Erfolg, unabhängig von äußeren Faktoren?

Was ist eigentlich Erfolg? Oder besser noch: Was bedeutet Erfolg für mich? Das ist die Frage, die am Anfang steht. Was unter Erfolg zu verstehen ist, hängt davon ab, was der jeweilige Mensch erfahren möchte. Wer sich als liebevollen Elternteil oder Partner erfahren möchte, hat ein anderes Erfolgsverständnis als jemand, der sich in Fragen des Klimaschutzes oder der Flüchtlingspolitik engagiert oder auch als jemand, dem es wichtig ist, materiellen Reichtum zu erlangen.
Wenn ich also weiß, was für mich persönlich Erfolg bedeutet, dann sind alle äußeren Faktoren Hilfsmittel, um erfolgreich zu sein, nicht mehr und nicht weniger. Sie sind nicht gut oder schlecht, förderlich oder hinderlich, sondern sie sind der Stoff, aus dem der Erfolg gemacht ist. Erfolg ist dann weniger ein Ziel in weiter Ferne, das möglicherweise irgendwann einmal eintritt oder ausbleibt, sondern es ist ein Lebensprinzip, das in jedem einzelnen Moment greift. Ich kann jetzt, in genau diesem Moment, darin erfolgreich sein, mir bewusst darüber zu sein, wer ich bin und für was ich stehe, und ich kann die Bereitschaft haben, mir alle Dinge zum Besten dienen zu lassen. Auf diese Weise ist die Klarheit über mich selbst die Grundlage, um mir in diesem Moment auch bewusst darüber sein zu können, was genau jetzt dran ist, zu tun, und diese Klarheit über mich selbst dann auch wirkungsvoll und damit erfolgreich auszuleben.

Wann endet der Weg zu uns selbst? Ist die Reise ins Innere jemals gänzlich abgeschlossen oder müssen wir uns immer wieder neu finden?

Meine Auffassung zum Thema „Selbstfindung“ habe ich ja bereits geteilt. Wenn wir uns nicht verlieren können, dann können wir uns auch nicht wiederfinden. Aber wir können uns daran erinnern, wer wir wirklich sind und uns darauf besinnen, wofür wir stehen. Dazu dürfen wir solange nach innen gehen, bis wir alles ausgeschöpft haben, was wir ausschöpfen möchten, um uns so zu erfahren, wie wir uns erfahren möchten. Wie lange das dauert, ist ebenfalls von Mensch zu Mensch verschieden. Ab irgendeinem Punkt wandeln sich allerdings die Erfahrungen, die das Ich machen möchte. Es steht dann weniger der Erfahrungsraum des eigenen Selbst im Vordergrund, als vielmehr die Wahl, das eigene Ich als Teil des einen großen Ganzen zu erfahren. Damit beginnt eine neue Reise … vielleicht in die Unendlichkeit ...


 

Hier geht es zu "Wege zum Ich".

Innenansichten


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