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Erinnerungen an die Zukunft

von Mechthild Rex-Najuch

Aus der Gegenwart Zukunft schaffen - ein Tanz in die richtige Richtung.

Das leise „Ping“ meines Smartphones lenkt mich von meinem Text ab. Nur kurz, so scheint es zumindest. Die Störung meines Schreibprozesses lässt mich kurz innehalten, und noch während ich denke: „Oh nein, Stummschaltung vergessen“, erhascht mein Blick einen wundervollen Moment. Ein kurzes Video auf meinem Smartphone. Das kleine Mädchen in dem Video bewegt sich selbstverständlich wie eine Dirigentin. Ob die hinterlegte Musik wirklich gelaufen ist, kann ich nicht beurteilen. Sie passt in jedem Fall zu ihren Bewegungen. Oder ist es umgekehrt? Passen die Bewegungen zu der Musik?

Was lässt mich so gebannt auf dieses Mädchen schauen, die mit geschlossenen Augen dirigiert? Sie ist wunderschön. Bewegt sich viel erwachsener, anmutiger, als es für ihr Alter üblich wäre. Kindliche Unschuld zieht mich in ihren Bann. Und in mir formt sich die Frage: Woran erinnert sie sich? Irgendwie wirkt sie, als schwelge sie einer wundervollen Erinnerung.

Sehnsucht nach Zukunft

Ich kann nicht anders, als diesen Satz zu verfolgen. Ist es ihre Selbstversunkenheit oder ihre Selbstvergessenheit, mit der sie den Moment lebt, der mich unmittelbar mit Freude und Staunen erfüllt? Sie trifft auf meine Sehnsucht, eine Zukunft zu erschaffen, die genau so sein soll. Schön, intensiv, lebendig – und vor allem selbstverständlich.

Vergessen ist mein Text, vergessen das, was jetzt terminlich drückt. Präsent ist nur der dringliche Moment, der mich an das Wesentliche erinnert: aus der Gegenwart Zukunft schaffen.

Zukunft erschaffen – ganz selbstverständlich

Was wäre, wenn die Zukunft eine Erinnerung wäre? Welche Momente würde ich sammeln und zu einem großen Bild zusammenfügen?

Welch großartiges Motiv, aus Schönem etwas Neues zu erschaffen. 

Noch während ich weiterträume, ertappe ich mich, wie mein Blick in die Ferne schweift. Zum Horizont, als läge die Zukunft dort hinten. Zumindest kann ich zu diesem Zeitpunkt den Silberstreifen erkennen.

Und dann beginnen sie, meine Erinnerungen an die Zukunft.

Die Macht der Perspektive

Ich erinnere mich an den Film von Claudia Nye: „Covid, Tango and The Lagom Way“.  Er beginnt mit dem Satz: „Seit Monaten tanze ich Tango mit meiner Heizung.“ Die Suche nach Kontakt – davon lebt der argentinische Tango. Im Moment ist es eine Suche ohne Antwort.

Ein wenig traurig schaue ich auf den Text, der unter diesem Kunstwerk steht: „Aktuelle, wissenschaftliche Informationen finden Sie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.“ Und direkt darunter: „Weitere Informationen zu den Fortschritten bei der Impfstoffentwicklung vom Bundesministerium für Gesundheit.“

In mir bildet sich Widerstand. Darum geht es doch gar nicht in diesem Film. Es geht um die Rettung der Kunst, des Hoffens, der Kinder, um die Rettung des gemeinsamen Denkens statt des gemeinsamen Fürchtens. Kollektives Bewusstsein kann auch im Angesicht einer Pandemie konstruktiv erschaffen und sich über den Notstand in einen Zustand bringen, der eine Perspektive bietet. Eine, die später kommt. Und genau darum geht es doch, dass wir eine Perspektive haben, eine Aussicht auf ein Ende. Ohne diese Aussicht ist eine Krise unerträglich.

Auch wenn sich die Dinge in Schweden inzwischen anders entwickelt haben, als es zum Zeitpunkt der Dokumentation aussah – es geht um den Spirit. Um den Mut, nach vorne zu schauen und etwas zu wagen und zu benennen. Es geht auch darum, weiterzumachen mit dem Leben und dem, was es ausmacht. Daran erinnert mich dieser Film, und deswegen möchte ich ihn mitnehmen in die Zukunft.

Tango und die Pandemie

Wie gerne würde ich auf eine Milonga gehen. Undenkbar. Ich tanze weiterhin Tango mit der Pandemie – ein vertrautes Gefühl. Und dann merke ich: Irgendwie ist es wie Tango tanzen mit der Zukunft und mit meinen Erinnerungen. Argentinischer Tango, der Tango, wo es nur ums Fühlen, Führen und Mitgehen geht. Der, wo es weder Absprachen braucht noch komplexe Choreografien. Der, wo man sich begegnet, mit dem, was gerade da ist. Mir fallen andere Tangos ein, Improvisationen, Workshops und die Sehnsucht, die mit diesem Tanz verbunden ist. Einfach so sein können, wie man ist, voller Hingabe. Eine gute Erinnerung an die Zukunft. Auch die nehme ich mit.

Mir gehen die kreativen Prozesse mit Ignasi Blanch durch den Kopf und ich weiß, dass ich sie dabeihaben will. Auch sie fühlen sich an wie eine Erinnerung an die Zukunft. Mir fällt unsere „Violetta und der Storch“-Geschichte ein.  Violettas Sehnsüchte nach Realität erwachen bei ihrem Tanz mit Leonardo.

Was wir vom argentinischen Tango lernen können

Die Regeln des argentinischen Tangos sind genau die, die wir brauchen, um uns zu bewegen und zu verändern. Ganz egal, was mit der Pandemie gerade passiert oder in Zukunft geschehen wird. Es geht darum, nur das Notwendige zu tun, und das konsequent. Wir tanzen langsam, vorsichtig, lauschend, immer in der Aufmerksamkeit für die größere Gemeinschaft und unter Einsatz von Vertrauen unserem Partner gegenüber.

Wie wäre es, wenn wir auf Abstand so miteinander umgingen? Welche Zukunft könnte sich daraus entwickeln? Wie wäre es, wenn wir als Gemeinschaft unentwegt diesem Tanz folgten und so unmerklich, ganz nebenbei, die Perspektive erschaffen würden, nach der wir uns alle sehnen? Ich möchte diese neuen Werkzeuge gleich anwenden.

Werkzeug für das neue Narrativ – Erinnerung an die Zukunft

Als ich begonnen habe, diesen Text zu schreiben, war nur dieser Satz da: Erinnerungen an die Zukunft. Ich tanzte mit ihm, langsam, vorsichtig und wusste nur, dass er mich anzog. Je mehr ich mich ihm annäherte, desto schillernder wurde er und ich vertraute darauf, dass er ein guter Partner sein würde, dieser Satz. Er führt mich dahin, dass ich eine Zukunft habe. Dahin, dass ich eine Zukunft erschaffen kann und sie schön sein kann. Daraus folgte eine Erinnerung an den ersten Blog aus dieser Reihe. Zu dem damaligen Zeitpunkt war mir klar, dass ich vollkommen neue Wege gehen muss, um ein neues Narrativ zu erschaffen. Ich würde etwas hergeben müssen, nämlich all die Daten, die meine Zukunft verhindern.

Nur, offensichtlich kann der menschliche Geist nur schwer vollkommen aus dem Nichts etwas erschaffen. Und wie sehr würden alte Erfahrungen diese neuen Elemente färben? Um das so gering wie möglich zu halten, müsste ich neue Bedeutungsrahmen entstehen lassen und mir bei jedem Schritt über die ersten 90 Sekunden bewusst sein. Jene Zeitspanne, in der mein Gehirn bei allem Neuen einen Botenstoffcocktail für Gefahr zur Verfügung stellt – zu meinem Schutz. Dabei habe ich den Blick auf die größere Gemeinschaft und erkenne: An diesem evolutionären Rest komme ich nicht vorbei.

Kann ich wirklich eine Zukunft erinnern? Das scheint unmöglich. Mir fällt meine Frage vom letzten Mal ein: „Was, wenn es [doch] möglich wäre?“ Dann müsste ich einen Teil meiner Gegenwart mitnehmen, und zwar den, der mich erfüllt und hoffen lässt. Und dann tanzt mein Satzpartner mit mir, fordert mich auf, den Erinnerungen an die Zukunft zu folgen.


©Jochen Quast

Mechthild Rex-Najuch schreibt seit ihrem 15. Lebensjahr. Ihr Interesse an Menschen lebt sie nicht nur als Therapeutin aus, sondern sie beobachtet und hört auch privat genau zu. Zwischen Patienten, Fachbüchern, Romanen und Kurzgeschichten verfolgt sie das Ziel, Inspiration und Kreativität als selbstverständliche Einflüsse zur Problemlösung zu nutzen. Diesem Aspekt will sie mit diesem Blog ein eigenes Gesicht geben.
An dem Fachbuch Hochsensibilität, das 2018 bei Fischer & Gann erschienen ist, hat sie maßgeblich mitgewirkt. 

Jutta Böttcher, Herausgeberin und Co-Autorin des Fachbuchs für Hochsensibilität, widmet sich bei Aurum Cordis ebenfalls dem elementaren Thema "Zukunft erschaffen". Weitere Beiträge und Informationen rund um das Projekt BEYOND REALITY findest du hier. 

Mechthild Rex-Najuch ist auch in den sozialen Netzwerken vertreten:

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