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Interview mit Gerrit C. Paulson

Notizen eines Gewinners

Im Oktober erschien bei uns "Notizen eines Gewinners" von Gerrit C. Paulson - ein Roman, der das trügerische Glück entlarvt und wahre Werte Wirklichkeit werden lässt. Dies haben wir zum Anlass genommen, dem Autor ein paar Fragen zu seinem Debütroman zu stellen. 

Gerrit, erzähl uns doch mal etwas über Dich!

Sehr gerne. Die Geschichte, die ich mit Euch teilen möchte ist untrennbar mit der Entstehung meines Debütromans „Notizen eines Gewinners“ verknüpft. Denn was die wenigsten Leser wissen, hinter meinem Werdegang und der Entstehung des Buches steckt sehr viel mehr als die offizielle Autorenbeschreibung, wie sie auf dem Buchrücken zu finden ist.
Meine Kindheit und Jugend habe ich im kleinen Städtchen Lünen an der Lippe verbracht, knapp 20 Kilometer von Dortmund entfernt. Kurz nachdem ich auf die weiterführende Schule wechselte, wurde bei mir eine Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) festgestellt, die allein den Gedanken an das Schreiben zu einer Qual machte. Zur Überwindung dieses Defizits wurde ich gebeten, bestimmte Regeln zu erlernen und so viel wie möglich zu schreiben. Damals ein vollkommen absurder Gedanke, dass einige der damals entstandenen Texte jemals zu einem Roman führen könnten. Fünf Jahre später hatte ich die Legasthenie im Griff und die Entscheidung getroffen, den Roman zu Ende zu schreiben. Nach vielen inspirierenden Gesprächen und Diskussionen mit spannenden und beeindruckenden Menschen, steht nun mein erster Roman in den Buchhandlungen. Ein unglaubliches Gefühl!
Für mich persönlich ist es daher weit mehr als nur ein Buchprojekt. Für mich ist es eine Reise, das Überwinden von Hindernissen und die persönliche Selbstfindung, die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin.

Dein Buch ist im Oktober 2018 zuerst in unserem ehemaligen Selfpublishing-Portal tao.de erschienen. Das ist nun ein gutes Jahr her. Was hat sich seitdem für Dich verändert?

 Tatsächlich eine ganze Menge! Die Resonanz war bereits in den ersten Monaten so überwältigend, dass wir das Team Paulson ins Leben gerufen haben, das mich im Rahmen des Buchprojekts in verschiedensten Bereichen unterstützt. Neben unseren Social-Media-Kanälen und der Internetseite wird auch die Eventorganisation von guten Freunden betreut, die mir ihre Hilfe angeboten haben. Ich bin wirklich sehr dankbar, solch eine enorme Unterstützung erfahren zu dürfen. Es freut mich ungemein, dass auch die Menschen in meiner Umgebung genauso stark an das Buchprojekt glaube wie ich.
Was mich darüber hinaus sehr berührt hat, war das Feedback der Leser. Auf den verschiedenen Portalen haben wir bereits über 100 Rezensionen und unzählige Nachrichten von Lesern erhalten, die das Buch im Durchschnitt fast mit Bestnote bewertet haben. In dem Moment in dem ich diesen Satz schreibe, kriege ich schon wieder Gänsehaut. Jeder Schriftsteller möchte mit seinen Texten andere Menschen erreichen, sie zum Nachdenken anregen und berühren. Dass „Notizen eines Gewinners“ dies anscheint schon bei einigen Menschen geschafft hat, ist die größte Wertschätzung, die ich mir als junger Autor nur vorstellen kann.
Nachdem der Roman im Selfpublishing also bereits die ersten Schritte gemacht hat, wurde Kamphausen.Media recht schnell auf das Buch aufmerksam. Nun genießen wir die Unterstützung eines so engagierten und tatkräftigen Verlags, der uns jedes Mal aufs Neue zeigt: Die Geschichte von „Notizen eines Gewinners“ ist noch lange nicht vorbei, sondern geht gerade erst los!

Wann ist der Gedanke in Dir gereift, ein Buch über das trügerische Glück zu schreiben?

Als Wirtschaftswissenschaftler bin ich durchgehend von Themen wie Geld, Gewinnmaximierung und Effizienz umgeben. Wenn ich Studenten Frage, was sie sich für ihre Zukunft wünschen, vereint viele die gleiche Antwort: „Nicht auf den Cent schauen müssen“, „Finanzielle Unabhängigkeit“ oder „Viel Geld verdienen“. Noch interessanter ist es jedoch zu sehen, dass die dahinterliegende Intention eigentlich eine ganz andere ist, nämlich „ein glückliches Leben zu führen“. Aber woher kommt diese intuitive Verknüpfung zwischen Geld und Glück in unseren Köpfen? Schon die beiden Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton haben in einer Studie im Jahr 2010 gezeigt, dass hohes Einkommen keineswegs zu mehr emotionalem Wohlbefinden führt. Mich persönlich hat das Thema schon immer fasziniert, da ich mir bereits öfter die Frage gestellt habe, was denn nun wahren Wert im Leben hat. Oft nehmen wir etwas auf den ersten Blick als Glück wahr und hinterfragen gar nicht was dieses vermeintliche Glück langfristig mit uns macht, wie es uns verändert und ob wir diese Veränderung auch wirklich in Kauf nehmen wollen.

Inwieweit hast Du Dich selbst schon einmal (unabhängig vom Roman) mit den Schattenseiten des vermeintlichen Glücks auseinandersetzen müssen?

Ich hatte in meinem Leben bis jetzt sehr viel echtes und nur wenig vermeintliches Glück, wofür ich zutiefst dankbar bin. An dieser Stelle auch noch einmal einen ganz herzlichen Dank an meine Familie und Freunde. Ihr seid wirklich wundervoll! Allerdings gab es selbstverständlich auch Situationen in denen mir die Schattenseiten von vermeintlichem Glück deutlich geworden sind. Ich erinnere mich da an eine Situation, in der ich gerade angefangen hatte zu studieren und auf der Suche nach einem Nebenjob war. Wie der Zufall es so wollte, wurde ich gleich mit der ersten Bewerbung bei einem sehr bekannten und renommierten Unternehmen eingestellt. Der Stundenlohn war passabel und ein guter Eintrag im Lebenslauf war mir sicher. Meine anfängliche Euphorie hat jedoch nicht lange gehalten. Sieben Stunden vor einem donnernden Kopierer stehen und Bücher kopieren, die im Anschluss keiner las. Unterlagen ordnen, die zwei Wochen später vernichtet wurden. Excel Tabellen erstellen, die bis heute ganz sicher keiner mehr nach mir wieder geöffnet hat. Ich beschloss zu kündigen und nie wieder Zeit gegen Geld zu tauschen. Um die Geschichte doch noch gut enden zu lassen - nach dieser prägenden Erfahrung habe ich beschlossen nebenberuflich genau das zu machen, was ich zu der Zeit am meisten geliebt habe: Gitarre spielen! Von da an war ich auf sämtlichen Hochzeiten und Geburtstagen in der Umgebung für die Live-Musik zuständig. Von Balladen über Popmusik bis hin zu Schlagerklassikern für den Siebzigsten von Opa Heinz. Tatsächlich habe ich dabei sogar erheblich mehr verdient als im Unternehmen und hatte eine der schönsten Zeiten meines Lebens, an die ich mich noch heute gerne zurückerinnere.

Was macht Deiner Meinung nach einen echten Gewinner aus?

Ein echter Gewinner ist für mich jemand, der scheitert und trotzdem weitermacht, vollkommen unabhängig davon zu wissen, ob er jemals gewinnen wird. Jemand, der Mut beweist auch Schwäche zu zeigen und immer in Bewegung bleibt. Jemand, der Rückschläge annimmt als wären sie gut gemeinte Lektionen des Lebens.
Ich habe ein Lieblingszitat von Samuel Beckett, das ich treffender finde als jede Beschreibung:
„All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“

Welche Erfahrungen beim Schreiben waren für Dich damals besonders prägend?

Die Erfahrung, dass Gedanken unendlich sind. Wenn man lernt die Phantasie zu kontrollieren führt sie einen wohin man möchte. Sie kann Dich zu einer Person machen, die Du gerne sein möchtest oder Dir die Fähigkeit verleihen, Dich in andere Charaktere hineinzuversetzen. Ich habe die glückliche Erfahrung gemacht, dass man sich beim Schreiben - noch intensiver als beim Lesen - in eine Geschichte hineinfühlen und Sie im Kopf ablaufen lassen kann. Dabei vergisst man manchmal alles um sich herum: Raum. Zeit. Identität.
Schreiben kann eine Art Therapie sein, genauso wie Sport, Gespräche oder Meditation. Und ich glaube das war es für mich auch. Wer das Gefühl hat, dass sich etwas angestaut hat, der sollte den Laptop aufklappen und losschreiben.

Du bist als Autor sehr viel unterwegs und somit nah an Deinen LeserInnen dran. Wie erlebst Du Dein Publikum und wie fühlt es sich für Dich an, im engeren Austausch mit Deiner Leserschaft zu sein?

Das stimmt, ich freue mich immer sehr auf den Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Am Spannendsten ist für mich, dass ich in den einzelnen Gesprächen immer enorm viel lernen kann. Ich habe bis jetzt noch keinen Menschen getroffen, der nicht eine starke Meinung zu der Frage: „Was hat für dich wahren Wert im Leben?“ hatte. Wenn die Leser die unterschiedlichsten Aspekte aufzählen: Familie, Freundschaft, Liebe, Gesundheit, Anerkennung oder Wohlstand, probiere ich mich in ihre Situation hineinzuversetzen und kann in den meisten Fällen schon nach kurzer Zeit recht gut nachvollziehen, wie sie zu genau diesem oder jenen Punkt gekommen sind. Das ist für mich spannender als jede Netflix Serie. Ich frage mich dann, wie man stundenlang über Börsenkurse oder irgendwelche Prominente diskutieren kann, wenn man in der gleichen Zeit auch die Chance hat mit Menschen so intensiv und persönlich in Kontakt zu treten. Ich bin mir sicher, dass der Roman eine Brücke zwischen mir und den Lesern und auch zwischen den Lesern untereinander schlägt, die genau diesen intensiven Austausch ermöglicht. Darin liegt für mich der wahre Wert von „Notizen eines Gewinners“.

„Notizen eines Gewinners“ ist seit kurzem auch als Hörbuch erhältlich. Wie ist es für Dich, Deinen eigenen Roman zu hören?

Es ist der absolute Wahnsinn. Die Art und Weise wie das Buch eingelesen und abgemischt wurde ist so detailverliebt, dass ich beim Hören einfach nur Freude verspüre! Zudem haben wir niemals damit gerechnet, dass wir so schnell ein Hörbuch aufnehmen würden. Die dazugehörige Geschichte ist wirklich besonders und erinnert mich daran, dass einem das Schicksal deutliche Signale sendet, wenn man auf dem richtigen Weg ist. Eine Woche nachdem ein guter Freund, der als Barkeeper arbeitet, anfing mich bei dem Buchprojekt zu unterstützen, saß ein gewisser Julius Braach mitten in der Nacht an seinem Tresen. Er saß dort zum ersten Mal, da er ursprünglich aus München kommt und nur zufällig in Dortmund gelandet ist. Nach einem kurzen Gespräch kam heraus, dass Julius als Synchronsprecher arbeitet, bereits in mehreren Kino- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat und nun gerne im Hörbuchmarkt Fuß fassen möchte. Ein professioneller Sprecher verirrt sich mitten in der Nacht genau in diese unscheinbare Bar und gerät an genau diesen einen Barkeeper, der sich Gedanken über das Hörbuch von „Notizen eines Gewinners“ macht? Ich fragte mich, kann man ein stärkeres Signal als dieses bekommen? Als mir mein Freund von dieser Begegnung erzählte, war mir direkt klar, dass dieses Hörbuch genau jetzt und genau mit dieser Person entstehen muss. Schon eine Woche später einigten wir uns mit Julius und gingen das Projekt gemeinsam an. Die Energie die man in jeder Sekunde der Sprachaufnahmen hören kann, hat uns mehr als deutlich gezeigt, dass dies genau die richtige Entscheidung war. Auch heute noch stehen wir in freundschaftlichem Kontakt mit Julius. Als die Aufnahmen letztendlich im Kasten waren, hatten wir darüber hinaus noch die Ehre mit Michael „Freio“ Haas vom Big Easy Studio zusammenarbeiten zu dürfen. Seine Liebe zum Detail hat aus dem Hörbuch im finalen Schnitt noch einmal etwas ganz Besonderes gemacht!  

Und nun noch eine ganz spannende Frage für uns und Deine LeserInnen: Dürfen wir auf ein weiteres Buch von Dir hoffen?

Ich bin tatsächlich selbst gespannt, ob sich weitere Bücher ergeben werden. Ein leichtes Kribbeln verspüre ich hin und wieder schon in den Fingern. Im Haus meiner Eltern gibt es ein kleines Zimmer unter dem Dach von vielleicht sechs Quadratmetern Größe, mit einem einzigen kaputten Dachfenster. In den intensiven Schreibphasen habe ich diesen Raum lediglich zum Essen verlassen, ansonsten fühlte ich mich dort so abgeschottet, dass ich meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte, während die Wolken über mir am Dachfenster vorbeizogen und ich die Segelflieger am Himmel hören konnte. Falls es soweit sein sollte, findet man mich in genau diesem kleinen Dachzimmer mit den vorbeiziehenden Wolken und Segelfliegern über mir.


Hier erfährst du mehr: https://www.gerritpaulson.de/

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