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Corona als Chance

Teil 3: Gestärkt aus der Krise hervorgehen

von Dr. Wolfgang Krahé 

Die Corona-Krise stellt eine existenzielle Schwellensituation für die ganze Welt dar. Dies geschieht sowohl auf kollektiver wie auch auf individueller Ebene. Es ist sehr berührend und erfreulich, wie sehr ganze Staaten, aber auch Unternehmen und Institutionen sich bemühen, einander in dieser Phase der Verunsicherung beizustehen.

Schwellenhelfer

Auf der individuellen Ebene erweist sich das gleiche als ausgesprochen wesentlich: Lebensschwellen lassen sich sehr viel sicherer, komplikationsärmer und angstfreier bewältigen, wenn sich gute Geister melden, die uns in selbstloser Weise beistehen. Gerade das Kontaktverbot scheint solche Schwellenhelfer auf den Plan zu rufen. Hier sind die jungen Leute zu nennen, die für die älteren einkaufen. Kreative Menschen organisieren Musikevents auf Balkonen und erzeugen so ein Gefühl der Verbundenheit usw.

Vertraute Menschen als Schwellenhelfer

Besonders wichtig sind natürlich jene, die glaubhaft vermitteln, dass wir uns Ihnen in unserer Angst zumuten dürfen, die offensichtlich an unsere Fähigkeiten und Ressourcen glauben und uns ermutigen, uns der Herausforderung der aktuellen Situation zu stellen. Vorausgesetzt, wir wagen es, diese Hilfe anzunehmen, und wir trauen uns auch, unsere Scham wegen unserer Not zu überwinden, können solche Begegnungen unsere Ängste massiv vermindern. Das führt dazu, dass wir uns zumindest in der Gegenwart dieser Personen weitgehend entspannen können. Abgesehen davon, dass uns dies sehr erleichtert, erlaubt es uns auch, wesentlich klarer und realistischer unsere Situation einzuschätzen und entsprechend kluge Entscheidungen zu treffen. Gerade, wenn die Ängste heftig werden, ist es also ungeheuer hilfreich, in sich hineinzufühlen und sich zu fragen, wem ich denn wohl zutrauen würde, dass er mir in meiner aktuellen Lebensschwelle eine Hilfe sein könnte. Vielleicht kann dieser kleine Aufsatz eine Hilfe dabei sein, die dann unabdingbare kleine Lebensschwelle zu überwinden, die darin besteht, sich zu trauen, um diese Hilfe dann auch zu bitten.

Corona-Krise nicht nur eine Katastrophe, sondern auch eine Chance?

Vielleicht kann man sagen, dass die gewohnte Komfortzone auf individueller und kollektiver Ebene ein für alle Mal zerstört ist. Kein einigermaßen bewusster Mensch wird jemals wieder denken, dass die Welt einfach sicher ist. Vielleicht werden auch viele Menschen verstehen, dass es trotz allen Bemühens, niemals möglich sein wird, die Existenz zu kontrollieren. Dazu gehört natürlich auch die Erkenntnis, dass der Tod, egal wie sehr man sich bemüht, ihn zu verleugnen, eine unabdingbare Realität ist.

Demut dem Dasein gegenüber

Wenn das verstanden wird, wäre es vorstellbar, eine neue Demut dem Dasein gegenüber zu entwickeln. Vielleicht begreifen wir, wie kostbar ein Tag ist, an dem nichts Schlimmes passiert. Vielleicht ist es uns möglich, unabhängig von Religiosität und dergleichen ein Gefühl von Dankbarkeit dafür zu entwickeln, dass unser Leben so ist, wie es ist. Vielleicht verstehen wir, dass Vorwürfe, bei aller Nützlichkeit für unsere persönliche Psychohygiene, bei allen wirklich wichtigen existenziellen Themen völlig sinnlos und vor allem wirkungslos sind. Dann wäre es möglich, viele unrealistische Ideale auf unser wirkliches Menschsein zurechtzuschrumpfen. Wir könnten dann klarer sehen, was uns möglich ist und was eben nicht, und wir könnten begreifen, was unsere Wahrheit ist und was eben nicht.

Frieden schließen mit unserer Unvollkommenheit

Hier wäre ein Ausgang aus der Hölle des Perfektionismus. Wir könnten dann auch lernen, weniger von unseren Mitmenschen zu fordern und ebenso wie uns selbst den anderen zu verzeihen, unvollkommen zu sein. Vielleicht würden wir begreifen, dass alle Menschen in ihrer Weise und gemäß ihres Bewusstseinsstandes ihr Bestes tun, konstruktiv mit dem Dasein zu kooperieren. Dennoch müssten wir verstehen und lernen zu akzeptieren, dass bei allem unserem Bemühen die Existenz immer unberechenbar bleibt. Wir würden endlich begreifen, dass wir letztendlich ausgeliefert, also hilflos sind. Damit Frieden zu schließen, könnte die Schwelle sein, die zu einer deutlich höheren Bewusstseinsebene führt.

Kraft ziehen aus der Begegnung mit uns selbst

Wir haben eingangs erwähnt, dass die Corona-Krise uns allen in gewisser Weise den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Unsere Verankerung im Außen wurde gelockert. Im Kontaktverbot sind wir uns selbst stärker als jemals sonst selbst ausgeliefert. Wir können jetzt lernen, den Fokus unserer Orientierung mehr und mehr vom Außen abzuziehen. In der Begegnung mit uns selbst können wir uns tiefer kennen lernen, was manchen zunächst große Angst macht. Dabei werden wir alle mehr oder weniger feststellen, dass es in unserem Innern Ressourcen gibt, die wesentlich authentischer sind als unsere gewohnten Kontroll- und Anpassungsstrategien. So haben wir die Chance, die Stille zu nutzen und Wurzeln in uns selbst zu schlagen, die uns die Kraft geben, den Herausforderungen unseres Lebens wesentlich persönlicher, präsenter und deshalb auch mit sehr viel weniger Angst zu begegnen.


Dr. med. Dipl.-Psych. Wolfgang Krahé ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, sowie Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Gemeinsam mit seiner Frau führt er eine psychiatrische psychotherapeutische Praxis. Zusammen mit Dipl.-ing. Heinz-Jürgen Weigt erarbeitete er die Organisationspsychotherapie und sie betreiben Bridge into life PartG, ein interdisziplinäres Beratungsunternehmen. Heinz-Jürgen Weigt war nach seinem Studium der Ingenieurswissenschaften in verschiedenen Aufgaben im Management tätig. Als Führungskraft war es ihm schon früh ein Anliegen, ökonomische und humanitäre Interessen ins Gleichgewicht zu bringen.

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