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Psychosomatische Magenschmerzen

Wie Bewertungen unser Mitgefühl und Verständnis verhindern

 

von Anette Dröge

Viele Menschen, die psychosomatisch krank sind, fühlen sich schlecht, ohnmächtig und sehr oft „nicht gut genug“. Sie haben das Gefühl, nur sie sind krank und alle anderen schaffen ihr Pensum ohne gesundheitliche Probleme! Kennst du, liebe Leserin und lieber Leser, dieses Gefühl auch? Ich möchte dieses Phänomen mit einem Beispiel aus meiner Praxis vorstellen:

Praxisbeispiel

Vor mir sitzt die Chefsekretärin einer großen Firma, mit chronischen Magenschmerzen. Sie arbeitet fast jeden Tag 12 Stunden, um den ganzen Laden zusammen zu halten. Im Brustton der Überzeugung sagt sie zu mir: „Ich bin hierher gekommen, weil ich nicht so belastbar bin wie andere!“ Ich frage sie, wie sie darauf kommt, und sie erzählt mir, was sie so alles den ganzen lieben langen Tag zu tun hat. Sie erzählt mir von ihren Schwierigkeiten, von den langen Arbeitstagen und der immer wieder problematischen Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen. Interessanterweise fällt ihr selbst bei dem Bericht nicht auf, wie sehr sie sich tatsächlich für die Firma aufreibt.

Dieser Moment, in dem sie am Ende von diesem Bericht sagte „ Sehen sie, ich bin einfach nicht so belastbar,“ war für mich geradezu surreal, denn ihre Selbstwahrnehmung war in dem Moment so unendlich weit entfernt von ihrer Realität!

Natürlich hatte sie sich schon darum bemüht, besser zu verstehen, warum sie so krank geworden war. Sie hatte Ratgeber gelesen mit deren Hilfe sie versuchte, ihr Symptom zu deuten, dadurch entstand aber neuer Stress, denn nun wollte sie alles RICHTIG machen, um GESUND zu werden. Sie fing an sich für ihre Krankheit schuldig zu fühlen und hatte die Hoffnung, wenn sie nun alles richtig machen würde, wäre sie bald gesund. Das hat aber nicht funktioniert, weil sie bis zu dem Zeitpunkt gar nicht wirklich verstanden hatte, WARUM sie krank geworden war und was der Magen ihr so dringend sagen musste/wollte.

Gefangen in der eigenen Ohnmacht

Der Magen reagiert oft als erstes auf zu viel Stress, denn er leidet zum einen unter der zumeist unbewussten inneren muskulären Anspannung, die die Organe im Bauchraum einengt, und  wird zusätzlich durch schlechte Nahrungsgewohnheiten, zuviel Kaffee und Zigaretten gereizt. Ja, es war ihr schon klar, dass sie zu viel Stress hatte. Grundsätzlich steckte sie aber so tief in ihrer Tretmühle fest, dass ihr der Abstand fehlte, um zu erkennen, dass sie erheblich mehr und länger arbeitete als ihre Kollegen. Erst im Gespräch, als ich ihr alles noch einmal aufzählte, wurde ihr das plötzlich bewusst. In ihrer Ohnmacht hatte sie angefangen sich selbst zu bewerten bzw. abzuwerten, denn sie hat ja das Gefühl nicht soviel zu schaffen wie dir anderen. Gefangen in ihrem (Werte-) System konnte sie nicht mehr erkennen, wie hoch und im Grunde unrealistisch ihre Ansprüche an sich selbst waren. Sie verlor jegliches Verständnis und vor allem Mitgefühl für sich und ihren Körper.

Die Bewertung verhinderte jegliches Verständnis für die Situation!

Ein anderer wichtiger Punkt bei der Bewertung ist natürlich das Wertesystem, was wir von unseren Eltern mitbekommen haben und welches sich durch unser Leben weiterentwickelt hat. Meine Patientin war in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, in denen sie oft alleingelassen wurde. Dieses Gefühl, alleine zu sein bzw. alles alleine machen zu müssen, wurde nun durch die berufliche Situation immer wieder neu heraufbeschworen. Und sie bemühte sich deshalb nach Kräften der Lage Herr zu werden. Für sie war das Gefühl, „alles alleine zu schaffen“, eine Überlebensstrategie, dir ihr in schweren Zeiten geholfen hatte. Grundsätzlich gab sie ihr Kraft und Selbstbewusstsein. In dieser beruflichen Situation, jedoch sorgte die Überlebensstrategie nun aber dafür, dass sie sich bis auf die Knochen verausgabte und kein Ende fand. Sie konnte ihre gesunden Grenzen nicht mehr spüren, wusste nicht, ob es in Ordnung war, eine Pause zu machen oder ob es den anderen zeigen würde, dass sie nicht so belastbar war? Das ist ein Phänomen, was ich oft erlebe bei Menschen mit oder kurz vor einem Burn-Out, sie haben sich so verfranst zwischen ihrer Erschöpfung und den inneren Bewertungen, dass sie ihrem Gefühl für sich selbst und ihre ganz normalen und gesunden Bedürfnisse nicht mehr trauen oder sogar vollkommen verloren haben.

Psychosomatische Beschwerden können überwunden oder zumindest gelindert werden!

Durch viele intensive Gespräche und Aufstellungsarbeit gelang es meiner Patientin ihre inneren Überzeugungen besser zu verstehen und so immer öfter die Wahl zu haben, wie sie mit einer Situation umgehen möchte. Die Körperarbeit, die ihr Wärme, Geborgenheit und das Gefühl „nicht allein zu sein“ gab, heilte nach und nach die seelischen Wunden aus ihrer Kindheit und gab ihr die Kraft ihre berufliche Situation soweit zu verändern, dass sie nun überwiegend gesund ist. Das Symptom ist ihr immer wieder ein strenger Begleiter und Ratgeber. Jedes Mal, wenn sie wieder über ihre Grenzen geht, taucht das Symptom, wenn auch in stark abgeschwächter Form, wieder auf. So hilft ihr nun das Symptom, besser auf ihre Gesundheit zu achten!


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