fbpx
Menu

Der Corona-Spaltpilz und seine Heilung

Wie wir Trauma-Aktivierungen bemerken und bewältigen

von Saleem Matthias Riek

Manche leben so zurückgezogen, dass sie von all dem gar nichts mitbekommen. Andere stecken mitten drin. Die Streitfront verläuft quer zu den üblichen Gruppierungen, quer durch Parteien, Familien und Freundeskreise. Ist das Coronavirus ein Spaltpilz?

Wem dürfen wir glauben?

Besonders intensiv wird der Streit in den sozialen Medien ausgefochten. Viele sind fassungslos, was dort alles zu lesen ist und auch mir geht das manchmal so. Manche trauen sich kaum, ihre Meinung zu äußern, weil sie mit heftigen Reaktionen rechnen müssen. Sind wir alle verrückt geworden? Insbesondere in der psychospirituellen Szene waren harte Konflikte bisher selten. Glaubensfragen hatten kaum Konsequenzen für den alltäglichen Umgang miteinander, unterschiedliche Auffassungen haben wir respektiert. Doch jetzt werden die Konsequenzen unseres „Glaubens“ konkret und existenziell. Wen dürfen wir noch wie nah treffen? Welcher Arbeit nachgehen? Welchen Nachrichten vertrauen? Welchen Maßnahmen einen Sinn abgewinnen?

Was ist wie gefährlich für wen?

Zwei Faktoren bestimmen wesentlich, zu welcher Bewertung wir persönlich tendieren:

  1. Für wie gefährlich halten wir die Pandemie – für uns persönlich, für Menschen, die uns nah sind, und für die Gesellschaft insgesamt?
  2. Für wie bedrohlich halten wir die Maßnahmen zur Eindämmung – für uns persönlich, für Menschen, die uns nah sind, und für die Gesellschaft insgesamt?

Zwischen den beiden Einschätzungen gibt es Wechselwirkungen: Für je gefährlicher wir das Virus halten, desto angemessener und weniger bedrohlich empfinden wir die Maßnahmen. Und je mehr wir uns von den Maßnahmen bedroht fühlen, desto eher neigen wir dazu, die Gefahren des Virus geringer einzuschätzen. Es ist immer eine Frage der Relation, so funktioniert unser Verstand.

Darüber hinaus ist unser Verstand auch leicht korrumpierbar. Er hält eher für wahr, was unseren Interessen und Erwartungen entspricht. Anders gesagt: Wir glauben, was wir glauben wollen. Dieses Wollen ist von unseren aktuellen Lebensumständen geprägt, aber auch von unserer individuellen Geschichte.

Unsere Lebensumstände bestimmen unsere Perspektive

Die beiden Faktoren machen nachvollziehbar, warum wir die gleiche Situation so unterschiedlich interpretieren. Doch weshalb verfeinden sich plötzlich Menschen, die sich bis vor kurzem nahestanden? Die unterschiedlichen Lebensumstände einzubeziehen könnte eine Brücke für Verständigung sein. Dass eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern jetzt mehr Stress hat als ein kinderloses Paar mit Beamtengehalt, ist naheliegend, genauso wie dass sich der Mittfünfziger mit Bluthochdruck eher um seine Gesundheit sorgt als die kerngesunde Frau um die dreißig. Doch diese Pandemie macht es schwer, verschiedene Bedürfnisse gleichermaßen zu berücksichtigen. Wir sind alle betroffen, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Wir haben es mit einem echten Dilemma zu tun, eine Lösung, die alle zufriedenstellt, gibt es nicht. Zudem sind wir auch noch kollektiv voneinander abhängig, denn die Maßnahmen machen nur Sinn, wenn sich die meisten dran halten.

Von der Angst zur (Re-) Traumatisierung

Konfrontiert mit Abhängigkeiten, die sich unserem Einfluss entziehen, werden die meisten Menschen emotional. Es geht dann eher um Gefühle als Sachverhalte und es geht insbesondere um Angst. Die Dynamik der Pandemie und ihrer Eindämmung nimmt Ausmaße an, die bis vor Kurzem unvorstellbar waren. Vor allem folgende Grundängste werden ausgelöst:

  1. Die Angst, sich anzustecken, schwer krank zu werden oder zu sterben. Sie zeigt sich in Sorge um das eigene Wohlergehen und evtl. in Selbstisolation.
  2. Die Angst vor existenzieller Not durch die Maßnahmen zur Eindämmung. Sie zeigt sich im Bedürfnis nach Unterstützung und Solidarität.
  3. Die Angst vor dem Verlust von Bindung. Sie zeigt sich im Bedürfnis nach Kontakt, gegenseitiger Empathie und geteilter Verantwortung.
  4. Die Angst vor dem Verlust von Autonomie. Sie zeigt sich im Bedürfnis, mit seiner eigenen Meinung respektiert zu werden oder im Engagement für freiheitliche Grundrechte.

Wenn Ängste zu stark werden, können wir sie nicht mehr sinnvoll verarbeiten. Wir wechseln in den Kampf-, Flucht- oder Totstellmodus unseres Reptiliengehirns. Hirnareale, die wir für differenziertere Betrachtungen benötigen, schalten weitgehend ab. Starke Ängste berühren oft auch traumatische Vorerfahrungen und aktivieren dann die Muster, mit denen wir ein Trauma überlebt, aber nicht vollständig verarbeitet haben. Der aktuellen Situation nicht angemessene heftige Reaktionen sind ein Indiz, dass ein latentes Entwicklungstrauma aktiviert wurde.

Entwicklungstraumata entstehen insbesondere in der Kindheit durch die chronische Missachtung oder Vernachlässigung von Grundbedürfnissen. Weil sie nicht auf ein einmaliges Ereignis zurückzuführen sind, sondern auf Lebensumstände, die für den Betroffenen „normal“ waren, werden sie selten als solche erkannt, sind aber sehr verbreitet.

Im Trauma-Modus kann sich z.B. die Angst vor Ansteckung ins Unermessliche steigern. Andere Gefühle dienen eher der Abwehr von Angst. Die Reduzierung von Kontakten lässt uns z.B. depressiv werden oder Freiheitsbeschränkungen lösen ohnmächtige Wut aus.

Wie wir Trauma-Aktivierungen erkennen

Wenn ein Trauma aktiviert wird, ist es hilfreich, das möglichst bald zu bemerken und uns einzugestehen. Typische Symptome sind:

  • Wir fühlen uns, als habe jemand den Stecker gezogen. Wir ziehen uns resigniert aus menschlichen Kontakten zurück.
  • Der Adrenalinspiegel steigt steil an, wir werden zur rasenden Wildsau.
  • Die Intensität unserer Gefühle steht in keinem plausiblen Verhältnis zum Anlass.
  • Wir fühlen uns total im Recht, können keine Irrtümer zugeben, machen andere unermüdlich auf „die Wahrheit“ aufmerksam und unsere Texte stecken voller Ausrufezeichen.
  • Wir sind nicht in der Lage oder kommen gar nicht auf die Idee, uns in andersdenkende Menschen einzufühlen.
  • Wir spüren Hoffnungs- oder Sinnlosigkeit.

Trotz deutlicher Signale fällt es oft nicht leicht, uns einzugestehen, was unsere emotionale Reaktion mit uns selbst zu tun hat. Alter Schmerz kann hervorbrechen und ist zudem oft mit Scham verbunden. Doch ohne Bewusstsein für unsere innere Dynamik projizieren wir unsere Vergangenheit auf die Gegenwart und schneiden uns vom Verständnis anderer Menschen ab. Wir fühlen uns getrennt, was die verhängnisvolle Dynamik weiter verstärkt. Sie kann dann auch wahnhafte Züge annehmen.

Die Grundbedürfnisse nach Freiheit und Bindung

In der Coronakrise geht es vor allem um folgende zwei Grundbedürfnisse, deren frühere Traumatisierung leicht aktiviert werden kann:

  1. Das Bedürfnis nach verlässlicher Bindung
  2. Das Bedürfnis nach freier Entfaltung

Diese Bedürfnisse stehen in einem natürlichen Spannungsverhältnis zueinander. Sie in Balance zu bringen, ist eine lebenslange Aufgabe. Wenn uns das nicht gelingt, laufen wir Gefahr, uns im Kontakt mit anderen Menschen zu polarisieren. Viele kennen das aus Partnerschaften: Je mehr Nähe der Eine braucht, desto mehr Freiheit fordert der Andere und das Drama nimmt seinen Lauf.

Im Zusammenhang mit Corona sehe ich eine ähnliche Dynamik am Werk. Je nachdem, wie wir geprägt sind, tendieren wir zu 1. oder 2.:

  1. Die einen fokussieren auf die menschliche Verbundenheit, aber auch auf die Abhängigkeit voneinander. Anderer Leid können sie kaum ertragen. Sie sind schnell bereit, eigene Rechte und Bedürfnisse für das Gemeinwohl zu opfern.
  2. Die anderen fokussieren auf das Bedürfnis nach freier Entfaltung, sie fühlen sich schnell eingesperrt oder manipuliert und leiden besonders unter den Maßnahmen, die ihre individuelle Freiheit einschränken.

Wenn wir die Perspektive nicht mehr wechseln können

Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir uns über Meinungen ärgern, die wir nicht teilen oder gar für gefährlich halten. Doch im Angst- oder Trauma-Modus verliert unser Verstand die Fähigkeit, zwischen Perspektiven zu wechseln und uns in eine andere einzufühlen. Wir verabsolutieren die eigene Position, nehmen vermehrt selektiv wahr, suchen nur noch Informationen, die unsere Sichtweise stützen und blenden alles andere aus. Wir lesen einen Text, der unser Trauma triggert, und steigen innerlich aus oder uns wird schlecht. Womöglich glauben wir, man habe sich gegen uns verschworen. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Manche werden anfällig für abstruse Theorien, die uns eingängige Erklärungen für das Unerklärliche anbieten und uns auf diese Weise kurzfristig Erleichterung verschaffen.

Die meisten von uns kennen eine oder mehrere solcher Reaktionen. Auch ich konnte in letzter Zeit manchmal zur rasenden Wildsau werden. Auch bei mir selbst sehe ich das als ein Symptom alter Verletzungen, denen ich – wann immer ich das merke – nachgehe, um meine Gefühle zu mir zu nehmen und zu bewältigen.

Die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu sich zu nehmen, heißt nicht, dass wir zu einem Thema keine klare Meinung haben sollten. Es verhilft uns lediglich dazu, dass unsere Meinung sich sinnvoll auf die aktuelle Situation bezieht und wir nicht blindlings ein Kindheitsmuster ausagieren. Beides voneinander zu unterscheiden ist nicht immer leicht, vor allem, wenn die aktuelle Situation selbst brisant genug ist, uns emotional zu überfordern oder gar zu traumatisieren.

Wenn problematische Argumente zu Triggern werden

Gerade wenn es um zunächst sachliche Argumente geht, ist es nicht immer leicht, die inhaltliche von der psychodynamischen Ebene zu unterscheiden. Wie bemerken wir den Trigger und wie gehen wir damit um? Hier beispielhaft zwei Argumente mit Trigger-Potenzial:

  1. Was geht es andere an, wenn ich mich mit einer Gruppe von Freunden treffe? Das ist nur eine Sache unter uns.
  2. Menschenleben müssen Vorrang haben gegenüber sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Wenn es um Leib und Leben geht, muss alles andere zurückstehen.

Wie interpretieren und wie reagieren wir auf diese beiden Thesen?

  • Der erste Satz zeugt von einer gewissen Ignoranz. Weil das Virus unbemerkt übertragen werden kann, sind Menschen mitbetroffen, die beim Treffen gar nicht dabei sind. Insofern geht es auch andere Menschen etwas an. Soweit die Sachebene.

Wenn wir extrem auf die Ignoranz reagieren, steckt mehr dahinter. Wir können es dann nicht ertragen, dass persönliche Interessen über das Gemeinwohl gestellt werden. Wir erleben das als Angriff auf uns selbst.

  • In der zweiten Aussage steckt ein Absolutheitsanspruch, der potenziell alles legitimieren könnte und jede Verhältnismäßigkeit ausblendet. Ein solcher Absolutheitsanspruch ist mindestens diskussionswürdig.

Auch hier steckt mehr dahinter, wenn wir bei einer solchen Aussage innerlich ausflippen. Wir können nicht ertragen, dass unser Recht auf Autonomie in Frage gestellt wird, womöglich bekommen wir ganz ohne Virus Angst zu ersticken.

Unsere persönliche Prägung berücksichtigen

Wie gesagt, die meisten Menschen tendieren je nach Kindheit deutlich in die eine oder die andere Richtung, aber es gibt auch alle möglichen Kombinationen. Unsere subjektive Prägung wäre für sich genommen noch kein kommunikatives Problem, wenn wir sie transparent machen, sodass andere uns verstehen. Doch wenn alte Verletzungen im Spiel sind

  • verbindet uns das subjektive Empfinden mit altem Schmerz.
  • Wenn der Schmerz zu groß wird, müssen wir ihn abwehren.
  • Um unsere eigene Haut zu retten, werten wir andere ab.
  • Die Abwertung tarnen wir mit Argumenten, die aber für das Urteil keine Rolle spielen. Das Urteil steht dann längst fest.

Ich persönlich gehöre eher zum Bindungstyp. Meiner Autonomie bin ich mir ziemlich sicher, ich kann mich einigermaßen mit Autoritäten auseinandersetzen und finde auch inmitten von Einschränkungen Spielraum für mich und meine Freiheit. Doch den inneren Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren, das Erodieren des Zusammengehörigkeitsgefühls, eine drohende Trennung, das alles kann mich innerlich in Not bringen. Deshalb reagiere ich manchmal heftig auf Menschen, welche die Notwendigkeit von Rücksichtnahme in Frage stellten. Ich finde mich dann in einer Welt voller Egoisten und spätpubertierender Revoluzzer wieder. Wer andersherum gepolt ist, wittert womöglich überall unkritische „Schlafschafe“, die sich brav in das Schicksal ihrer eigenen Unterdrückung fügen.

Es hat eine gewisse Tragik, denn wenn wir unsere Perspektive nicht wechseln können, unterstützen wir unbewusst das, was wir befürchten. Wer die Coronamaßnahmen nicht versteht und unterläuft, beschwört strengere Verbote herauf. Wer kein Verständnis für die Not aufbringt, die der Lockdown mit sich bringen kann, provoziert dazu, auf die Schutzmaßnahmen zu pfeifen.

Kompromissfalle versus Intelligenz

Wir könnten aus den obigen Überlegungen folgern, dass Kompromisse angesagt sind: Maßnahmen ja, aber bitte nur halb so wild. Wäre das die Lösung?

Damit würden wir zwar beiden Perspektiven entgegenkommen, aber die reale Dynamik der Pandemie ausblenden. Diese schert sich nicht um unsere Traumata. Sie hat ihre eigene Gesetzmäßigkeit. Je besser wir diese verstehen, desto kompetenter können wir mit ihr umgehen. Und wir verstehen sie umso besser, je weniger unser Blick durch aktuelle Lebensumstände und alte Verletzungen getrübt ist.

Statt eines formelhaften, faulen Kompromisses ist Intelligenz gefragt. So könnte es sein, dass harte Maßnahmen am Anfang viel weitergehende Lockerungen möglich machen, als das sonst der Fall wäre, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten. Die Strategien in Taiwan und Neuseeland sind Beispiele für ein solches Vorgehen. Das Gegenbeispiel bildet Schweden. Dort hat man auf strenge Verbote weitgehend verzichtet in der Hoffnung, die „Behandlung“ länger durchhalten zu können.

Mit welcher Strategie wir langfristig besser durchkommen, ist offen. Wie sich die Lockerungen auswirken werden, weiß niemand. Was wir uns aber bereits jetzt fragen können: Sind wir bereit, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Strategie unvoreingenommen zu prüfen? Oder suchen wir nur nach Bestätigung unserer vorgefassten Meinung?

Je intelligenter wir vorgehen, desto weniger brutal müssen wir vorgehen. Nicht allein auf einer Parkbank sitzen zu dürfen, zeugte nicht gerade von Intelligenz. Wirtschaftliche Folgen und dadurch ausgelöste Not zu unterschätzen ist auch wenig klug. Aber: Ist die möglichst schnelle Rückkehr zu ungebremstem Konsum- und Wachstumswahn überhaupt ein lohnendes Ziel? Wäre es nicht sinnvoller, existenzielle Nöte durch ein solidarisches Grundeinkommen abzufedern? Auch auf die psychischen Probleme, die durch das Abstandsgebot ausgelöst wurden können wir helfende Antworten finden, wenn wir kreativer werden als alles dicht zu machen.

Psychohygiene und Resilienz

Je mehr wir für unsere alten Verletzungen und deren Heilung die Verantwortung übernehmen, anstatt Muster blind auszuagieren, desto mehr Fähigkeiten entwickeln wir, die wir langfristig brauchen. Es ist ein Symptom von Trauma-Aktivierung, dass wir blindes Ausagieren auf andere projizieren. Trotzdem könnte an jeder Projektion etwas Wahres dran sein.

Das führt zu der interessanten Frage, die sich manche in diesen Zeiten vielleicht stellen: Wer durchschaut hier eigentlich wen? Wie unterscheiden wir traumagetriebene Selbstgerechtigkeit von umfassenderer Information, höherer Intelligenz und menschlicher Reife? Die Unterscheidung fällt nicht immer leicht, weil die Selbstzuschreibung letzterer Eigenschaften ein Symptom des ersteren ist.

Man könnte biblisch werden: Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?

In jedem Fall dienen wir uns selbst am besten, indem wir uns vorrangig um unsere eigene Psychohygiene kümmern. Corona wird nicht die letzte und vielleicht auch nicht die größte Krise sein, die wir individuell und auch als Menschheit zu bewältigen haben.

Wie wir uns selbst helfen können

Wenn wir uns in einer unheilvollen Dynamik befinden: Wie können wir daraus aussteigen? Hier sieben Schritte, die ich für hilfreich halte:

  1. Wir halten inne, wenn wir heftiger reagieren, als es einer Situation angemessen scheint.
  2. Wir prüfen brisante Nachrichten und deren Quellen, bevor wir sie weiterleiten.
  3. Wir prüfen, an welcher Meinung wir stur festhalten und fragen uns: Wie sieht das Thema von der anderen Seite her aus?
  4. Wir nehmen uns Zeit für uns selbst und kümmern uns um unsere Selbstberuhigung.
  5. Wir verfolgen akute Trigger bis zu ihrem Ursprung in unserer Vergangenheit (Wie war das damals als Kind?).
  6. Wir suchen Unterstützung oder Wege der Heilung und bitten ggfs. um Hilfe.
  7. Mit offenerer Wahrnehmung und einer Bereitschaft zum Perspektivwechsel kehren wir in den Kontakt zurück.

Wenn wir auf diese Weise unsere „Hausaufgaben“ erledigen, garantiert das nicht, dass der Dialog mit Andersdenkenden wieder gelingt. Wenn wir Menschen begegnen, die ihre eigene Trauma-Aktivierung nicht anschauen wollen oder können, bleibt uns oft nur der Abstand. Oft wird aber ein fruchtbarer Dialog wieder möglich, wenn wir uns die eigenen Prägungen anschauen, anstatt sie auf andere zu projizieren.

Die eigentliche Auseinandersetzung um die bestmögliche aktuelle Krisenbewältigung ist damit allerdings längst noch nicht erledigt. Sie beginnt dann überhaupt erst.

Ausblick

In einem weiteren Text werde ich untersuchen, wie wir uns durch das Ausagieren unserer Kindheitswunden den Weg in die Hölle bahnen, und zwar indem wir

  1. eigenen Gefühlen soweit möglich zu entkommen suchen.
  2. Anderen böse Absichten unterstellen.
  3. eigene Wünsche und Absichten in Erwartungen verwandeln.

Der Weg aus der Hölle zurück ins pulsierende Leben gelingt, indem wir

  1. wohlwollenden Kontakt zu uns selbst herstellen.
  2. Bereitschaft entwickeln, die Motive anderer empathisch nachzuvollziehen.
  3. für die eigenen Absichten Verantwortung übernehmen, ohne daraus Erwartungen abzuleiten.

Unsere Verhaltensmuster spiegeln sich auch in unserem Verständnis von Spiritualität und Politik:

  1. Spirituell gesehen in der Polarität zwischen Egoismus und Altruismus
  2. Politisch gesehen in der Polarität zwischen Liberalismus und Sozialismus

Mehr dazu im nächsten Text. Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag die eine oder andere Anregung gibt, die dich weiter bringt und freue mich über konstruktive Rückmeldungen.

Saleem Matthias Riek


Quelle: http://blog.saleem-matthias-riek.de/der-corona-spaltpilz/

Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 35 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
Menu
KAMPHAUSEN.MEDIA        IMPRESSUM        AGB & WIDERRUFSBELEHRUNG        DATENSCHUTZ        HAFTUNGSAUSSCHLUSS