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Der Krieg in mir

Können Kriegstraumata biologisch vererbt werden?

Vor 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Um die 50 Millionen Tote hat er gefordert – eine Zahl, die eindeutig unsere Vorstellungskraft übersteigt. Mindestens genauso viele sind traumatisiert zurückgeblieben. Liegt das einzig und allein am kulturellen Gedächtnis oder können die Folgen negativer Erfahrungen auch biologisch weitervererbt werden?

Der Krieg im Innern

Der 2. Weltkrieg ist schon seit vielen Jahren vorbei – oder etwa nicht? Fragt man die Kinder und Enkelkinder der Kriegsgeneration, muss auf diese Frage nicht zwangsläufig ein „Ja“ folgen. Oftmals werden die Nachkommen von Träumen heimgesucht, in denen sie ein aktiver Teil des Krieges sind. Autor und Regisseur Sebastian Heinzel schreibt in seinem Buch „Der Krieg in mir“: „Meine ersten Kriegsträume habe ich mit Mitte zwanzig. Ich träume davon, dass ich in Russland bin. Manchmal bin ich auf der Flucht. Verzweifelt versuche ich einen Zug Richtung Heimat zu erwischen. Endlose Bahnsteige. Ich verpasse den letzten Zug. Oft bin ich in Gefahr, getötet zu werden. Oder ich lade selbst Schuld auf mich und fühle mich verantwortlich für den Tod anderer Menschen.“ Der Krieg hat in den nachfolgenden Generationen also noch kein Ende gefunden. Er tobt im Innern – ein unverarbeitetes Trauma, das kulturell weitergegeben oder biologisch weitervererbt wurde.

Untersuchung am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München

Dass traumatische Erlebnisse und ihre psychischen Folgen über mehrere Generationen hinweg weitergegeben werden können, ist keine neue Erkenntnis. Lange Zeit vermutete man jedoch, das sei nur kulturell bedingt. Die psychischen Veränderungen übertragen sich in dem Fall durch eine bestimmte Art der Erziehung auf die Kinder, die diese wiederum an ihre Kinder weitergeben. Heute weiß man jedoch, dass es auch eine biologische Komponente gibt, nämlich die epigenetische Trauma-Vererbung. Seit Jahren untersucht das Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München die epigenetische Vererbung und kam dabei bisher zu erstaunlichen Ergebnissen. Ein internationales Team hat die Gene von 32 jüdischen Personen untersucht, die während des zweiten Weltkriegs entweder in einem Konzentrationslager waren, gefoltert wurden oder versteckt leben mussten. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus die Gene der Nachkommen analysiert, die bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko für Stresserkrankungen haben. Diese Daten wurden dann mit jüdischen Familien verglichen, die während der Verfolgung außerhalb von Europa gelebt hatten.

Das Gen FKBP5

Im Zentrum der Untersuchungen standen epigenetische Veränderungen im Gen FKBP5. Dieses Gen bestimmt, wie gut der Körper auf Stresshormone reagieren kann und steuert so das gesamte System unserer Stresshormone. Das FKBP5-Gen ist bei vielen Krankheiten verändert, beispielsweise bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) oder einer Depression. Das Team um Rachel Yehuda und Elisabeth Binder konnte zeigen, dass es anscheinend auch generationsübergreifende Effekte gibt. Die Forschungsergebnisse weisen zumindest darauf hin, dass epigenetische Vererbung, also die gesammelten Erfahrungen während des Lebens der Eltern, einen Einfluss auf die Gene und Entwicklung ihrer Nachkommen haben können. Im Falle der oben genannten Untersuchung konnten die epigenetischen Veränderungen bei den Kindern nicht durch eigene Erfahrungen in der Kindheit verursacht worden sein. Die plausibelste Erklärung ist tatsächlich die Prägung durch durch das traumatische Erleben der Eltern während des Holocaust.

Krieg beenden und Frieden finden

Wie können traumatisierte Nachfahren endlich Frieden finden? Erst einmal hilft vielleicht eine Spurensuche, die Licht ins Dunkle bringt. Sebastian Heinzel beispielsweise machte sich auf den Weg nach Weißrussland, um dort die Vergangenheit seines Großvaters aufzuarbeiten und Verbindungen zwischen den Kriegsträumen und den Erlebnissen seines Großvaters herzustellen. Je nachdem, wie intensiv sich das vererbte  Trauma auswirkt, kann es natürlich ratsam sein, eine (begleitende) Therapie in Anspruch zu nehmen. Epigenetische Veränderungen sind nicht irreversibel. Aufarbeitung und Verhaltensmodifikationen können dazu führen, dass die epigenetischen Veränderungen verschwinden. Es ist also möglich, Frieden zu finden.


Hier geht's zu "Der Krieg in mir" von Sebastian Heinzel 

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