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Heilung - GANZ mit dem Leben tanzen

von Dr. Wiebke-Lena Laufer

„Jeder braucht doch Heilung!“, das hörte ich einmal eine Frau zu einer anderen sagen, deren Wunsch nach körperlicher Heilung so groß geworden war, dass er ihr gesamtes Denken beherrschte. Was aber ist eigentlich Heilung? Und stimmt es, dass jeder sie braucht?

Heilung ist ein großes Wort mit einem vielschichtigen Facettenreichtum an Bedeutungen

Mancher, der von „Heilung“ spricht, hat die Besserung, Erholung, im besten Falle die vollständige Genesung von einer körperlichen Krankheit im Blick. Einen anderen befasst vielleicht weniger der physische, sondern vielmehr der psychische Aspekt von Heilung. Ein nach psychischer Heilung Dürstender wünscht sich, von negativen, belastenden und teils verzweifelten Gedanken befreit zu werden, die seinen Geist verdunkelt haben und es ihm erschweren, sein Leben wunschgemäß oder auch nur gesellschaftstauglich zu führen. Wieder anderen steht die Heilung der Seele vor Augen. Sie fühlen persönlichen oder kollektiven emotionalen Schmerz, und nehmen wahr, dass dort – in ihrer Seele – etwas Unerlöstes ist, das noch befreit werden will.

Die Bedeutung von "Heilung" hängt von unterschiedlichen Faktoren ab

Die Vielfalt der Antworten auf die Frage danach, was Heilung eigentlich ist, gründet deshalb auf der Vielfalt der Lebensumstände, Erfahrungen, persönlichen wie sozialen und kulturellen Prägungen von Menschen, die sich nach Heilung sehnen. Ob also der körperliche, geistige oder seelische Aspekt beim Wunsch nach Heilung im Vordergrund steht, hat viel mit dem Erfahrungsraum des Einzelnen zu tun. Und dieser Erfahrungsraum ist bei sehr vielen Menschen von dem Gedanken beherrscht, dass etwas anders sein müsste, als es jetzt gerade ist. Dementsprechend meinen sie, dass alles besser wäre, wenn die Krankheit erst weg wäre, die negativen Gedanken den Rückzug anträten oder der seelische Schmerz sich in Wohlgefallen aufgelöst hätte. Aber ist das wirklich so? Gewiss, es ist nur allzu verständlich, dass wir uns nach einem auf allen Ebenen angenehmen Allgemeinzustand sehnen, insbesondere, wenn er gerade akut oder chronisch gestört ist. Aber besteht Heilung wirklich „nur“ in der Abwesenheit von störenden Aspekten des eigenen Lebens oder in der Wiederherstellung von aus früheren Zeiten bekannten angenehmeren Zuständen von Wohlbefinden?

Ein endloser Kreislauf der Unzufriedenheit

Ich meine nicht! Mehr noch: Je länger ich uns Menschen beobachte, desto häufiger meine ich zu erkennen, dass viele von uns sich zwar sehnlichst wünschen, dass diese oder jene physische wie psychische Krankheit oder ein seelischer Schmerz vergehen möge. Wenn sie dann aber endlich von dem befreit sind, was ihnen soviel Leid zugefügt hat, tritt schnell das nächste „Problem“ auf den Plan, das sie dann mit ebensolcher Leidenschaft bekämpfen wie das vorherige. Daraus entsteht dann ein endloser Kreislauf aus Unzufriedenheit, weil sich ja immer wieder etwas Neues auftut, das erst noch abgelegt, geheilt, ja bekämpft werden muss, bevor irgendwann die ersehnte Glückseligkeit eintreten kann. Solange wir einem solchen Verständnis von Geheiltsein nachjagen, werden wir vermutlich ewig Dürstende bleiben, die niemals das erreichen, was sie sich unter Heilung vorstellen.

Wertschätzung der Einmaligkeit

Es gibt aber eine andere bzw. vielmehr umschließende Sicht auf das Thema „Heilung“. Heilung hat etwas mit „Heilsein“ im Sinne von „Ganzsein“ zu tun. Heil und damit ganz ist ein Mensch, der die ihm geschenkte Einzigartigkeit wertschätzt und sie würdevoll auslebt. Dazu gehört es auch, den Kampf gegen die eigenen Ecken und Kanten, die eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten an Körper, Geist und Seele abzulegen und anzuerkennen, dass das Leben jeden von uns in einmaliger Weise hervorgebracht hat. Mehr noch: Es hat uns sogar für gut befunden, genauso wie wir sind. Wir sind Schöpfungen der einen großen Schöpfungsenergie des Lebens, der schon viele Namen gegeben wurden. So unterschiedlich diese Namen auch sein mögen, wie etwa „Universum“, „Gott“, „Allah“, „JHWH“, „Brahman“, „Reines Bewusstsein“ etc., sie alle eint, dass sie mit Absolutheit in Verbindung gebracht werden. Diese Absolutheit ist unfehlbar. Wie sollte sie also etwas hervorgebracht haben, dass nicht „gut genug“ ist?

Wer heilen will, muss seine Negativität ablegen

Das sieht der Mensch jedoch nur allzu oft anders. Er urteilt – zumeist negativ – über sich selbst, über andere und über das Leben. Diese durch uns Menschen eigens geschaffene Negativität ist der Urenergie des Lebens – der Liebe – aber fremd. Heil und damit ganz können wir erst sein, wenn wir unsere von Scham, Schuld und Ablehnung behafteten Selbst- und Fremdbilder ablegen, ebenso wie die Vorstellung, dass das Leben es nicht gut mit uns meint. Erst, wenn wir unsere durch lebensfeindliche Negativität verstellte Sicht auf die Dinge klären, erst dann werden wir die Bereitschaft entwickeln, uns mit der Unbedingtheit der Liebe, die das Leben für uns bereithält, beschenken zu lassen. Wir werden uns dessen gewahr, wer wir wirklich sind, und wir werden erkennen, dass es uns nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen gilt, sondern dass es einzig und allein darum geht, das, was bereits da ist, in der schönsten und kraftvollsten Art erstrahlen zu lassen.

Heilung beginnt in unserem Inneren

Die Frage also, ob wirklich jeder Heilung braucht, beantwortet sich von hierher folgendermaßen: Solange wir uns noch nicht vollständig als heil, ganz, ja heilig und damit dem Leben – Gott –, zugehörig erkannt haben, dürfen wir noch Heilung an uns geschehen lassen. Und wie machen wir das? Heilung beginnt in unserem Inneren. Wir dürften die Beziehung zu uns selbst heilen, indem wir mit unserer eigenen, wunderschönen Ganzheit in Kontakt kommen, an der nichts falsch, nichts zu viel und nichts zu wenig ist. Wir dürfen uns selbst liebevoll ansehen, uns begegnen mit all den vermeintlich liebenswerten und weniger liebenswerten Seiten unserer Persönlichkeit. Wir dürfen erkennen und annehmen, dass das Leben uns in einzigartiger Weise geschaffen hat. Diese Einzigartigkeit ist ein Geschenk, das wir jeden Augenblick neu annehmen und entdecken dürfen.

Bewusstsein stärken für das, was uns gut tut

Je konsequenter wir uns auf unsere Einzigartigkeit einlassen, desto bewusster werden wir wahrnehmen, was uns an Körper, Geist und Seele stärkt, gut tut und damit zur Heilung beiträgt. Welche Lebensmittel bekommen uns wann, in welcher Menge und nach welcher Zubereitungsart besonders gut? Welche Bewegungs- und Regenerationsarten passen zu unserem Körperbewusstsein? Welche Informationen zerstreuen unseren Geist und welche helfen ihm, zu fokussieren? Welche Gedanken unterstützen uns darin, uns selbst, andere und das Leben auf unserem Planeten wertzuschätzen? Welche Methoden dienen uns, wenn wir unsere seelischen Schmerzen liebevoll ansehen und bearbeiten wollen? Welche Rituale oder Orte lassen unsere Seele zur Ruhe kommen und sich an das Göttliche in allem erinnern? Und gibt es Menschen oder Heilmaßnahmen, die unsere Heilung bereichern und beschleunigen können?

Lebendigkeit und Ganzheit im Innern wahrnehmen

In diesem Gesamtprozess dürfen wir insbesondere lernen, uns nicht länger selbst durch unsere eigene Negativität im Weg zu stehen. Wir dürfen in die unerschütterliche Gewissheit hineinwachsen, dass die Lebendigkeit in uns sich selbst erhält und entfaltet. Wenn wir das erkennen, erfahren wir uns auf einer tiefen Ebene unseres Daseins als bereits ganz und damit heil. Alles, was wir bisher erlebt haben, hat dazu beigetragen, dass das Meisterwerk unseres Lebens entstehen konnte. Auch und insbesondere die „Brüche“, „Fehlschläge“ und „Misserfolge“ in unserem bisherigen Lebenslauf werden sich uns als notwendige Bestandteile unseres Daseins offenbaren. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir zu der Person werden konnten, die wir heute sind. Je besser es uns nun und zukünftig gelingt, uns an Körper, Seele und Geist zu stärken, desto mehr Wohlbefinden werden wir auf allen Ebenen unseres Daseins erfahren. Mehr und mehr werden wir von unserer Negativität ablassen, und es werden sich neue Kapazitäten auftun, um in Freude und Dankbarkeit ganz mit dem Leben zu tanzen!


 

Zur Vertiefung des Lebensthemas „Heilung“, zur eigenen Weiterarbeit und praktischen Anwendung: Dr. Wiebke-Lena Laufer: Wege zum Ich. Klar, selbstbestimmt und kraftvoll leben, j.kamphausen, Bielefeld 2019, S. 161-167.

Weitere Informationen zum Buch: www.wegezumich.com

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