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Macht dank Sensitivität

Hochsensibilität neu erzählt, Episode 13

Claudia O’Hara Jung

Viele Menschen würden Macht und Sensitivität nicht in Zusammenhang setzen oder das eine mit dem anderen assoziieren. Eine zu hohe Sensitivität kann überfordern, dazu, dass man sich ihr ausgeliefert fühlt oder sogar ohnmächtig. Aber muss das wirklich so sein? Claudia O’Hara Jung hat sich beruflich und persönlich intensiv mit Macht und Selbstermächtigung auseinandergesetzt und kommt zu einem anderen Schluss. Die Geschichte der ehemaligen Anwältin ist ein mutmachendes Plädoyer für die Macht der Sensitivität.

Ich war ein fröhliches Kind, neugierig und laut, in vielerlei Hinsicht unbeschwert. Wenn ich mit unserem Hund stundenlang im Garten getobt habe, haben die Nachbarn über mich gesagt, ich wäre nicht normal. Das habe ich nicht verstanden, warum ein Kind, das mit seinem Hund im Garten spielt, nicht „normal“ ist. Ich habe vieles in Frage gestellt. Mit meinem Religionslehrer habe ich zum Beispiel über das „Nichts“ diskutiert, dass es nicht geht, dass da „nichts“ ist, denn das „Nichts“ muss auch irgendetwas sein. Mir war wichtig, über solche Dinge zu sprechen, auch wenn die anderen es komisch fanden. Ich habe auch nie verstanden, warum der Tod so schlimm ist, ich wollte meine verstorbene Oma sehen, durfte es aber nicht. Mein Vater war ein renommierter Jurist, der auf seine bestimmte Art Grenzen aufzeigen konnte, die ich dann zu akzeptieren hatte. Da habe ich früh gespürt, dass ich keine Macht habe. Die Macht hatten andere. In der Schule musste ich oft in der Ecke stehen oder andere seltsame Strafmaßnahmen absitzen, weil ich in den Augen der Lehrer zu laut und zu frech war. Positiv fiel ich vor allem durch meinen Sinn für Gerechtigkeit auf – so stand es im Zeugnis. Als ein Mädchen aus unserer Klasse gemobbt wurde, habe ich mir eines Morgens extra meine Holzclogs angezogen und den Mobbern damit gegen das Schienbein getreten mit der Ansage, dass sie das Mädchen endlich in Ruhe lassen sollen. Ich habe nie verstanden, warum jemand anderes wen anderes nicht mag. Ich wollte mit allen spielen und alles mit allen zusammen machen. Oft hatte ich das Gefühl, dass vieles im Leben so viel komplizierter war als die Art und Weise, in der ich das Leben verstand. Es leuchtete mir nicht ein, warum das Leben so kompliziert sein sollte, und warum es darin so viele Regeln geben musste.

Meine Arbeit machte mir Spaß – soweit ich Spaß damals definiert habe

Nach dem Abitur hätte ich gern Medizin studiert, aber den Plan ließ ich mir von meinen Eltern ausreden. Sie glaubten, dass Jura die bessere Wahl für mich wäre, sicherlich auch, weil mein Vater Anwalt war. Mein nach wie vor ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit war aber auch ein Treiber, von daher werfe ich niemandem etwas vor. Ich wollte mich für meine Ideale einsetzen, für Gleichbehandlung und für Gerechtigkeit. Meine Arbeit machte mir Spaß – soweit ich Spaß damals definiert habe. Ich habe mich meiner Rolle als Anwältin angepasst, aber ich habe geahnt, dass da „noch mehr“ geht. Wenn es darum ging, sich für einen Mandanten einzusetzen, zum Beispiel, wenn ihm durch einen Verkehrsunfall ein schwerer körperlicher Schaden zugefügt worden war, dann hat mir das auch wirklich etwas gegeben. Ansonsten kam ich mir wie ein reines Mittel zum Zweck vor. Manchmal habe ich versucht, vor Gericht eine andere Stimmung reinzubringen, etwas mehr Humor, etwas mehr Freundlichkeit und Leichtigkeit. Dann haben die anderen Beteiligten mich meistens angeschaut, als ob ich nicht ganz dicht bin. In deren Augen hatte das vor Gericht nichts zu suchen. Für mich war es nicht nachvollziehbar, dass das wahre Leben dort nicht stattfinden durfte und das war immer schwerer auszuhalten.
Irgendwann bekam ich starke Rückenschmerzen und fühlte mich andauernd gestresst. Eine Freundin empfahl mir, Kundalini Yoga auszuprobieren. Gleich nach der ersten Stunde habe ich gedacht: „Krass, was ist das denn?“ Ich hatte das Gefühl, als ob meine ganzen Sinne freigepustet worden wären. Ich nahm alles um mich herum viel lebendiger wahr, die Farben waren intensiver, mein Gespür war deutlicher, alles war auf eine gewisse Weise schärfer, so als hätte jemand einen anderen Filter auf meine Wahrnehmung gelegt. Es fühlte sich an, als ob sich durch diese große Distanz, die ich zu mir selbst entwickelt hatte, – dadurch, dass ich so viele Anteile von mir ignoriert hatte – eine dicke Staubschicht auf meine „Linse“ gelegt hatte, die durch diese Übungen weggewischt wurde. Das Bedürfnis, eine andere Art des Seins zu leben, kam immer stärker zum Vorschein. Ich habe dann mehrere Ausbildungen im Kundalini Yoga abgeschlossen. Darüber habe ich viele andere spirituelle Menschen kennengelernt, die ganz andere Lebenswege zurückgelegt hatten als die klassischen Ärzte, Anwälte und Architekten, mit denen ich sonst so unterwegs war. Diese Begegnungen haben meinen Horizont immer weiter geöffnet.

Yoga half mir, die Erfahrungen zu verorten

Ich habe zusätzlich eine Ausbildung in meditativer Heilkunst absolviert, in der ganz viel und bewusst mit den Sinnen gearbeitet wird. Das hat auch seinen Teil dazu beigetragen, dass meinen „zugeklebten Kanäle“ nicht nur freigespült wurden, sondern auch zunehmend stimuliert worden sind. Ich hatte einige besondere Erlebnisse in dieser Zeit, die ich als spirituell und mystisch beschreiben würde, aber ich habe sie zunächst für mich behalten und an die Seite geschoben. Ich hielt sie für Ausnahmen, und ich wusste auch nicht, wie ich diese Erfahrungen in meinen „normalen“ Alltag integrieren sollte – also habe ich versucht, diesen Bereich getrennt zu halten, bis es nicht mehr ging.
Eine sehr besondere Situation erlebte ich im Gerichtssaal, mitten in einem wichtigen Prozess. Ich hörte auf einmal, wie die gegnerische Anwältin über mich sprach: „Ich mache dich fertig, du wirst dich wundern!“ Der Tonfall war aggressiv, und ich habe mich richtig erschrocken. Ich habe mich rasch umgeblickt, um zu schauen, wie die anderen im Raum darauf reagierten. Die Richter und mein Mandant schauten ganz normal, als wäre nichts gewesen. Erst da wurde mir bewusst, dass die Anwältin gar nicht laut gesprochen hatte.
Ich war perplex, und gleichzeitig spürte ich ganz deutlich, dass ich mir ihre Worte nicht eingebildet hatte. Ich sprach mit meiner Yogalehrerin darüber, und sie meinte, dass ich wohl Gedanken gehört hatte.
Solche und andere Erlebnisse häuften sich. Immer häufiger hatte ich Vorahnungen und spürte ganz genau, was passieren würde, unabhängig davon, ob ich die Menschen um mich herum kannte oder nicht. Ich engagierte mich auch in der Politik und in vielen Treffen revolvierte mein körperliches System zunehmend. Es war, als ob meine Nerven blank lagen. Yoga war die Schnittstelle, die mir half, Erfahrungen dieser Art zu verorten. Kundalini Yoga ist das „Yoga des Bewusstseins“. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich nicht zu schnell zu tief gehe. Ich hatte nach wie vor meinen Alltag zu bewältigen, meinen Job zu meistern und meine Familie zu versorgen. Ich musste weiter funktionieren, und die gesteigerte Sensitivität musste von meinem Nervensystem auch gehalten werden. Das hat gedauert, bis ich mich wirklich darauf einlassen konnte, und manchmal habe ich auch damit gehadert. Wenn die Sensitivität zu viel ist, dann kann sie verwirren und überfordern. Da musste ich Verantwortung für mich selbst übernehmen, dass mich diese neuen Erfahrungen nicht völlig „wegbeamen“ und ich die Kontrolle darüber verliere. Die ausschließliche Zuwendung an das eigene Innenleben darf nicht zu viel Raum einnehmen, so wie es in der „spirituellen Szene“ oft üblich ist. Die Aspekte der Handlungsfähigkeit und der Selbstermächtigung, dieses Verantwortung übernehmen, in die Welt rausgehen und etwas mit den erlangten Kenntnissen zu machen, das ist mir wichtig. Du kannst viel Zeit hingebungsvoll in innere Prozesse investieren und es im Außen trotzdem nicht auf die Reihe kriegen. Dann überfordern dich schon Kleinigkeiten.

In Portugal wurde mir klar: Ich will in den Süden!

Diese Erlebnisse, die ich im Gerichtssaal und anderorts hatte, waren erste Weckrufe für mich. Meine innere Welt, meine innere Stimme und diese besondere Art der Wahrnehmung hatten sich immer weiter ausgebreitet und waren schließlich ausgebrochen. Es war an der Zeit, andere Wege einzuschlagen. Neben dem Yoga und der meditativen Heilkunst half mir eine Ausbildung im Karam Kriya, der angewandten Wissenschaft der Zahlen (yogische Numerologie), um besser zu verstehen, wo in meinem inneren Prozess ich mich gerade befinde. Das ist wie eine höhere Referenz, mit deren Hilfe ich mich und meine Erfahrungen besser einordnen konnte. Ich habe mich auch viel mit der Funktionsweise des Verstandes auseinandergesetzt, mit den verschiedenen Aspekten der Wahrnehmung, der Selbstregulierung und mit der Balance des Denkens und Fühlens. Das half mir zu verstehen, warum ich mich so fühlte, wie ich mich fühlte. Den Ausschlag für die größte Veränderung in meinem Leben brachte schließlich mein Aufenthalt in einem Ashram in Portugal bei meinem spirituellen Lehrer. Dort wurde mir klar:
Ich will in den Süden! Wieso lebe ich nicht da, wo die Sonne scheint und wo die Menschen fröhlich sind? Was mache ich eigentlich, wieso bin ich in diesem anderen Leben, wenn ich doch ein solches Leben leben könnte? In der Nähe des Atlantiks, in dieser spirituellen Verbindung, zeigte sich dieser Wunsch ganz deutlich. Ich rief meinen Mann an und erzählte ihm von meinen Plänen. Er kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich es ernst meine. Tatsächlich verflüchtigten sich meine Gedanken auch zuhause nicht, im Gegenteil. Ich wusste, dass ich so wie bisher nicht weiterleben konnte. Natürlich gab es viel zu klären – was würde aus unseren Jobs und auf welche Schule gehen die Kinder? Doch wir blieben dran und Stück für Stück sortierten sich die Dinge und das, was für viele anfangs unmöglich erschien, wurde schließlich möglich. Wir begannen ein neues Leben in Spanien an der Costa Blanca. Meine Eltern brauchten eine Weile, um unsere Entscheidung zu verdauen, und anfangs gab es viele Vorwürfe. Ich habe versucht, das zu verstehen, aber glücklicherweise hatte ich inzwischen gelernt, auch mich selbst zu verstehen.

Ich weiß nicht, was ich wirklich brauche, wenn ich es nicht spüre

Dieses Verständnis für uns selbst und andere kommt durch Selbsterfahrung, dadurch, dass ich etwas in meinem eigenen Leben erfahre und bewusst bemerke, wie es mir damit ergeht. Ich weiß nicht, was ich wirklich brauche, wenn ich es nicht spüre und durch das Leben im Außen Feedback bekomme. Ich muss das Leben buchstäblich leben, meinen Körper und mein System mit der Dynamik des Lebens verbinden, und das geht nur über die eigene Erfahrung. Die Erfahrung ist die Brücke, das, was tatsächlich stattfindet. Ich gehe dabei nach wie vor Schritt für Schritt vor. Ich versuche derzeit zum Beispiel nicht, bewusst Gedanken zu hören, das ist mir zu abgefahren. Allein die Vorstellung, dass ich durch die Welt gehe und Gedanken höre – Was würde ich dann damit machen? Ich bin neugierig darauf, aber ich lasse mir Zeit damit.
Es gibt Pfade, innere Strukturen oder innere Grenzen, die ich mir selbst setzen kann. Ich kann sagen, „in dem Raum bewege ich mich jetzt, darum geht's jetzt gerade!“ Das hilft mir, den Fokus zu halten und ins Handeln zu kommen und nicht nur von Veränderung zu träumen. Das Subsummieren und das Runterbrechen, das habe ich aus dem Jura-Studium mitgenommen, und ich kann diese Logik heute mit der Sensitivität verbinden und auch mit yogischen Inhalten füllen. Dann sind es nicht nur leere Inhalte, sondern lebendige Inhalte – weil ich sie selbst in meinem Leben erfahren habe. Nur dann kann ich auch authentisch mit anderen Menschen darüber reden, beraten und unterrichten. Dann traue ich mich zum Beispiel, jemanden zu sagen, dass er sich von bestimmten Ideen verabschieden muss. Aber nur, weil ich genau weiß, was das bedeutet. Zum Beispiel, weil ich weiß, was das für ein Schmerz ist, wenn du erkennst, dass dein Umfeld dich gar nicht so sieht, wie du wirklich bist, sondern nur die Rolle, die du spielst. Dadurch entsteht viel Mitgefühl, aber auch genau dieser Mut, den es braucht, um das anzusprechen. Ich bringe auch eine gewisse Bestimmtheit und Strukturiertheit mit, da kommt durchaus die Juristin in mir wieder zum Vorschein. Ich bin spirituell und bodenständig. Das eine schließt das andere nicht aus, vielmehr kann das eine dem anderen dienen.

Ich weiß nicht, wo der Weg hinführt, aber ich weiß, dass er richtig ist

Als wir in Spanien ankamen, habe ich die ersten zwei Jahre sehr wenig gemacht. Ich habe darauf geachtet, mich wieder in die Mitte zu bringen und den Switch gut zu verarbeiten. Ich war müde und brauchte ganz viel Ruhe. Natürlich habe ich mich auch um meine Kinder gekümmert und sichergestellt, dass sie gut ankommen in unserem neuen Leben. Dann habe ich langsam meinen Radius erweitert, bin mal dahingefahren und mal dorthin, und schließlich habe ich immer mehr Zeit mit meiner heutigen Geschäftspartnerin Silvia verbracht, die in Alicante ein Yoga- und Achtsamkeitszentrum führte. Ich fing an, dort zu unterrichten und schließlich überlegten wir, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Wir hatten ähnliche Ansichten über die Welt und wollten etwas erschaffen, das anderen Menschen helfen kann. Wir haben geschaut, an welchen Stellen wir uns überschneiden und wo wir uns ergänzen können, und daraus formte sich die Gründung unserer Sun & Spirit Academy. Es fühlte sich an wie etwas, das längst da war, und dem wir nur noch eine Form gegeben haben. Es ist spannend, mit einer anderen Frau zusammenzuarbeiten und das bewusst und achtsam zu tun. Wir haben bis heute keinen internen Vertrag miteinander, ein Umstand, über den jeder Anwalt den Kopf schütteln würde. Das Vertrauen ist einfach da. Auch wenn ich nicht weiß, wo der Weg noch hinführen wird, ich weiß, dass er richtig ist. Ich möchte mich in meiner Arbeit zunehmend auf das Thema Selbstermächtigung für Hochsensible spezialisieren. Ich weiß, dass viele mit dem Begriff „Macht“ negative Assoziationen verbinden, aber ich nutze ihn trotzdem ganz bewusst. Daher heißt auch mein Buch, das ich gerade fertigstelle, „Empower yourself – mehr Freude, Kraft und Leichtigkeit dank Meditation und anderer Schlüssel“.

Ein Plädoyer für die Macht der Sensitivität

Macht kommt von machen. Sensitivität ist nicht grundlos da. Es geht darum, etwas mit ihr zu machen, darum, sie sinnstiftend einzusetzen. Wenn du das machst, dann geht es dir immer besser. Wenn du deine Sensitivität nutzt, dann tut dir das gut, denn du trennst nichts von dir ab. Wenn du lernst, souverän mit ihr umzugehen, dann wirst du immer kraftvoller, gleichzeitig immer ausgeglichener und entwickelst immer mehr Fähigkeiten. Bei dem einem ist es das Spiel mit dem Wort oder die Qualität des Zuhörens, bei dem anderen die Hellfühligkeit oder eine vernetze Art der Wahrnehmung. Fakt ist, du wirst immer präsenter und klarer und hast immer mehr Möglichkeiten - umso mehr Möglichkeiten du hast, desto wichtiger wird auch deine Verantwortung, dir selbst und anderen gegenüber. Wenn du weißt, dass du diese Möglichkeiten hast, kannst du sie nicht mehr ignorieren. Du spürst sie. Wenn du sie ignorierst, weißt du genau, du ignorierst einen Teil von dir und etwas, das dir vom Universum geschenkt wurde. Du schiebst es in eine Schublade, weil du jetzt keine Lust drauf hast – aber das funktioniert nur kurzfristig. Der Druck wird immer größer, und schließlich wirst du krank oder gerätst in eine tiefe Krise. Also nimmst du die Sensitivität wieder heraus und beginnst, mit ihr zu handeln. Du siehst, wie du Erfolg hast, wie du Fülle manifestierst, und du lernst jedes Mal mehr darüber, wie es läuft, wie es funktioniert und du kommst in eine Position, in der du dich zunehmend sicher fühlst und vertraust, anstatt verunsichert zu sein. Das ist Macht, wenn du im Einklang mit deiner wahren Bestimmung handelst. Das ist der Punkt, der mir wichtig ist und den ich unbedingt unterstreichen möchte – Macht ist keine Ego-Nummer, es geht vielmehr darum, im Fluss des Schöpferischen zu sein, an das Angebunden-sein in diesen Kreislauf. Das ist für mich, was Macht auszeichnet, weil du dann viel mehr Raum einnimmst, deinen eigenen Raum, und du kannst im Leben viel mehr bewegen, erschaffen und verändern. Dafür fällt mir kein anderer Begriff ein als Macht!

Ich wünsche mir, dass wir uns als Menschen wieder viel mehr auf das Wesentliche besinnen, darauf, was wir wirklich brauchen und dass wir uns nicht scheuen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle Antworten in uns tragen und auch die Fähigkeiten, um sie zu bergen. Wenn du diese Sensitivität hast, dann findest du auch die Antworten, denn du verfügst über dieses sensorische „Empfängersystem“, du musst es nur anschalten und entsprechend handeln – mit all der Verantwortung, die das mit sich bringt. Ich denke, dass die sensitiven Menschen Vorreiter sind, weil sie schneller spüren, wo es langgeht, schneller die Feinheiten und die Signale erkennen. Das bringt sie in eine übergeordnete vernetzende Position, vorausgesetzt, sie sind gewillt, diese verantwortungsvoll zu besetzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sensitivität im vollen Maße funktioniert, wenn sie der dunklen Seite dient. Ich glaube wirklich, dass die Sinne ein Kanal des Göttlichen sind und das Licht und die Impulse nur frei fließen können, wenn du auf der „richtigen“ Seite bist. Für den Weg zurück ins Licht brauchen wir die Sensitivität. Wenn der oder die Einzelne sich bewusst macht, über welche Qualität er oder sie verfügt, dann zeigt sich dieser Weg, und wenn wir ihn individuell und kollektiv verfolgen, dann kann ganz viel Neues entstehen.  

Eine wahre Geschichte über die Macht der Sinne

Manchmal spüre ich auch noch einen Widerstand gegen manche spirituelle und oder feinfühlige sensitive Entwicklungen, aber inzwischen weiß ich, dass der Widerstand nichts bringt. Das ist okay, wenn es etwas dauert, dein ganzes System muss erst einmal nachkommen. Ich möchte dir zum Schluss eine kleine Geschichte erzählen:
Vor gut zwei Jahren habe ich hier in Spanien den Duft eines Pferdes wahrgenommen, obwohl nirgends ein Pferd in der Nähe war. Ich fragte die Menschen um mich herum, ob sie es auch riechen konnten, aber ich erntete nur irritierte Blicke. Ich hätte es abtun können, als etwas, das nicht sein kann, eine Sinnestäuschung oder einen Streich, den mir meine Wahrnehmung spielt. Doch ich spürte intuitiv, dass mich irgendwo ein Pferd ruft. Ich hatte früher selbst eins gehabt, aber das war lange her, und eigentlich dachte ich nicht mehr an Pferde. Doch der Geruch blieb tagelang, und als meine Freundin mich fragte, ob ich sie nicht einmal in den Stall begleiten würde, in dem ihr Pferd untergebracht war, sagte ich sofort zu. Ich wusste, dass ich dort auf das Pferd treffen würde, das nach mir gerufen hatte. So war es dann: Ein kleiner andalusischer Hengst, der über eine Tierschutzorganisation in Obhut genommen worden war und darüber in diesem Stall gelandet war. Es war wie im Film – zwischen mir und diesem Pferd entstand sofort eine tiefe Bindung, beziehungsweise muss sie schon vor unserer Begegnung dagewesen sein. Es war ein magischer Moment, wie er dort stand und mich ansah, die Ähnlichkeit mit meinem früheren Pferd war verblüffend. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich durfte ihn über ein Jahr lang reiten, bevor er im Zuge der Pandemie den Besitzer wechselte und in einen neuen Stall zog. Die Zeit, die ich mit ihm verbringen durfte, hat mir so viele Freude bereitet und sie hat mir auch energetisch total gut getan. Eine Zeit, die ich mir und uns verwehrt hätte, wenn ich der Macht meiner Sensitivität nicht getraut hätte. Unsere Sinne können uns ganz neue Wege aufzeigen – zu uns selbst und anderen. Wenn wir ihnen die Möglichkeit dazu geben.


Claudia O’Hara Jung kommt aus der Nähe von München und lebt heute mit ihrer Familie in Alicante. Mehr über Claudia und ihre Sun and Spirit Academy an der Costa Blanca erfahrt ihr hier: https://sunandspirit.eu/

Dieser Artikel ist Teil des Blogs What's your Story - Hochsensibilität neu erzählt
Hier gibt Autorin und Story Coach Sabrina Görlitz hochsensiblen Menschen die Möglichkeit, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen und endlich gehört zu werden.

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