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Eine Welt ohne Geld

Ein philosophischer Spaziergang

von Mechthild Rex-Najuch

Plötzlich scheint sie vorbei zu sein – die Pandemie. Das Leben fühlt sich normaler an. Man geht wieder aus, fährt in den Urlaub, und shoppen kann man auch wieder. Ist das alles, was wir brauchen? Daneben bündelt die Fußball-EM einen großen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Das erinnert mich an das Prinzip von Brot und Spielen. Der Ausdruck stammt aus dem satirischen Werk des Römers Juvenal und beschreibt die Strategie, mit inszenierten Großereignissen von den bestehenden wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Und mal ehrlich, es ist wirklich sehr angenehm, nicht nur von der Pandemie dominiert zu werden. Wir atmen kollektiv auf.

Manch einer macht sich noch Sorgen. Heimlich oder zumindest nicht zu laut. Neue Virusvarianten bringen kontrolliert erscheinende Unruhe mit sich. Doch wir machen einfach weiter und haben Ansprüche an unser Leben, deren Erfüllung uns irgendwie zusteht. Mich treibt dabei ein Gedanke um: Die letzten Monate haben unglaublich viel Geld verschlungen. Das muss zurückfließen. Und genau genommen ist das Geld nicht da, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Die Konsequenz ist ein Leben auf Pump. Es wird nicht exakt über die Kosten der Pandemie gesprochen. Die eine Expertengruppe fürchtet den wirtschaftlichen Kollaps, die andere sehnt ihn nahezu herbei, in Erwartung einer neuen, besseren Welt. Derweil breitet sich in mir ein anderer Gedanke aus: Wie wäre eine Welt ohne Geld? Schließlich gab es eine lange Zeit ohne Banken, ohne Geld. Man tauschte einfach.

Eine Welt ohne Geld

Wenn also ohnehin nicht genug Geld da ist, wäre das nicht der richtige Zeitpunkt, sich mit der Abschaffung von Geld zu beschäftigen? Wäre diese lange Zeit der Beschränkungen nicht eine gute Möglichkeit, Dinge grundsätzlich zu verändern? Sie zu verbessern? Einfach, weil wir es könnten? Eine Welt ohne Geld – der Satz klingt gut. Ist er es auch?

Viele Theorien und Modelle dazu hat es schon gegeben, und immer sind sie daran gescheitert, dass irgendjemand mehr wollte als die anderen. Ist das ein Teil von uns, den wir nicht ablegen können? Persönlich denke ich, dass jede Arbeit ihren Wert hat und auf die eine oder andere Art unverzichtbar sein kann. Wozu brauchen wir also Geld, und warum brauchen einige mehr davon als andere? Wir haben von allem genug, viel mehr, als wir wirklich brauchen können – und doch wollen wir mehr. Seltsam. Ist das ein Naturgesetz?

Selbstverbesserung – ein Naturgesetz?

Das Streben, sich zu verbessern, liegt schon in unseren Genen. Selbst ein Virus strebt danach, seine eigene Fitness zu verbessern, um gut überleben zu können. Alles, was unsere Zivilisation ausmacht, entspringt diesem Streben. In der Natur scheint es mir so zu sein, als diene alles dem gegenseitigen Vorteil. Ein bestechender Gedanke. Wie es wohl wäre, wenn wir es auch in der Zivilisation so machten? Welche Art Menschlichkeit könnte entstehen? Gerne würde ich Dich dazu einladen, diese natürliche Sicht zu erspüren.

Einladung zu einem Waldspaziergang

Die alten Griechen gingen immer umher, wenn sie nachdachten, und vertraten die Überzeugung, dass sie so besser denken können. Tatsächlich spricht auch nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis sehr viel dafür, dass sie damit recht hatten.

Du und ich, wir treffen uns also am Berghang, direkt am Waldrand, und ich hoffe, Du hast gute Schuhe an. Die Tage mit Dauerregen haben den Boden aufgeweicht und ich möchte mit Dir gemeinsam denken können, ohne dass Du beim Gehen mit dem Boden kämpfen musst. Wir gehen los. Zu Beginn unseres Weges geht es nur leicht bergauf.

Siehst Du die Eiche vor uns? Groß, dick, uralt steht sie da. Sie bekommt ihre Nahrung aus dem Boden und aus der Luft. Dafür ist sie Vögeln ein Rastplatz und bietet Schatten.

Selbstverständlicher Austausch

Die Eiche ist im Austausch mit der Welt – ganz selbstverständlich. Sie hält nie die Hand auf, weil sie etwas zur Verfügung stellt. Unabhängig davon, dass sie keine Hände hat, ist sie erwartungsfrei und einfach da. Ein köstlicher Zustand. Einer, den wir längst verloren haben.

Schau auf Dich selbst und stell Dir die Frage, welche Erwartungen Du an das Leben hast, an Deine Kollegen, Freunde, die Familie, Deinen Chef, die Gesellschaft, an Dein Bankkonto und an Dich selbst. Da kommt sicherlich einiges zusammen.

Kannst Du den köstlichen Duft des Waldes riechen? Die Ausdünstungen der Bäume, also ätherische Öle, stimulieren unser Immunsystem und lassen uns besser in der Welt bestehen.

Vögel, Mücken, Eichhörnchen, Blumen – sie alle haben eine Funktion im Wald und füreinander. Wie könnten wir das auf uns übertragen? Wir leben aus Beziehungen und in Beziehung mit der Welt – kann es da um einen Anspruch auf Urlaub gehen, darum, weit reisen zu können? Endlich mal wieder auszugehen oder zu shoppen?

Siehst Du die Pilze dahinten? Pilze entlasten und versorgen mit ihrem riesigen unterirdischen Wurzelnetzwerk ihre Umgebung. Was tun wir, um uns zu versorgen und zu entlasten? Brauchen wir dazu Geld oder geht das ohne?

Die 5 Regeln meiner Großmutter

Während wir quer durch das Unterholz gehen, möchte ich Dich mit den Regeln meiner Großmutter vertraut machen. Achte derweil darauf, wohin Du trittst. Der Weg braucht unsere ganze Aufmerksamkeit, denn wir gehen absichtlich nicht dort, wo alles vorgeebnet ist. Damit unterstützen wir unseren Denkprozess.

Meine Großmutter wurde 95 und hat die wesentlichen Elemente des Lebens in einfachen Regeln verdichtet. Das, was unser Leben schöner macht, ist nämlich kein Geld. Ich biete Dir ihre Regeln an und dazu ein paar Gedanken von mir.

Regel Nr. 1

Betrachte die Welt und ihre Schönheit mit den Augen eines Kindes. Genieße sie und höre auf, alles und jeden zu beurteilen. Lächle in die Welt, denn Du kannst sie nicht alle umbringen.  Neben dem Charme dieser Aussage ist es tatsächlich so, dass wir mit dieser Haltung einen Botenstoffcocktail erschaffen, der uns biochemisch glücklicher macht. Vollkommen kostenfrei.

Pass auf, der Weg ist hier ein wenig rutschig. Achte nur auf Deine Füße und wie Du sie setzt.

Regel Nr. 2

Gedanken sind nur Gedanken. Fokussiere Dich auf das Wesentliche. Identifiziere Dich nicht mit den Sorgen, auch wenn sie Bestandteil eines normalen Lebens sind. Es ist, wie der Dalai Lama sagt: Wer sich sorgt, leidet zwei Mal. Die Neurowissenschaft fördert stets neue Kenntnisse darüber zutage, die diese Regeln bestätigen. Das, was wir denken, formt unseren Blick auf das Leben und wie wir es erleben. Und ich glaube persönlich, dass Dinge keine Bedeutung haben, sondern dass wir sie ihnen geben.

Gerade wird der Weg sehr steil. Wie geht es Dir dabei? Kannst Du die Steigung bewältigen? Und schon kommen wir zur nächsten Regel.

Regel Nr. 3

Erkenne Deine Beschaffenheit und handle entsprechend. Viele gute Vorschläge passen nicht zu Dir, sondern vor allem zu der Person, die darüber schreibt oder spricht. Vielleicht ist trotzdem ein Impuls dabei, den Du zu Deinem machen kannst.

Wir sind oben angekommen. Genieße die Aussicht und lass die nächste Regel wirken.

Regel Nr. 4

Nimm nichts von dem, was Du hast, für selbstverständlich. Bleib offen für die Möglichkeiten. Umgib Dich mit Schönheit. Schönheit beruhigt und gibt Dingen eine Bedeutung. In der Natur ist sie überall. Alles, was Du tun musst, ist hinzuschauen. Auf diese Weise erholst Du Dich – tagtäglich.

Regel Nr. 5

Lass Deine Sinne erwachen. Nähre sie gut, denn sie können dafür sorgen, dass Dein Verstand zur Ruhe kommt. Über unsere Sinne verbinden wir uns mit der Welt, sind Teil von ihr. Sinnlichkeit im Leben ist ein wesentliches Element unserer Beziehungen. Über sie verständigen wir uns, können wir das Leben genießen. Nebenbei ist auch das gut für unser Immunsystem und genauso für unseren Verstand, der dann Pause macht. Das wiederum optimiert ihre Zusammenarbeit.

Am Ende des Spaziergangs

Ich glaube, dass wir uns gerade in dieser Zeit an Gedanken, an Regeln wie jenen meiner Großmutter orientieren sollten, die sie einst am Ende ihres Lebens als wesentliche Erkenntnis formulierte. Oft genug lässt uns das Streben nach Geld diese Verbindung zur Welt weniger spüren und manchmal sogar unterbrechen. Das ist nicht so, weil Geld die Ursache allen Übels ist. Es hat vielmehr damit zu tun, wie wir mit Geld umgehen, es einsetzen und uns ihm unterwerfen. Auch eine Welt ohne Geld erforderte immer noch unsere eigene Veränderung, um eine gute Veränderung für alle zu erschaffen. Es geht nicht ohne eine Bewusstseinsveränderung. Wählen wir also gut, welche wir wollen.

Im Moment frage ich mich, wie wir die Kluften, die durch die letzten Monate in unserer Gesellschaft entstanden sind, überbrücken wollen. Doch bevor ich diesen Gedanken weiterverfolge, halte ich einen Moment inne, sauge den Duft des Waldes ein, höre das Zwitschern der Vögel, das knackende Unterholz und mache mich auf den Rückweg. Dorthin, wo ich nicht auf feste Schuhe angewiesen bin.


Du steckst fest, willst etwas ändern und weißt nicht was? 
Du bist auf der Suche, ohne zu wissen wonach, denn eigentlich ist alles da.
Du suchst nach nichts Konkretem, aber bist offen für Inspiration für den Weg zu dir selbst?

Mechthild Rex-Najuch macht digitale Räume auf, um in den Kontakt zu gehen. Hier erfährst du mehr.

©Jochen Quast

Mechthild Rex-Najuch schreibt seit ihrem 15. Lebensjahr. Ihr Interesse an Menschen lebt sie nicht nur als Therapeutin aus, sondern sie beobachtet und hört auch privat genau zu. Zwischen Patienten, Fachbüchern, Romanen und Kurzgeschichten verfolgt sie das Ziel, Inspiration und Kreativität als selbstverständliche Einflüsse zur Problemlösung zu nutzen. Diesem Aspekt will sie mit diesem Blog ein eigenes Gesicht geben.
An dem Fachbuch Hochsensibilität, das 2018 bei Fischer & Gann erschienen ist, hat sie maßgeblich mitgewirkt. 

Jutta Böttcher, Herausgeberin und Co-Autorin des Fachbuchs für Hochsensibilität, widmet sich bei Aurum Cordis ebenfalls dem elementaren Thema "Zukunft erschaffen". Weitere Beiträge und Informationen rund um das Projekt BEYOND REALITY findest du hier. 

Mechthild Rex-Najuch ist auch in den sozialen Netzwerken vertreten:

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