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Ruhe

Das weiße Blatt des Lebens

von Dr. Wiebke-Lena Laufer

Welch ein Segen in dieser hektischen und reizüberfluteten Zeit: Die innere Ruhe.

In Vorbereitung dieses Artikels erlebe ich das, was gemeinhin als „Schreibblockade“ bezeichnet wird. Die Inspiration will sich einfach nicht so einstellen, wie ich es mir und vor allem Ihnen(!) wünsche. Da hilft es auch nicht, an die frische Luft zu gehen, etwas zu kochen, schnell noch einen kleinen Einkauf zu erledigen und mich mit einem lieben Menschen über ein völlig anders Thema zu unterhalten. In den Momenten, in denen ich mit meinem Streben nach Inspiration pausiere, lugt jedoch etwas von irgendwoher hervor und bahnt sich seinen Weg in meine Bewusstheit. Es ist genau das Thema, über das ich in diesem Artikel schreiben möchte: Ruhe.

Nichts als Ruhe

In diesen Momenten, den „Zwischenmomenten“ zwischen meinem Denken und Handeln, ist sie einfach da, diese Ruhe. Nichts weiter als das: Sie ist da! Und ihre Gegenwart ist so wunderschön, so beruhigend, so friedenstiftend, zugleich so kräftigend und Gelassenheit spendend, ja geradezu Ehrfurcht gebietend, dass mir genau darin der Grund für meine Wortlosigkeit vor Augen geführt zu werden scheint: Worte können die Schönheit wahrer Ruhe nicht beschreiben. Sie zerschellen an ihrer stillen Macht. Allein ihre pure Gegenwart gebietet Stillschweigen. Überaus sanft und zugleich unmissverständlich klar durchzieht sie alles mit ihrer Lautlosigkeit. Wie also könnten Laute, Worte, Beschreibungen das greifen, was sich all diesen Kategorien natürlicherweise entzieht und was ihnen schlicht und ergreifend an Weisheit überlegen ist?

Kraft finden in der Stille

Nun aber lebt ein Artikel nun einmal von Worten und ich will es nicht unversucht lassen, etwas von der Schönheit dieses Phänomens, das wir als „Ruhe“ oder auch „Stille“ beschreiben, greifbarer zu machen. Ich will es allein deshalb schon nicht unversucht lassen, weil in der Hinwendung zur Ruhe – gerade in so bewegten Zeiten, wie wir sie derzeit erleben – eine unermessliche Quelle der Stärkung liegen kann. Je mehr es uns gelingt, buchstäblich die „Ruhe zu bewahren“, desto weniger greifen Sorge, Furcht und Angst, Traurigkeit, Perspektivlosigkeit und Verzweiflung sowie all die anderen vielfältigen Formen von Negativität um sich.

Die Sprache der Ruhe

Ich konzentriere mich also auf diese „Zwischenmomente“ der Ruhe, lasse mich an die Hand nehmen und warte, was mir dieses stille Phänomen über sich selbst wissen lässt. Und in der Tat scheint es, als würde diese Ruhe nach einer Weile hörbar werden. Und wenn ich achtsam lausche, kann ich wahrnehmen, wie sie mir Folgendes zuzuflüstern scheint:

„Ich bin wie ein weißes Blatt Papier. Ich bin der Hintergrund, auf dem die vielen Farben deines Lebens sichtbar werden. Da sind die bunten, strahlenden, kräftigen, leuchtenden Farben, die reine Freude versprühen. Daneben gesellen sich die zarten Pastelltöne, die wenig Aufsehen erregen, und gerade durch ihre Sanftheit eine besondere Schönheit zum Ausdruck bringen. Dann gibt es da noch das Wechselspiel aus hellen und dunklen Tönen deines Lebens, die erst im Zusammenhang mit dem jeweils anderen erkennbar werden. Wenn es nur helle Momente in deinem Leben gäbe, wie könntest du dir dann darüber bewusst werden, dass es auch die Dunkelheit gibt? Und wenn dort nur die Dunkelheit wäre, wie könntest du dann von Schönheit, Leichtigkeit, Lebensfreude und all den erhebenden Augenblicken wissen?

Ich, als das weiße Blatt, als Hintergrund, auf dem all diese Farben ihren Platz finden, erinnere dich an die Dimension des Unbewegten hinter all den Bewegungen deines Lebens. Ich bin und bleibe unverändert, unabhängig davon, wie leise oder laut du bist. Mein stilles, ruhiges Sein bleibt vollkommen unberührt von dem, was du tust oder unterlässt. Ich bin einfach da … und werde es auf ewig sein. Daran kannst du nichts ändern, selbst wenn du es wolltest. Die Wahl, wie du auf mich antwortest, liegt allerdings bei dir.

Mancher findet ein leeres Blatt schlichtweg langweilig. Was gibt es da schon zu entdecken? Schnell trägt er hier und dort Farben auf, ohne groß darüber nachzudenken. Sein Ziel ist es einzig und allein, dass das Weiß verschwindet. Eine Schicht über die andere trägt er auf, bis schließlich nichts mehr von solchen Zwischenräumen überbleibt, die noch von einem Weiß zeugen könnten, das einmal der Hintergrund gewesen war, vor dem jemand seinen Aktionismus ausgelebt hat.

Daneben gibt es jene, die erstarren, wenn sie auf das weiße Blatt schauen. Sie haben keine Ahnung, was sie damit anfangen sollen. Oft halten sie sich für wenig kreativ und wissen auch noch nichts von Können und Begabung, die in ihnen schlummern, und nur darauf warten, entdeckt und nach außen gebracht zu werden. Also versuchen sie es erst gar nicht, ihre Farben auf das Blatt zu bringen. Sie tun so, als gäbe es diesen Hintergrund nicht, der sie durch seine Präsenz zur Schaffenskraft einlädt.

Schließlich sind da noch diejenigen, die früher oder später auf das weiße Blatt aufmerksam werden, und es erst einmal nur kennenlernen wollen. Sie erkunden die Textur des Hintergrunds, seine Stärke und lassen sich erst einmal auf das ein, was dieses weiße Blatt sie vielleicht lehren könnte. Wenn sie genug davon haben, den Hintergrund lediglich zu erkunden, erschaffen sie Ideen dazu, wie er mit ihren Farben noch mehr zur Geltung gebracht werden könnte und beginnen, bewusst zu gestalten.

Du selbst kannst in jedem Moment neu wählen, ob du dich gelangweilt, bedroht oder inspiriert fühlen möchtest von mir, der Ruhe. Ich werde durch alles hindurch unverändert bleiben. Und das ist meine Einladung an dich: Nehme Zuflucht zu mir, wann immer du dich nach Geborgenheit sehnst. Ich bin der Stoff, aus dem dein Gewahrsein ist. Ich nehme dich bei der Hand und zeige dir, wie dein Leben zu einem einzigen Akt der Kontemplation werden kann. Ich bin es, die dich immer und überall aus den durchschüttelnden Bewegungen jeder Zeit an deine wahre Natur erinnert. Ich rufe dich zurück in deinen natürlichen Zustand des einfachen ICH BIN. Ich eröffne dir ein Tor zur Unendlichkeit, das du durchschreiten kannst, wenn du dich wieder auf dich selbst besinnen möchtest. Ich erinnere dich an deine eigene Herkunft aus dem Namenlosen und lasse dich deine eigene Unsterblichkeit schmecken.

Probiere es aus. Komm zu mir, wenn du bereit dazu bist. Wie sehr es auch um dich herum lärmt, ich werde da sein. Gehe mit deiner Aufmerksamkeit hinter das lauteste Geräusch, das du hörst. Dann gehe noch weiter hinter das nächste Geräusch und hinter das nächste und wieder das nächste. Auf diese Weise bahnst du dir deinen Weg durch allen Lärm hindurch zu mir. Wenn wir einmal Freunde geworden sind, du und ich, wirst du in mir auftanken können. Ich werde dich umsorgen und dich kräftigen, werde dir Klarheit schenken und dich inspirieren. Und dann wirst du wieder eine neue Farbe deines Lebens vor meinen weißen Hintergrund erstrahlen lassen. Komm zu mir, wenn du bereit dazu bist.


Zur Vertiefung des Lebensthemas „Ruhe“, zur eigenen Weiterarbeit und praktischen Anwendung:

Dr. Wiebke-Lena Laufer: Wege zum Ich. Klar, selbstbestimmt und kraftvoll leben, jkamphausen, Bielefeld 2019, S. 204-211.

Weitere Informationen zum Buch: wegezumich.com

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