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Volle Dosis anders!

Hochsensibilität neu erzählt, Episode 5

von Angelika Bobie

Angelika Bobie kennt sich bestens aus mit dem Anderssein: Als Kind polnischer Spätaussiedler musste sie von einem Tag auf den anderen ihre Heimat zurücklassen und ein neues Leben in Deutschland beginnen. Mithilfe ihrer Hochsensibilität, ihrer schnellen Auffassungsgabe und jeder Menge Ehrgeiz eroberte sie sich Stück für Stück ihren Platz in einer Welt, in der sie sich anfangs so wahnsinnig fremd gefühlt hatte. Heute ist sie eine echte Vollblut-Lehrerin, die sich dafür einsetzt, dass jedes Kind seine Besonderheit leben darf.

Als ich sieben Jahre alt war, packten meine Eltern in Polen unser kleines Auto voll und fuhren mit uns in einer Nacht- und Nebelaktion nach Deutschland. Mein Bruder und ich dachten, wir würden zwei Wochen Urlaub machen und unsere Oma besuchen. Erst auf der anderen Seite der Grenze erfuhren wir, dass wir hierbleiben würden. Für immer. Den Rest der Fahrt habe ich nur geweint und zwei Wochen nicht gesprochen. Ich hatte mich von niemandem verabschieden können, weder von meinen Freunden noch von meiner Lieblingsoma. Am Freitag war ich noch in Polen zur Schule gegangen, und am Montag stand ich mit großen Augen und ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können, dem Schuldirektor einer deutschen Schule gegenüber. Neben mir gab es noch ein paar andere neue Schüler aus Polen – damals in den Jahren vor der Wende kamen viele Spätaussiedler aus dem Osten. Der Direktor schaute jedem fest in die Augen, danach ging er zu meinen Eltern und sagte: „Ihre Tochter wird es schaffen.“

Von heute auf morgen war mir das Zuhause weggebrochen. Ich habe lange gebraucht, um die Flucht aus Polen aufzuarbeiten, zu vergeben und zu verstehen, dass unsere Eltern uns eine bessere Zukunft ermöglichen wollten. Als Kind habe ich dieses Trauma jahrelang verdrängt, erst als junge Erwachsene habe ich mich damit noch einmal ganz bewusst auseinandergesetzt. Es waren meine schnelle Auffassungsgabe, meine Resilienz und mein Eifer, die in meiner Kindheit dafür gesorgt haben, dass der Schuldirektor mit seiner Einschätzung Recht behalten sollte. Nach einem halben Jahr war ich Klassenbeste und sprach akzentfrei Deutsch. Man sah und hörte mir nicht an, dass ich aus Polen kam, es sei denn, mein Name wurde irgendwo aufgerufen. Dann wurde ich innerlich immer ganz klein. Damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich hochbegabt und hochsensibel war. Ich habe mich anders gefühlt, weil ich nicht aus Deutschland kam. Vielleicht habe ich mich deswegen auf anderen Ebenen stark machen müssen. Eigentlich habe ich im Laufe meiner Biografie immer das Extrem gesucht – ich habe fünf Sprachen gelernt und auch auf der sportlichen Ebene immer wieder versucht, Grenzen zu öffnen oder sie zumindest ein Stück weit zu versetzen. Die Leichtathletik war mein Ventil, um alles andere zu kompensieren. Vor allem dieses „Du tickst irgendwie anders-Phänomen“, das ich damals noch nicht benennen konnte, und das rückblickend betrachtet viel mehr war als „nur“ ein kultureller Unterschied.

Ich wusste immer, dass ich richtig bin

Ich war kein „Systemsprenger“, so wie Jungs es oft sind, ich habe mir meine Wege gesucht. Meine Mutter hat mich zum Glück intuitiv dabei unterstützt, dass ich nicht geradlinig laufen musste, sondern mich immer ein bisschen neben der Spur, in der Nähe der Grenze oder sogar darüber hinaus bewegen durfte. Dort, wo ich „ich“ sein durfte. Das ist bis heute nicht selbstverständlich. Einerseits werden Persönlichkeitsmerkmale wie Hochsensibilität immer mehr anerkannt, andererseits müssen sich Eltern häufig immer noch rechtfertigen, wenn ihre Kinder anders ticken. Ich habe immer meine Meinung gesagt, galt als vorlaut oder als Streberin, aber irgendwie habe ich es geschafft, mich nicht in mein Inneres zurück zu ziehen. Ich habe nicht versucht, mich anzupassen, sondern ich habe mein Anderssein immer ausgelebt, und es war mir ein Stück weit egal, was die anderen denken. Ich war immer zielorientiert und fokussiert und auch, wenn es schwierig war, wusste ich irgendwie trotzdem immer, dass ich richtig bin, so wie ich bin. Meine Mutter hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass ich so selbstbewusst war. Sie hat all die Dinge, die meine Andersartigkeit ans Licht gebracht hat, absolut befürwortet und unterstützt. Sie stand immer hinter mir, auch wenn ich gefühlt aus der Reihe tanzte. Das hat sie instinktiv als Besonderheit erkannt und mich darin bestärkt, bis heute. Von Hochsensibilität oder Hochbegabung hatte sie damals genauso wenig Ahnung wie ich. Aber sie war immer da, wenn ich sie gebraucht habe.

Auch in meiner Jugend ging es mir nicht darum, mitzuziehen, zu rauchen oder zu kiffen. Die normalen Peergroups, die haben mich nie interessiert, da stand ich daneben. Ich wurde nicht oft eingeladen und beliebt war ich auch nicht, aber ich hatte immer eine Freundin und das reichte mir dann. Es war der Sport, der mir bis heute die Stärke gibt, meine Andersartigkeit auszuleben und meine Grenzen immer wieder zu verschieben. Auch, indem ich körperlich an meine Schmerzgrenzen gehe. Ich glaube, ein wichtiger Faktor, um erfolgreich mit diesem Gefühl von Anderssein umzugehen, ist der Rückhalt in der Familie, aber es ist auch wichtig, sich selbst Ziele zu setzen. Ich wollte immer vorne mitspielen, da konnte ich mich gar nicht verkriechen, auch wenn ich mit den meisten meiner Mitschüler nicht auf einer Wellenlänge war. Ich wollte Klassenbeste sein, und ich wollte mir beweisen, dass ich das schaffe. Wenn andere auf Partys waren, habe ich Vokabeln gelernt. Stillstand war nie meins. Ich gehe auf „Halbgas“, wenn die anderen schon laufen, und wenn ich anfange, Tempo aufzunehmen, dann können die anderen schon nicht mehr. Damit überfordere ich Menschen schnell. Inzwischen weiß ich, das ist eine Kombination von Hochbegabung und Hochsensibilität. In der Paarung knallt es ordentlich, aber es ist eine Paarung, die es mir ermöglicht hat, klarzukommen in der Welt. Weil ich mir Gebiete gesucht habe, auf denen ich Akzeptanz bekommen habe, und in denen es darum ging, „abzuliefern“. Ich habe auch angefangen Klavier zu spielen, meine Eltern hatten kein Geld dafür, aber mein Lehrer meinte, er spürt etwas bei mir, das er nicht verkommen lassen will. Diese Menschlichkeit und das Gespür für den anderen, das mir in meiner Kindheit so oft begegnet ist, hat dafür gesorgt, dass ich nach dem Abitur nicht wie die meisten dachte, „Gott sei Dank, endlich ist es vorbei!“ Nein, ich wollte zurück in die Schule, selbst Lehrerin werden und andere junge Menschen auf ihrem Weg in die Welt unterstützen. Ich hatte das Gefühl, dass die Schule der Ort ist, wo ich am meisten bewegen und die Gesellschaft ein Stück mitprägen kann.

Ich funktioniere auf der Herzebene

Das Studium habe ich ganz „straight“ durchgezogen und mir alles drauf gepackt, was ging. Psychologische Pädagogik hat mich besonders interessiert. Nach dem Referat bin ich auf dem Gymnasium gelandet und durfte direkt die Fachschaft in Spanisch entwickeln und aufbauen. Ich weiß heute, dass ich einfach über mehr Energie als viele andere verfüge, das Phänomen von Erschöpfung kenne ich nicht. Ich bin erschöpft, wenn nichts passiert, bei mir muss es immer "rattern". Inzwischen, als Mutter von zwei Kindern, merke jedoch auch ich, dass es Momente gibt, in denen ich runterfahren und mich regenerieren muss. Aber in der Schule fühle ich mich zuhause, ich mache die Tür der Klasse zu und denke: "Das ist meins!“ Die Beziehungsebene zu den Schülern steht dabei immer an erster Stelle. Mein Ziel ist, ihnen neben den Fachinhalten das mitzugeben, was sie als die Person, die sie ausmacht, in der Welt da draußen gebrauchen und weiterentwickeln können. Dass mir das so gut gelingt, fängt glaube ich schon damit an, dass ich auf der Herzebene funktioniere und den Kindern auf Augenhöhe begegne. Ich nehme sie so wahr, spüre sie vielleicht sogar, wie sie sind. Und ich habe das wirkliche Interesse an ihnen, ob es ein Kind in der fünften Klasse ist, in der Oberstufe, oder mitten in der Pubertät. Oft frage ich sie ganz direkt: „Was ist los bei dir?“ Dank meiner Hochsensibilität nehme ich die Schüler sehr genau wahr, sie müssen mir nichts vormachen und möchten es auch gar nicht. Ich hole mir aber auch regelmäßig Feedback von meinen Schülern ein, denn ich kann ihnen nur das geben, was sie brauchen, wenn sie ehrlich mit mir sind. Das ist ein Geben und Nehmen, das sage ich ihnen auch so. Die Rückmeldung ist oft, dass man bei mir mit Spaß unheimlich viel lernt. Ich denke mir dann, „Na klar, Spaß motiviert und bringt dich voran“, aber dass Schule keinen Spaß machen darf, das ist immer noch in vielen Köpfen drin.

Wenn andere Lehrer stöhnen, dann kann ich das nicht so gut ertragen. Wenn man sich diesen Job ausgesucht hat, dann darf man einfach nicht stehen bleiben. Die Welt und die Gesellschaft drum herum entwickeln sich weiter, das ist ganz normal. Ja, ich investiere viel, aber das zahlt sich auch aus. Lehrersein ist kein dankbarer Job, die Presse beschwert sich, die Eltern sowieso, aber wenn ich von den Schülern die Rückmeldung bekomme, dass ich innovativen Unterricht mache, dann ist das ein ganz tolles Kompliment.

Du darfst nicht nur Lehrkraft sein, sondern auch Mensch

Mit meiner Oberstufe habe ich zum Beispiel über die Vision „Schule in 20 Jahren“ gesprochen, da sagten sie, es müsste Fächer geben wie "Glücklichsein", „Positives Mindset“, und wie man es schafft, keinen Druck mehr zu haben. In den nordischen Ländern haben die sowas schon, das kann man belächeln, aber am Ende wollen doch alle glücklich sein, sich weiterentwickeln und ein gutes Leben führen, was auch immer das für den Einzelnen bedeutet. Wenn die Schüler acht Stunden in der Schule sitzen und das Gefühl haben, sie müssen nur leisten und abliefern, ohne Spaß dabei zu haben, dann sind sie schon jetzt Burnout gefährdet. Als Lehrer haben wir jedoch die Möglichkeiten, ihnen diese Schulangst zu nehmen und ihnen etwas an die Hand zu geben, für ihr ureigenes Leben. Vielen ist das aber zu anstrengend, die sagen dann lieber: „Buch Seite 38, lesen, verstehen, fertig!“ Fehlende Zeit ist ein beliebtes Argument, dann noch die Schulpolitik mit irgendwelchen Reformen. Corona hat das Ganze entschleunigt, ich fand das gut, aber was machen wir jetzt draus? Als ich nach dem Lockdown zurück in die Schule gegangen bin, ging es wieder nur um Input, Infos und Verordnungen. Ich bin in meine Klasse gegangen und habe erstmal gefragt: „Wie geht es euch? Und ich meine nicht, wo steht ihr gerade in Französisch, sondern wie geht es euch menschlich? Ich habe euch ein halbes Jahr nicht gesehen, ich bin so froh, dass ihr da seid.“ Da gibst du auch was von dir Preis, da musst du bereit sein, nicht nur Lehrkraft zu sein, sondern auch Mensch.

In der Schule gehöre ich heute, als Erwachsene, nicht mehr zu den Vorlauten. Ich profiliere mich nicht und ich möchte es auch nicht. Meine Bühne ist vor der Klasse, maximal, am liebsten stehe ich mit den Schülern auf einer Bühne. Hierarchie ist nicht meins. Ich sehe mich als Lehrerin eher in der beratenden und coachenden Funktion. Ich weiß vielleicht fachlich mehr und gebe den Input, aber diese Macht und den Notendruck, das lasse ich sie so wenig wie möglich spüren. Vielmehr gebe ich ihnen die Möglichkeit, aus ihnen selbst das herauszuholen, was geht. Ich gestalte meinen Unterricht zum Beispiel so, dass ich den Schülern die Möglichkeit gebe, solange an einem Thema zu arbeiten, bis sie es durchdrungen haben. Und wenn jemand glaubt, er hat es durchdrungen, dann schreibt er einen kleinen Test, aber ich schreibe nicht an einem fixen Datum einen Test für alle. Der eine braucht fünf Minuten, der andere drei Tage. Auf diese Weise forciere ich Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, denn die meisten können viel mehr als wir ihnen zutrauen. Ich kann meine Schüler loslassen, ich habe ein enormes Vertrauen, dass die das schon richtig machen, und sie missbrauchen dieses Vertrauen auch nicht. Der Mensch funktioniert so, dass er grundsätzlich etwas erreichen möchte, aber er braucht den richtigen Rahmen dafür. Wenn ein kleines Kind laufen lernen will, dann zieht man es nicht hoch, erst dann, wenn es laufen will, und wenn es laufen will, dann hält man es nicht fest. Doch was machen wir in den weiterführenden Schulen oft? Wir geben klare Vorgaben, von wegen „Jetzt liest du den Text“, „jetzt machst du Aufgabe x“, „jetzt arbeitest du mit dem Partner“. Dabei können die das schon sehr gut einschätzen, wonach ihnen gerade ist. Wenn sie einen blöden Tag haben, möchten sie vielleicht lieber Einzelarbeit machen und sind dabei am effizientesten. Natürlich kann auch ich nicht in jeder Phase immer alle bedienen, aber ich versuche grundsätzlich jedem Lerntyp gerecht zu werden und möglichst flexibel zwischen den Phasen zu switchen. In einer offenen Phase kann ich mich eigentlich um fast jeden kümmern, auch bei 30 Schülern. Wenn gerade niemand Hilfe braucht, setze ich mich hin und beobachte einfach ganz genau und mache mir Notizen. Dann frage ich vielleicht nach der Stunde noch mal: „Hey, was ist los bei dir, brauchst du Unterstützung?“, und zwar ohne ihn oder sie vor den anderen bloßzustellen. Von allen 30 Schüler*innen, die da vor mir sitzen, von denen hat jeder seine Besonderheit und seine Begabung, doch wir tun viel zu oft so, als wären sie alle gleich!

Ich bin gern der Sonnenschein

Ich versuche jedoch nicht, zu sehr auf das System Schule zu schimpfen, sondern immer wieder zu schauen, was ich ganz persönlich tun kann, damit es ein bisschen besser wird. Wie ein Stein im Wasser, der seine Kreise zieht. Ich kämpfe nicht, ich lege mich nicht an, ich mache mich auch nicht kaputt, sondern ich glaube an das, was ich tue und ich weiß, warum ich es tue. Ich gehe diesen Weg, ohne die Stolpersteine im Vorneherein zu suchen, sondern ich räume sie aus dem Weg, wenn sie mir begegnen. Ich habe einen Platz in dieser Welt gefunden, in der ich immer anders war, aber an diesem Platz fühle ich mich zuhause. Mein Partner sagt, ich bin wie Pippi Langstrumpf, ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Es gibt da einen gesunden Egoismus in mir, den ich mir zugestehe und der mir hilft, mich immer wieder zu sortieren und herauszufinden, was ich will im Leben. Wo soll die Reise hingehen und wen kann ich mitnehmen? Im schulischen Bereich bin ich davon überzeugt, dass ich die Kids mitreißen kann, weil ich authentisch bin, weil ich den Job lebe und liebe. Wenn ich privat einen schlechten Tag hatte, dann gehe ich in die Klasse und sage, „Ich habe einen richtig schlechten Tag gehabt, nimmt es mir nicht übel, es hat nicht mit euch zu tun.“ Ich bin aber auch gern der Sonnenschein, und vor allem achte ich darauf, zu jedem zu gehen. Zur Sekretärin zum Beispiel, sie ist das Herzstück der Schule, doch zu ihr kommen die Leute meistens nur, wenn sie etwas brauchen. Ich frage sie regelmäßig, wie es ihr geht. Ich habe ein Gespür dafür, wem ich gerade etwas Gutes tun kann, und davon profitiere ich andersherum auch wieder.

Der innere Antrieb hat mich zu der gemacht, die ich bin

Dass meine Andersartigkeit über meine Herkunft hinausging, das wurde mir erst als erwachsene Frau so richtig bewusst, als mir eine andere Lehrerin ein Buch zum Thema Hochsensibilität empfohlen hatte. Ich bin jemand, der gerne nach dem Ursprung für ein bestimmtes Verhalten sucht und ich möchte Kinder und Schüler in ihrer Andersartigkeit verstehen. Und dann habe ich mich selbst so wiedergefunden in dieser Thematik um die Hochsensibilität. Bis dato wusste ich nur um die Hochbegabung, damit hatte ich mich auch im Studium viel befasst. Ich wusste auch, dass ich jemand bin, der eine schnelle und hohe Auffassungsgabe hat, und ich habe mein „So sein“ oft in die Schiene geschoben, dass ich vom Kopf schnell funktioniere, aber dass es da ja auch noch die emotionale Schiene gibt, das war noch nicht präsent. Da kamen beim Lesen viele Emotionen hoch – eigentlich bin ich gar nicht so besonders, es gab nur keinen Begriff dafür. Es war buchstäblich nicht greifbar.

Ich war immer schon eine Querdenkerin, eine, die in den Raum geht und die Stimmung spürt, aber sonst sagt niemand etwas. Das war für mich normal. Ich habe auch immer wieder Sachen gewagt, wo andere gesagt hätten, „das gehört sich nicht“, „das ist nicht konform“, „das wird nichts“, aber ich bin immer ans Ziel gekommen. Die Vision hat mir die Stärke und die Kraft gegeben, an dem festzuhalten, was ich mir innerlich gewünscht habe, auch wenn mich im Außen viele für verrückt hielten und dachten, ich habe einen Knall. Natürlich fällt man auch mal auf die Nase, aber dann steht man wieder auf! Da ist ein innerer Antrieb, der mich zu der gemacht hat, die ich bin – familiär, beruflich, persönlich. Vielleicht war es das, was der Direktor damals an meinem ersten Tag in mir gesehen hat. Heute kann ich nachempfinden, wie das ist, wenn du einen Schüler oder eine Schülerin zum ersten Mal siehst, und sich sofort eine ganz persönliche Geschichte vor deinem inneren Auge entfaltet.

Mein Auftrag ist das Menschliche

Ich wünsche mir so sehr, dass sich Schule weiter dahin entwickelt, dass man Individuen wirklich wahrnimmt und nicht nur so tut, als ob. Dass man ihnen in der Schule eine Plattform für all diese Besonderheiten gibt, die sie mitbringen, um mit ihnen gestärkt ins Leben zu gehen – diese Vision verfolge ich in meinem kleinen Universum jeden Tag. Ich hoffe, dass wir nicht zu sehr in die Digitalisierung gehen, da wir sonst Gefahr laufen, dass das Kernstück, das Zwischenmenschliche, und was durch Smartphones ja sowieso schon immer weniger wird, endgültig verloren geht. Wenn das soweit ist, dann bin ich nicht mehr richtig. Mein Auftrag ist das Menschliche. Nur wenn die zwischenmenschliche Beziehung richtig intensiv ist, kannst du auch im fachlichen Bereich alles abrufen. Ich möchte nie damit aufhören, andere in ihrer Einzigartigkeit zu sehen und ihnen in der Schule einen geschützten Rahmen zu bieten, um diese angesichts des hohen Leistungsdrucks nicht verkümmern zu lassen. Alle Kinder kommen gut auf die Welt. Wir versuchen bloß immer, sie zu drücken, damit sie gut ins System passen.


Angelika Bobie unterrichtet Französisch und Spanisch auf einem Gymnasium in Schleswig-Holstein. Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und widmet ihre Freizeit am liebsten ihrer großen Leidenschaft Sport.

Dieser Artikel ist Teil des Blogs What's your Story - Hochsensibilität neu erzählt
Hier gibt Autorin und Story Coach Sabrina Görlitz hochsensiblen Menschen die Möglichkeit, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen und endlich gehört zu werden.

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