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"Bio wirkt!"

Eindrücke von der Biofach 2020

 
von Christian Salvesen
Urheber: NuernbergMesse / Thomas Geiger

Heute bin ich zum ersten Mal auf der Biofach, der weltweit größten Messe für ökologische Konsumgüter. Sie findet alljährlich im Februar von Mittwoch bis Samstag auf dem Messegelände in Nürnberg statt. Das diesjährige Motto lautet „Bio wirkt“! Ich möchte hier Interesse für mein Buch „GENveränderte Nahrungsmittel – Risiken für unsere Gesundheit und Umwelt“ wecken. Die Voraussetzungen für gute Gespräche mit wichtigen Leuten sind günstig, denn ich bin mit einer Fürsprecherin unterwegs, die hier überall als Öko-Pionierin bekannt ist: Margaretha Stocker hat bereits in den 80er Jahren, zusammen mit ihrem Mann Siegfried, angefangen ökologische Bauernbrote zu backen. Das war damals schwer, weil nur sehr wenige Landwirte auf ökologischen Landbau umstellen wollten. Doch der unermüdliche Einsatz führte die Hofpfisterei zum Erfolg. Zurzeit gibt es ca. 165 Filialen zumeist in Bayern und über 1000 Mitarbeiter.

Ein erster Überblick

Wir betreten die Dom-hohe, lichtdurchflutete Halle 7 A und begrüßen auf dem Stand der Hofpfisterei das Team. Die Hofpfisterei wird seit 2016 von Tochter Nicole Stocker geleitet. Meine Bücher stehen unübersehbar in einem Präsentationsständer ganz vorne. Dazu liegen überall Flyer und Karten aus. Frau Stocker hat 100 Bücher zum Verteilen gekauft. Mit 20 Exemplaren gehen wir zum benachbarten Stand der Meyermühle Landshut. Die 500 Jahre alte Mühle wurde 1987 von der Hofpfisterei übernommen und ist heute die bedeutendste ökologische Getreidemühle Deutschlands. Um eine gleichbleibende Backqualität auch bei ökologischen Mehlen sicherstellen zu können baute die Meyermühle 1995 ein neues Mehlsilo mit 29 Mehlkammern, das die natürliche Mischung der Mehle ermöglicht, ohne den Zusatz von künstlichen oder chemischen Mehlverbesserungsmitteln, die bei Öko-Mehlen verboten sind.

Naturland

Ein weiterer enger Partner ist Naturland, der 1982 in Gräfelfing bei München gegründete Verband für ökologischen Landbau e.V. mit 4000 Erzeugern in Deutschland und 66.000 weltweit. In Halle 7 A, wo ich mich an diesem Nachmittag zumeist aufhalte, mit diversen Fachberatern und Erzeugern unterhalte, hier mal etwas frisch gebratenen Tofu, dort edle Olivenöle auf Brothäppchen nasche - in dieser riesigen Halle also fallen mehrere Naturlandstände mit ihrem markanten Logo – drei grüne Blätter zu einem „N“ geformt – ins Auge.

Naturland-Richtlinien

„Zertifizierte Landwirte und weiterverarbeitende Betriebe produzieren nach den Naturland-Richtlinien Öko-Lebensmittel, deren Produktverpackungen mit dem Naturland-Bio-Siegel versehen werden können. Die Naturland-Richtlinien sind strenger als die EU-Bio-Verordnung. So gelten zum Beispiel seit 2005 bei Naturland zusätzliche Sozialrichtlinien, mit denen im Rahmen der Zertifizierung die sozialen Bedingungen bei der Erzeugung und Verarbeitung der Produkte abgeprüft werden. Ziel des Verbandes ist eine weltweit zu 100 Prozent ökologische und faire Landwirtschaft.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturland und www.naturland.de)

Aufbau Biofach

Bio-Lebensmittel von deutschen Unternehmen bzw. Verbänden wie Naturland, Bioland, Demeter usw. finden sich in den Hallen 6-9, international  besetzt sind die Hallen 1-5, wobei die Kosmetikmesse Vivaness in Halle 3 residiert. Insgesamt präsentieren sich 3.792 Aussteller aus 110 Ländern auf einer Fläche von 57.609 qm den Fachbesuchern. (Es sollen über 47.000 Facheinkäufer aus 136 Ländern gewesen sein). Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, eröffnete gemeinsam mit Dr. Jane Goodall die Messe. „Die Branche zeigte sich tief bewegt von der Keynote der Primatenforscherin, Umweltaktivistin und UN-Friedensbotschafterin und honorierte ihren Auftritt mit Standing Ovations.“ (Quelle: https://www.biofach.de)

Einige Merkmale von Bio-Lebensmitteln

Mittlerweile haben auch Supermärkte Bio-Produkte mit ihren jeweiligen Siegeln im Sortiment. Erst kürzlich protestierten die Landwirte wieder gegen die zu niedrigen Preise ihrer Erzeugnisse in den Supermärkten, wobei Produkte mit dem Bio-Siegel in der Regel teurer sind als solche ohne. Es gibt wenigstens zwei grundsätzliche Aspekte zu bedenken. Tatsächlich ist der Aufwand, den Öko-Bauern betreiben ungleich höher als in der herkömmlichen bzw. industriellen Landwirtschaft. Schon deshalb ist der höhere Preis mehr als berechtigt. Und zweitens wird im Preis für Gemüse, Obst, Fisch oder Fleisch aus nicht-biologischer Herstellung gemogelt. Vergleichbar dem „Virtuellen Wasser“, wo für ein Steak tausende Liter aufgewendet werden. Was diese Menge an Wasser kostet, wird im Supermarkt nicht mit-berechnet.

Der Hauptgedanke der ökologischen Landwirtschaft ist ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Die ökologischen Landbaumethoden streben an:

  • einen möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf (Futter- und Nährstoffgrundlage soll der eigene Betrieb sein),
  • die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu mehren,
  • die Tiere besonders artgerecht zu halten.

Folgende Maßnahmen stehen dabei im Vordergrund:

  • keine Anwendung der Gentechnik,
  • kein Pflanzenschutz mit chemisch-synthetischen Mitteln, Anbau wenig anfälliger Sorten in geeigneten Fruchtfolgen, Einsatz von Nützlingen, mechanische Unkraut-Bekämpfungsmaßnahmen wie Hacken,
  • keine Verwendung leicht löslicher mineralischer Düngemittel,
  • Ausbringen von organisch gebundenem Stickstoff vorwiegend in Form von Mist oder Mistkompost, Gründüngung durch Stickstoff sammelnde Pflanzen (Leguminosen) und Einsatz langsam wirkender natürlicher Düngestoffe,
  • Pflege der Bodenfruchtbarkeit durch ausgeprägte Humuswirtschaft,
  • abwechslungsreiche, weite Fruchtfolgen mit vielen Fruchtfolgegliedern und Zwischenfrüchten,
  • keine Verwendung von chemisch-synthetischen Wachstumsregulatoren oder von Hormonen,
  • begrenzter, streng an die Fläche gebundener Viehbesatz,
  • Fütterung der Tiere mit ökologisch und möglichst mit selbsterzeugtem Futter, wenig Zukauf von Futtermitteln;
  • weitgehender Verzicht auf Antibiotika.
  • keine Bestrahlung von Lebensmitteln in der ökologischen Lebensmittelherstellung,
  • starke Einschränkung bei der Verwendung von Zusatzstoffen; die erlaubten Zusatzstoffe sind gelistet.
  • Quelle: https://www.oekolandbau.de/bio-siegel/info-fuer-verbraucher/das-staatliche-bio-siegel/

Grüne Gentechnik

Gezielte Eingriffe in das Erbgut und genetische Veränderungen können durchaus segensreich sein, so etwa in der Medizin, wo DNS – Sequenzen, die eine tödliche Krankheit vererben, ausgeschaltet werden können. Wenn es aber um genveränderte Organismen (GVO) in der Landwirtschaft geht, was auch als "grüne Gentechnik" bezeichnet wird, stehen bisher die gesundheitlichen und ökologischen Risiken in keinem guten Verhältnis zu dem tatsächlichen Nutzen. Ist ein GVO erstmal freigesetzt, kann er nicht wieder zurückgeholt und auch in seiner Ausbreitung nicht kontrolliert werden. Daher gilt für alle Bio-Erzeugnisse, dass sie keine GV-Organismen enthalten dürfen. So verwendet die Meyermühle nur ökologische Samen und Getreidekörner. Gerade im Zusammenhang mit dem Samengeschäft von Riesenunternehmen wie Bayer/Monsanto spielt genmanipulierter Samen eine sehr zweifelhafte Rolle. Arme Bauern in Indien und Afrika werden unter Druck gesetzt, Samen auszusäen, der nicht wieder verwendet werden kann. Es müssen zudem Lizenz- bzw. Patentrechte eingehalten werden, was die Bauern in eine Schuldenfalle treibt.

Informationskampagnen

Die letzte Stunde meines Messebesuchs war einem sehr aufschlussreichen Gespräch mit Prinz Felix zu Löwenstein gewidmet, das wir in einer gemütlichen Sitzecke im Hofpfistereistand führten. Herr zu Löwenstein betreibt selbst seit Jahrzehnten ökologischen Landbau, ist Vorsitzender des BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) und in weiteren Verbänden wie Naturland sehr aktiv. Sein Buch „Food Crash“ macht deutlich, dass wir nur durch ökologischen Anbau die Ernährungsprobleme weltweit lösen können. Unser Gespräch drehte sich u.a. um die Frage, wie man den Informationskampagnen der großen Agrarkonzerne gegensteuern könnte. Nach wie vor werden Genmanipulationen verharmlost, bekommen Journalisten in scheinbar neutralen Seminaren Informationen darüber, dass GVOs angesichts des Welternährungsproblems und des drohenden Klimawandels die einzige Lösung bieten – was von ökologischer Seite vehement bestritten wird. Löwenstein versprach, mir eine aktuelle Petition bzw. Warnung vor der "Grünen Gentechnik" zu mailen, unterschrieben von zahlreichen Wissenschaftlern. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Das war ein sehr inspirierender Nachmittag. Im nächsten Jahr werde ich wieder dabei sein und mir mehr Zeit für Veranstaltungen, Vorträge und Führungen nehmen.


Christian Salvesen www.christian-salvesen.de

Buchtipps:

Christian Salvesen, GENveränderte Nahrungsmittel – Risiken für unsere Gesundheit und Umwelt. J. Kamphausen, Bielefeld 2019

Steven M. Druker, Manipulierte Gene – Verdrehte Wahrheit. J. Kamphausen, Bielefeld 2020.

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