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Memento Mori

von Christine Feldmann

Studium am Sarg

Nach einer Traueransprache beim anschließenden Leichenschmaus werde ich nicht selten gefragt: „Sagen Sie, Frau Feldmann, was haben sie studiert?“ Meine Antwort lautet stets: „Das Leben. Direkt am Sarg.“ Diese Aussage entspricht der Wahrheit, das galt für die vergangenen 22 Jahre meiner beruflichen Tätigkeit als freie, konfessionsoffene Rednerin und das gilt auch weiterhin, an jedem neuen Tag.

In meinem Beruf ist es unvermeidbar zu lernen. Über die Themen des Lebens, des Daseins, Menschen, Liebe, Freude, Familie, Freundschaft, Scheitern, Einsamkeit, Trauer, Gesundheit und Krankheit, Schulmedizin, Wunderheilungen, selbsterfüllende Prophezeiungen, bis hin zu Spontanremissionen. Warum Gutseinwollen nicht funktioniert, sofern man sich nicht wirklich seinem Schatten oder dem Schmerzkörper im Inneren gewidmet hat. Wie sich Verdrängungen der Vergangenheit auf die Gesundheit und das Leben auswirken, warum Geld allein nicht glücklich macht und intellektuelles Wissen nicht Lebenserfahrung ersetzt. Ebenso, warum Kirchenzugehörigkeit nicht Glauben oder besser Erfahrung Gottes im Inneren impliziert und was wirklich trägt im Leben, wenn alles wegbricht.

Warum Freude nicht von außen erzeugt wird, sondern aus dem Inneren quellt, warum wir eine Antwort finden müssen im Leben, auf das Sein, woher wir kommen, wohin wir gehen, uns mit dem Tod auf Erden auseinandersetzen, die Wurzel fast aller Ängste und ihn akzeptieren, willkommen heißen, um besser zu leben, am Ende auch das ewige Leben. Dass die Verantwortung für unser ureigenes Leben von niemandem als uns selbst übernommen werden kann und Phantasie und Staunen so wichtig sind; dass jung sein nicht eine Anzahl von Lebensjahren bedeutet, sondern lebendig zu bleiben, Zukunft zu haben. Dass Taten und gemachte Erfahrungen im menschlichen Dasein mehr zählen als jedes gut gehauchte Wort und der Körper, unser Gefährt zu Lebzeiten angefüllt ist mit Odem, Gott, das göttliche, wie ein Luftballon dehnt er sich aus  und beim Sterben verlassen wir einfach wieder diese Form, diese Hülle wieder, wie eine Raupe, die zum Schmetterling wird, wozu dann noch Angst? Dass wir Menschen meinen, eine Insel zu sein, doch wenn man den virtuellen Stöpsel zieht und das Wasser abfließt, wird klar, dass das alles eine einzige Illusion ist, die Trennungen, die Hierarchien auf der Erde. Dass die Einfachheit weit mehr Weisheit enthält, als alles intellektuelle Wissen. Ein Studium also, dass man an keiner Uni finden wird und bei dem man selber auch durch alle erdenklichen Facetten der Lebenserfahrung, meist ungefragt und zum unmöglichsten Timing, hindurchgepresst wird, das können sie mir glauben.

Ich habe Reden gehalten, die eigentlich unmöglich waren, z.B. wenn ich krank war, Schwindel, Schmerzen, am Morgen nicht ein Wort herausbrachte und dann ging es doch irgendwie, es gibt viele Erfahrungen, die mich aus der täglichen Komfortzone herauskatapultiert und geweitet  haben und ich möchte sie nicht missen. Niemals habe ich eine Rede abgesagt oder nicht gehalten in all den Jahren. Denn es ist immer eine Premiere, eine Vertrauensaufgabe und kann nicht wiederholt werden. Wenn nichts mehr geht, geht noch so vieles…

Meine Tätigkeit als freie Rednerin habe ich auch niemals als Arbeit im klassischen Sinne erlebt oder erfahren, sondern als meine Aufgabe, weil es eine Gabe impliziert, die natürlich jeder hat, in einem Bibeltext auf einem Grabstein in Hannover festgehalten: „Dienet einander, ein jeglicher mit seiner Gabe, die er empfangen hat.“ Dann fällt das Wort Arbeit weg, wir könnten es ersetzen durch ein neues Wort, wie Eckhart Tolle schon gesagt hat,  mein Vorschlag wäre:

Gabendienst.

„Ich gehe zum Gabendienst, ich mache Gabendienst….“ Das alles im Gesamtpaket impliziert die wirkliche Kunst des Lebens, die Lebenskunst, die Liebeskunst, die Sterbekunst zu erleben und mitzuerleben. Geburt, Hochzeit, Tod, drei sehr emotionale, intime und verbindende Stationen im Leben eines jeden Menschen. Der Weg, den wir alle gehen, gemeinsam und er scheint auch mit einer Aufgabe gekoppelt zu sein. Diese herauszufinden, jeder für sich, ist noch spannender.

„Eure Zukunft ist nicht dies oder das, ist nicht Geld oder Macht, ist nicht Weisheit oder Gewerbeglück. Eure Zukunft und euer schwerer Weg ist dieser: reif zu werden“. Hermann Hesse

Angefangen hat damals alles mit Trauerreden.

Freie Trauerreden

Heute „konfessionsoffene“ Trauerreden. Es dauert natürlich ein wenig, bis man sich etabliert, einen guten Ruf hat und ganz am Anfang, wenn ein Bestatter anrief und einen Termin für eine Trauerfeier anfragte, habe ich mir die Worte von Jesus immer gedanklich an die Seite genommen:

„Alles, worum ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.“Mk11,26

Zum Bestatter sagte ich dann: „Einen ganz kleinen Moment, ich schaue gerade mal in meinen Terminkalender, ob da noch etwas frei ist.“  Er war natürlich gänzlich leer, wie sie sich denken können. Die innere Einstellung und der Glaube an sich oder die erwählte Aufgabe sollte nicht wackeln. Pokern sie hoch, machen sie große Pläne. Kleine haben nicht die Kraft, das Blut von Menschen in Wallung zu bringen. Auf die Fragen von Kollegen, wie es denn so laufe, beruflich, habe ich ebenfalls optimistisch mit: „Oh, sehr gut, danke“, geantwortet, auch wenn Durststrecken dazwischen lagen.

Als freie Rednerin war ich damals Pionierin und als Frau eher eine Ausnahme, es gab fast nur Redner und auch die Kirchen hatten noch eine viel größere Akzeptanz und Selbstverständlichkeit, Zeremonien traditionell gestalten zu dürfen und der Blick auf uns „Konkurrenten“ war selten liebevoll. So habe ich in einer Kirche eine weltliche Ansprache gehalten, was per se schon keine Selbstverständlichkeit war und auch heute nicht ist, und die Küsterin hätte nach der „Heidin“, die ich in ihren Augen war, am liebsten die Kirche im Anschluss durchdesinfiziert. Bei den Trauerfeiern allein blieb es dann nicht, mein Tätigkeitsfeld erweiterte sich ohne mein Zutun. 

Vor etwa 15 Jahren wurde ich direkt von einer Beerdigung wegengagiert für eine freie Trauung. 

Freie Trauung

Ich sagte zu, wusste aber noch nicht, was das ist, eine freie Hochzeit also und recherchierte. Eine Zeremonie, die in Amerika schon etabliert war: „In Weiß heiraten, auch ohne Kirche“ Das habe ich später auch auf meinen Flyer gedruckt. Im Übrigen war noch etwas auf meinem Flyer, was nicht ganz den Tatsachen entsprach, aber jetzt nach so vielen Jahren als gelungen und bewiesen bestätigen kann. Die Dame der Werbeagentur sagte zu mir, ich solle doch freie, „anerkannte“ Rednerin draufdrucken lassen. Auf meinen Einwand, was das sei und überhaupt…,  behauptete sie: „Kein Mensch wird je nachfragen“.  Sie behielt recht und heute, nach so vielen Jahren, bin ich anerkannt. So kamen also die freien Hochzeiten dazu, wobei ich meiner Kreativität einfach freien Lauf gelassen habe.

Es dauerte danach gar nicht lange, da riefen mich Eltern an und fragten nach einer anderen  Art der Taufe, die dann "Fest der Namensgebung" genannt wurde für neu angekommene, kleine Erdenbürger.

Fest der Namensgebung

Die Familien, bei denen ich die Trauerreden gehalten haben, haben oft gesagt: „ Wie gut, dass sie auch was fröhliches machen.“ Ich erwiderte dann: „Es gehört alles dazu.“ Doch auf Trauerfeiern gilt es natürlich mehr das Schwere erträglich zu machen oder Schmutz in Perlen zu verwandeln,  mit den Kindern die Freude von ganz allein im Focus. „Ein Kind ist Liebe, die Gestalt angenommen hat. Es ist die kleine Hand, die in eine Welt zurück führt, die wir fast vergessen hätten“.

Feldmann_3

Die Zeremonien für die drei Stationen habe ich all die Jahre selbst gestaltet, mit Ritualen, meistens frei und individuell erfunden waren und „ learning bei doing“ betrieben. Von den Familien wurde mir von Anfang an stets ein großes Vertrauen und Offenheit, Öffnung entgegengebracht, ohne Masken! Das meiste im Leben kam zu mir, wie ein roter Faden. Und wenn sich jemand an mich gewandt hat, war es für mich klar, diese Aufgabe auch anzunehmen und zu erfüllen. Bestmöglich, das ist der dauerhafte Standard, der leicht zu erfüllen ist, indem wir die ganze Aufmerksamkeit, Präsenz, Bündelung, Freude, Liebe und Euphorie in den Moment geben, wie Eckhart Tolle es beschreibt, in das Jetzt. Mehr ist nicht nötig, mehr gibt es nicht zu tun.

Nach 20 Jahren beruflicher Tätigkeit  habe ich die 2019 die Akademie der freien Redekunst, gegründet, um selbst Redner/innen konfessionsoffen auszubilden und darf, worüber ich sehr glücklich und zutiefst dankbar bin, Gruppen 2 Mal im Jahr direkt auf dem Celler Stadtfriedhof in der sehr schönen Kapelle ausbilden, die Schulungen finden im angrenzenden Café statt, und das hat wiederum eine ganz eigene Qualität, anders als in einem Hotel oder Seminarhaus. Ein Beruf, eine Berufung, die besonders ist, ein Beruf, der Zukunft hat, ganz nah an den Menschen. Die Kirchenaustritte belegen die Tendenz und trotzdem haben wir immer mit Religion auch zu tun. Religionen, nicht gottlos, nicht heidnisch, nicht atheistisch, sondern verbindend, wertfrei, konfessionsoffen.

Ich durfte als Frau einmal vor 100 Iranern sprechen, auf einer Trauerfeier, auf Wunsch des Verstorbenen. Das war eine große Ehre. Das Geheimnis in diesem Beruf liegt darin, keine Kopie von anderen zu werden, sondern den eigenen Stil zu finden. Nicht Stoff vermitteln oder Informationen weiterzugeben, sondern das Wesentliche zu erlernen.

Menschen berühren.

Eine andere, gänzlich anders gestrickte Variante sind die Einzelausbildungen mit Hospitation unter der Woche, wo ich zusammen mit den Schülern in Familien fahre, sie mitnehme zu den Zeremonien und alles dazugehörige sehr individuell gestalte. Inzwischen gibt es ein 4-köpfiges Team der Akademie, neben mir eine Atem- und Stimmlehrerin, einer weiteren freien Rednerin und einer Seelsorgerin, und wir alle können und werden einiges mit auf den Weg geben. Wir bieten als Akademie der freien Redekunst auch Vorträge an zu verschiedenen aktuellen Themen der Rede- Lebens- und Sterbekunst, sowie Seelsorge, Gehgespräche auf den Friedhöfen oder in der Natur und konfessionsoffene Aussegnungen.

Inspiration ist und bleibt  somit unerlässlich.

Gelernt habe ich persönlich sehr viel von der säkularen Ethik des Dalai Lamas, (ich habe ihn persönlich in Hannover erleben und sprechen hören, unvergesslich diese Wärme und spürbare Liebe, die er aussandte) Rüdiger Dahlke, Karlfried Graf Dürckheim, Dorothee Sölle, Teilhard de Chardin, den Mystikerinnen des Mittelalters, Meister Eckhart, usw. Vor etwa 8 Jahren sah ich im Netz einen kleinen Beitrag, eine Sequenz von Eckhart Tolle und durfte auch ihn erleben während des Retreats 2019 in Deutschland, zusammen mit seiner bezaubernden und kraftvollen Frau Kim Eng, deren Satz: „ Man kann den Schmerzkörper auch zu Tode lieben“, bis heute wie eingebrannt ist.

Beim Hören der Bücher von Eckhart Tolle, dem „Jetzt“ und „Eine neue Erde“, war es wie eine Verknüpfung, ein Zusammensetzen der Puzzleteile, ein Wiederanklingen, ein Aufbrechen, tatsächlich brachen sich Tränen bahn, ein Erdrutsch, Heimat, Auflösen der Angst, unglaubliche Freude, so in etwa. In den Worten von Eckhart Tolle ist so viel Klarheit, Einfachheit, die Quelle wiederzufinden. Es bedarf keiner Religion, die Essenz ist in allen Religionen zu finden, doch auch ohne Rahmen gültig. Es bedarf keinen Führern, keinen Gurus, niemand muss Zuflucht nehmen, jeder einzelne hat „es“ bereits.  Erleuchtung ist so ein großes Wort geworden, dabei ist es absolut nichts elitäres, sondern eine „Jedermannhausaufgabe",  für die wir gar nichts tun müssen, der Akt der Gnade wir uns geschenkt, also ist es nicht nötig,  jahrelang zu meditieren, schon gar nicht viel Wissen ansammeln, das stört oft nur. Dorothee Sölle hat es so formuliert. „Es braucht eine „Entbildung“ der Gesellschaft. Das katholische Schwergewicht Thomas von Aquin beschrieb es folgendermaßen: „Das Leben steht vor der Lehre“.

Die schöne rote Postkarte stammt vom Retreat 2019 mit Eckhart Tolle.

Mehr denn je spüren wir Menschen es wohl jetzt gerade in dieser Zeit. Alles ist auf den Kopf gestellt. Eine neue Erde, Bewusstseinssprung statt Selbstzerstörung heißt die Aufgabe, die Eckhart Tolle ja auch bestens,  vollständig und abschließend beschreibt. Neue Unternehmensphilosophien gehören ebenso dazu wie Einzelentwicklung. Die Akademie der freien Redekunst hat sich auf die Fahne geschrieben, egobewusst und dadurch egoreduziert die anstehenden Aufgaben anzugehen. Kein „ich“ in den Vordergrund zu rücken, sondern ein „wir“.

Alleine wird addiert, zusammen multipliziert.

Kein besser, weiter, höher, schneller, sondern die Vertikale zu kultivieren, um sie dann in der Kreuzung mit der horizontalen Ebene, dem Leben auf der Erde, kraftvoll mit anderen zu teilen, an den drei wohl wichtigsten Schnittstellen des Lebens.

Geburt, Hochzeit, Tod.  

Wir freuen uns auf Sie und würden Sie gerne in dieser zukunftsweisenden Begabung oder Tätigkeit oder dem Gabendienst des freien Redners/in ausbilden.

Sprechen sie uns an.

Ein Studium, der besonderen Art wartet auf Sie und die Antwort auf die letzte Frage, die mir oft gestellt wird:„Kann man davon leben?“

„Ja“.

Ihre Christine Feldmann mit dem Team der   Akademie der freien Redekunst

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Seit 1999 ist Christine Feldmann hauptberuflich als anerkannte freie Rednerin an den drei Stationen Geburt, Hochzeit und Tod tätig. Gerne steht sie den Menschen auf kreative und ganzheitliche Weise an den wichtigen Meilensteinen Ihres Lebens, die Sie mit einem Fest beginnen, besiegeln oder abschließen möchten, mit ihrer Erfahrung und ihrem persönlichem Einsatz individuell, würdevoll und mitmenschlich zur Verfügung.

Sieben Verlage unter einem Dach - Kamphausen.Media aus Bielefeld mit den Imprints jkamphausen, Aurum, fischer&gann, Theseus, Lüchow, LebensBaum sowie der Tao.Cinemathek verlegt seit über 35 Jahren Bücher in den Themenbereichen Persönlichkeitsentwicklung, ganzheitliche Gesundheit, Meditation, Spiritualität und Psychologie. Unser Ziel ist es, mit unseren Produkten jeden Menschen auf seinem Entwicklungsweg in seinen Talenten und seinem Bewusstsein, seinem Glück und seiner Essenz bestmöglich zu unterstützen.
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