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Corona - Chancenreichtum in dieser Zeit

von Dr. Wiebke-Lena Laufer

Ausnahmslos alle sind von der jetzigen Corona-Krise in der einen oder anderen Art betroffen. Wir alle tragen die Verantwortung, unsere Mitmenschen zu schützen - dazu gehört auch eine selbstlose Einschränkung. 

Konsequenzen der Corona-Krise

Da ist die junge Frau, die mit vielen persönlichen Herausforderungen in dieses Jahr 2020 gestartet ist, und sich mit so großen Hoffnungen auf den Jakobsweg vorbereitet hat. In diesen Tagen sollte ihre Pilgerreise beginnen, und nun bleibt ihr keine Wahl, als diesen heilsamen Plan zu verwerfen. Dann gibt es den älteren Herrn, der seit einigen Wochen im Krankenhaus liegt. Kurz vor seinem 89. Geburtstag ist ein Besuchsverbot verhängt worden, sodass der Kontakt zu seinen Angehörigen abbricht. Die Inhaberin des kleinen Ladens, die mit so viel Liebe und Achtsamkeit dazu beiträgt, dass Menschen ihre Gesundheit stärken können, steht vor der Frage, ob sie die Türen offenhalten oder schließen soll. Sie hat nicht nur für ihre Kunden, Mitarbeiter und sich selbst Verantwortung zu tragen, sondern auch für ihren kleinen Sohn, dessen Betreuung gewährleistet werden muss. Ein junger Mann hat sich gerade von seiner beruflichen Existenz als Unternehmer verabschiedet und all seine Niederlassungen verkauft, nachdem ihm eine Krebsdiagnose gestellt wurde. Wird seine Chemotherapie planmäßig in diesen Tagen beginnen? Und die werdenden Eltern? Das junge Paar erlebt seit Monaten eine Achterbahn der Gefühle. Das kleine Wesen bahnt sich seinen Weg in diese Welt über eine Risikoschwangerschaft. Gerade braucht der neue Erdenbürger die gesundheitliche Stabilität seiner schwangeren Mutter, bevor er nach seiner Geburt auf einige Herzoperationen und eine dreimonatige Betreuung auf der Intensiv-station angewiesen sein wird.

Wie gehen wir persönlich mit der Krise um?

Dies sind nur einige derjenigen Menschen, die im Ausnahmezustand dieser Tage in unterschiedlicher Hinsicht auf sich selbst geworfen werden. Welche Auswirkungen diese Zeit in gesundheitlicher, emotionaler, persönlicher, sozialer, gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht haben wird, lässt sich jetzt wohl kaum schon absehen. Im Minutentakt kommen neue Informationen dazu, die jede und jeden Einzelnen von uns mit der Frage konfrontieren: Wie gehe ich jetzt damit um? Manche von uns haben die Wahl, sich selbst in Quarantäne zu begeben, anderen ist sie zwangsläufig verordnet. Wieder andere müssen sich fragen, welches Tun und Unterlassen verantwortlich ist, und zwar nicht nur mit Blick auf sich selbst, sondern auch mit Blick auf diejenigen, mit denen ein direkter persönlicher Kontakt besteht. Andere wiederum sind – ob sie wollen oder nicht – die Helden des Alltags, die z. B. die medizinische Versorgung gewährleisten oder die Bereitstellung von Lebensmitteln für die Bevölkerung sichern. Vor all diesen Menschen, die in diesen Tagen ihr Bestes geben, verneige ich mich in Dankbarkeit für ihren großen Einsatz, der uns allen zugutekommt!

Was aber ist mit denjenigen, die aus freien Stücken oder auch gezwungenermaßen im Homeoffice sind? Was können diese Menschen für sich selbst, für ihr nahes Umfeld und vielleicht auch für die „ver-RÜCKTE Welt da draußen“ tun?

Seit jeher ziehen sich Menschen in die Abgeschiedenheit zurück, um mit sich selbst wieder einen bewussten Kontakt zu kommen. Die Stille ist eine wunderbare Ratgeberin, wenn es darum geht, sich den großen Fragen des eigenen Daseins zu stellen. Wer sich eine Zeit lang ganz von den vielen Eindrücken der Außenwelt zurückzieht, kann den Kurs des eigenen persönlichen Lebenswegs überprüfen und die Richtung ggf. neu justieren. Oft gehen Menschen erst dann in eine solche Erfahrung der Stille mit sich selbst, wenn sie in Krisen geraten sind, die sie bewältigen möchten. Im Unterschied zu solchen persönlichen Einzelschicksalen haben wir jetzt eine „kollektive Krise“ zu bewältigen. Die Wahl, wie wir damit umgehen, liegt bei uns: Lassen wir uns von den täglichen Schreckensnachrichten verunsichern und ängstigen oder entscheiden wir uns dazu, unseren Fokus auf den Chancenreichtum dieser Zeit zu richten?

Wenn Menschen krank werden, sterben, emotional und wirtschaftlich herausgefordert und von persönlichen Schicksalsschlägen heimgesucht werden, können wir dann überhaupt guten Gewissens über die „Chancen“ dieser Zeit nachdenken?

Ich meine, dass wir das nicht nur können, sondern es sogar unsere Aufgabe ist, das zu tun! Der Chancenreichtum, an den ich uns alle erinnern möchte, ist keineswegs ein egoistischer, kein ignoranter oder verantwortungsloser. Bleiben wir weiterhin mit offenen Ohren und wachen Augen auch bei anderen, und unterstützen wir sie in dem Rahmen, in dem es sinnvoll und möglich ist. Es liegt in unserem Einflussbereich, den Kontakt mit anderen Menschen verantwortungsvoll zu gestalten. Zugleich hilft es niemandem, sich in (Selbst-)Mitleid, Resignation oder Wut und Panik hinsichtlich der Gesamtsituation zu vergehen. Diejenigen von uns, die momentan in der Abgeschiedenheit ihrer vier Wände sind, können genau hierin eine Pause auf ihrem persönlichen Lebensweg sehen. Es ist so, als würden wir auf unserer Lebensreise einen Moment innehalten, unseren Kompass zur Hand nehmen, und uns orientieren, um die Richtung unserer Weiterreise zu überprüfen und sie ggf. neu zu bestimmen.

Es besteht nun die Chance einer kollektiven Weiterentwicklung

Wenn wir unseren persönlichen Lebensweg überprüfen und neu justieren, hat das in der Folge auch Auswirkungen auf unser direktes und weiteres Umfeld. Der Chancenreichtum ist also nicht nur ein „individueller Luxus“, sondern eine Möglichkeit zur kollektiven Weiterentwicklung. Jede und jeder von uns kann also einen sinnvollen Beitrag leisten, damit die persönlichen wie gesamtgesellschaftlichen Implikationen der momentanen Situation so gut wie möglich verlaufen. Ähnlich wie es bei persönlichen Schicksalsschlägen der Fall ist, können wir jetzt die Weichen dafür stellen, mit zeitlichem Abstand hoffentlich gemeinsam auf diese Zeit zu blicken und sagen zu können: „Es war eine große Aufgabe, und sie hatte segensreiche Auswirkungen, weil wir nach den Chancen Ausschau gehalten und sie bestmöglich genutzt haben.“

Was können wir nun ganz konkret tun, um die Herausforderungen dieser Tage bestmöglich in Chancen zu verwandeln?

Am Anfang steht eine persönliche Entscheidung. Chancen können nur in dem Rahmen genutzt werden, indem Menschen bereit dazu sind, sich nicht von ihren negativen Emotionen, von ihren Ängsten oder auch ihrer Bequemlichkeit führen zu lassen. Sie müssen bereit dazu sein, sich selbst so zu führen, dass ihr Tun und Unterlassen einer konstruktiven Lösungsfindungen dient. Aus dem Konfliktmanagement wissen wir, dass Konflikte nur dann auf konstruktive Weise gelöst werden können, wenn Menschen die Phasen aus Selbstmitleid, Resignation, Opferhaltung und Gegenwehr hinter sich gelassen haben. Voraussetzung für jede – wirklich jede – positive Veränderung ist die Entschlossenheit, selbst entgegen aller eigenen oder fremden Zweifel das Beste aus der gegenwärtigen Situation herauszuholen. Diese Entschlossenheit gepaart mit dem Mut, auch kleinere wie größere Hürden sowie Momente der Verunsicherung und Widersprüchlichkeit zu überwinden, ist die Basis für jede nachhaltige Veränderung.

Wir können uns nun die Zeit nehmen, Kontakt zu unserer Innenwelt aufzunehmen

Sind Sie bereit dazu, diese Entschlossenheit und diesen Mut aufzubringen, um für sich selbst und in der Folge auch für andere Chancen zu entdecken, die bisher nicht offensichtlich sind? Dann nutzen Sie die Zeitfenster, die Ihnen z. B. durch ausfallende Arbeitswege oder abgesagtes Freizeitprogramm zur Verfügung stehen, um zu überprüfen, wohin die Kompassnadel Ihres Lebens derzeit zeigt. Lassen Sie sich Schritt für Schritt darauf ein, den Chancenreichtum dieser besonderen Zeit zu ergründen und dadurch Ihre persönliche Weiterentwicklung zu vertiefen. Nehmen Sie sich beispielsweise Raum für Ihren Körper. Fragen Sie sich, inwiefern Ihre Ernährungsgewohnheiten noch stimmig sind. Vielleicht gibt es hier Handlungsbedarf. Und wie steht es um das heil-same Wechselspiel aus Regeneration und Bewegung? Gönnen Sie Ihrem Körper beides in dem Maße und auf die Weise, wie es für Sie stimmig ist? Neben Ihrem Körper, können Sie Ihre Bewusstheit auch auf Ihren Geist richten. Welche Gedanken gehen im Allgemeinen in Ihnen vor? Sind es Gedanken, die Sie stärken oder schwächen Sie sich durch sie? Vielleicht möchten Sie diese Zeit auch nutzen, um still zu werden und nach innen zu gehen. Stellen Sie bewusst den Kontakt zu Ihrer Innenwelt her und er-forschen Sie das, was in Ihrem Inneren gerade vor sich geht. Vielleicht regen sich auch wieder längst vergessene Träume oder Visionen, und Sie machen erste Planungen, wie Sie sie bald in die Tat umsetzen möchten.

Wir sind nicht allein: Die Digitalisierung ermöglicht eine Vernetzung im Geiste

Der Segen der digitalen Vernetzung macht es zudem möglich, dass Sie dabei nicht ganz auf sich allein gestellt sind. Im Internet finden Sie neben all den Schreckensnachrichten zum Thema „Corona“ auch viele stärkende Angebote, um grundlegende Eigenschaften wie Vertrauen, Mut, Standfestigkeit, (innere) Klarheit, Ruhe, Bewusstheit und vieles mehr zu vertiefen. All diese Eigenschaften machen nicht nur die Charakterstärke eines Menschen aus, sondern kräftigen auch das Immunsystem. Die Zeit, die wir gerade erleben, ist eine Chance, sich dem körperlichen, geistigen und seelischen Immunsystem zuzuwenden, und für Stärkungen auf allen Ebenen unseres Menschseins zu sorgen.

Herausforderungen als positive Wendepunkte 

Wenn um uns herum alles ver-RÜCKT ist und Ängste geschürt werden, fällt es nicht immer leicht, sich den eigenen Themen zu stellen, die auch Unsicherheiten und Zweifeln mit sich bringen können. Aber es lohnt sich, die eigenen Perspektiven, Gewohnheiten, Glaubenssätze etc. bewusst zu überprüfen, und Schritt für Schritt wieder gerade zu rücken, was in dieser ver-RÜCKTEN Zeit nicht mehr am richtigen Platz ist. Fangen wir damit im Kleinen an, nämlich bei uns selbst. Richten wir unsere Aufmerksamkeit nach innen, räumen wir auf, was durcheinandergeraten ist, sortieren wir aus, was ausgedient hat, und überwinden wir, was uns schwächt. Damit legen wir – jeder für sich und alle gemeinsam – den Grundstein auch für eine kollektive Weiterentwicklung. Darin liegt der Chancenreichtum dieser Zeit, dass wir die Herausforderungen, vor denen wir gerade jetzt stehen, zu Wendepunkten machen, mit denen wir die Qualitäten in unserem eigenen Leben erhöhen. Das wird sich in der Folge auch auf die Qualitäten unseres gesamtgesellschaftlichen Lebens auswirken. Machen wir uns also bewusst: Jede große Veränderung beginnt einmal klein. Fangen wir also im Kleinen an, hier und heute, bei uns selbst.


Hier geht es zu "Wege zum Ich" von Dr. Wiebke-Lena Laufer

Zur weiteren Vertiefung des Lebensthemas „Gelassenheit“ und zur praktischen Umsetzung:

Dr. Wiebke-Lena Laufer: Wege zum Ich. Klar, selbstbestimmt und kraftvoll leben, jkamphausen, Bielefeld 2019, S. 130-138.

Weitere Informationen zum Buch: www.wegezumich.com

Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 35 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
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